
FRANKFURT. Die Hotellerie in Deutschland geht mit gemischten Gefühlen ins Krisenjahr 2009. Während Top-Hotels unter der neuen Sparsamkeit der Geschäftsreise-Kundschaft leiden, sehen sich Anbieter in den preiswerteren Segmenten gut im Rennen. Allen voran Best Western, mit 170 Drei- und Vier-Sterne-Häusern die größte Hotelmarke im Lande: „Wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen, da wir nun Gäste gewinnen können, die früher in höherpreisigen Kategorien gebucht haben“, erklärte Geschäftsführer Marcus Smola gestern bei der Vorlage der Zahlen für 2008.
Auch die französischen B & B-Hotels, deren deutscher Ableger kräftig im so genannten „Budget“-Segment expandiert, will mit Qualität zu günstigen Preisen die von geschrumpften Reiseetats gebeutelte Kundschaft in die Zwei-Sterne-Häuser locken. Aus 17 Hotels Ende des vergangenen Jahres sollen bis 2010 rund 60 werden. Der Umsatz soll im laufenden Jahr 50 Prozent zulegen.
„Hotels, die meinen, sie könnten erschöpfte Geschäftsleute mit mehr Luxus anziehen, verschwenden ihr Geld“, stellt das internationale Forschungsinstitut Economist Intelligence Unit in einer für den Reisedienstleister Amadeus angestellten Untersuchung fest. Es sei das Zeitalter „der sparsamen Reisenden angebrochen“. 45 Prozent der befragten Manager erklärten, dass die Zimmertarife für die Hotelauswahl „absolut ausschlaggebend“ seien. Zudem werde seltener und kürzer gereist.
Deutsche Hotels spüren das bereits. Nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga gingen die Umsätze im letzten Quartal des alten Jahres deutlich zurück. „Vor allem das Veranstaltungsgeschäft und der Geschäftsreisetourismus leiden unter der Krise“, stellt Dehoga-Präsident Ernst Fischer fest.
Eine Studie der Beratungsgesellschaft MKG Hospitality attestiert speziell der Kettenhotellerie in Deutschland im letzten Jahr noch eines der besten Ergebnisse in Europa. Dabei schnitten die preiswerteren Hotels besser ab. 2009 werde aber ein Mangel an großen Messen die Situation für die Hotelbranche verschärfen.
Best Western Deutschland will dennoch sieben Prozent mehr Umsatz machen. Die Gruppe eigenständiger Hotelunternehmen unter dem Markendach steigerte ihren Umsatz 2008 mit rund 5 100 Beschäftigten um sieben Prozent auf erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro. Dabei stiegen die Durchschnittspreise bei stabiler Auslastung um gut fünf Prozent. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Hotels in Deutschland auf 190 wachsen, 2010 dann auf 200. Die Nachfrage von Hotelbetreibern, ihre Häuser der internationalen Marke anzuschließen, steige in Krisenzeiten, betonte Smola.
Ein klares Markenprofil fordern reisende Führungskräfte auch in den Zeiten der neuen Sparsamkeit, zeigt die Economist-Studie. Neben den preiswerteren Drei- und Vier-Sterne-Häusern sieht die Befragung da die große Chance für die Budget-Hotels. Sie könnten für Geschäftsreisen genauso selbstverständlich werden wie es die Billigflieger schon längst sind.