
DüsseldorfAls ich ein kleines Mädchen war, wollte ich wie alle kleinen Mädchen Prinzessin sein. So wie alle kleinen Jungen Cowboys sein mussten. Die jagten dann zur Karnevalszeit mit Zündplättchengeknalle die Prinzesschen, wobei ihnen in staubigen Straßenschluchten nicht selten wilde Indianer in die Quere kamen.
Eine Art Vorschule für den Western nach klassischem Strickmuster: Der Gute, der Böse, dazwischen die Schöne. Dazu staubige Straßen, weite Landschaften, Pferde, Whisky, Bankraub und/oder Postkutschenüberfall. Dann: Showdown - bis alles wieder seine Ordnung hat und der Held in den Sonnenuntergang reitet…
Später dann, nachdem das mit der Prinzessin nichts geworden war: „Spiel mit das Lied vom Tod“. Der lief damals in Köln jahrelang in ein und demselben Kino. Wir gingen mehrmals rein - mit wechselnden Partnern. Auch in die nachfolgenden Spaghetti-Western, blieben dem Genre treu bis in die Parodien und diskutierten dann Brüche wie „Brokeback Mountain“, in dem sich zwei Cowboys ineinander verlieben.
Jetzt – 110 Jahre nach „Der große Eisenbahnraub“, dem ersten Western überhaupt - stiefeln die Jungen und jung Gebliebenen in Quentin Tarantinos „Django unchained“. Und danach ist immer noch wie „once upon a time in the west“: Irgendwie hat sich ihr Gang verändert, wenn sie rauskommen: aufrechter, lässiger, heldenhafter aus der Hüfte raus. Auch der Blick ist anders: Ein bisschen wie John Wayne, John Ford, Clint Eastwood, Charles Bronson, Henry Fonda oder Ur-Django Franco Nero.
In jedem Mann steckt doch ein Quentchen Cowboy. So sieht er sich und so sieht er manchmal auch aus, auch ohne sich sklavisch an Vorbilder zu halten. Er steigt eben gerne mal raus aus seinem alltäglichen Blaumann Businessanzug, schlüpft in sportlich karierte Hemden, hackt Holz vor dem Reihenhaus, stiefelt in Cowboy-Boots über den Wochenmarkt und landet im SUV. Und wenn er mal in die Luft geht, im Feuervogel Ferienflieger, setzt er den Cowboyhut schon im Abflughafen auf. Ballermann, wir kommen.
Im Mittelpunkt des Western steht der US-amerikanische Mythos der Eroberung, Urbanisierung und Bevölkerung des Westens der Vereinigten Staaten im neunzehnten Jahrhundert. Entsprechende Romanwerke werden meist als Trivialliteratur gewertet.
Mit einem Einspielergebnis von rund 424 Mio. US-Dollar ist Der mit dem Wolf tanzt der erfolgreichste Western an den Kinokassen, wenn er auch vom genreüblichen Muster des Western abweicht.
Der klassische Western ist in seinen handelnden Figuren stark festgelegt. Im Mittelpunkt stehen meist der gute, zuweilen naiv wirkende, aber wehrhafte Cowboy oder Sheriff und sein Konterpart, der skrupellose Bösewicht. Zwischen den Hauptakteuren steht häufig eine Frau, um die ein Kampf zumeist mit Revolvern oder Fäusten ausgetragen wird.
Auch die Szenerie ist auf wesentliche Elemente festgelegt, etwa Fort oder die kleine Stadt, der Saloon mit Whiskey und Kartenspiel, Planwagentrecks der Siedler, Goldsucher und Trapper, die von Osten nach Westen durch die weite Landschaft sowie Indianerdörfer.
Wichtige Elemente sind häufig der Bank- oder Postkutschenraub. Am Ende steht meist das Duell Mann gegen Mann mit den Waffen.
Die Westernhelden und Cowboys, wie sie in Western-Filmen dargestellt werden, sind eine Kunstschöpfung, die nicht nachträglich, sondern im selben Moment erfunden wurden, als ihre Vorbilder im Westen das Land erkundeten.
Karl-May-Filme, DEFA-Indianerfilm (als Konterpart der DDR zu den karl-May-Filmen, Anti-Western (entstanden in den 60er Jahren, arbeitet gezielt gegen die Helden-Klischees), Neo-Western, Italowestern (entstanden in den 60er Jahren als Weiterentwicklung und Persiflage der bestehenden Western, Hauptvertreter ist Sergio Leone), Urban Western (etwa Actionfilme wie WARRIORS, welche in einer „modernen“ Stadt spielen, aber Westernelemente enthalten),
Für manche Western-Clubs ist das ganze Jahr Karneval. Sie treffen sich auf ihrer eingezäunten Ranch, lassen das Lasso und die Korken knallen, hocken rund ums Lagerfeuer und legen großen Wert auf kultige Kluft bis hin zu Accessoires wie Buckles und Boloties, reich mit Halbedelsteinen verzierte Schnallen und Spangen und diese Cowboy-Krawatten aus dünnen, geflochtenen Lederstreifen mit phantasievollen Verschlüssen. Und was trägt Django drunter? Long John heißt der praktische Einteiler, ein Strampelanzug, vorne durchgeknöpft, hinten mit Schlitz, vorzugsweise in blutrot.