
New YorkEigentlich würde Donatella Versace ihren Namen wohl kaum auf irgendein beliebiges Kleidungsstück drucken lassen - und ganz bestimmt nicht auf eine einfache Kollektion des schwedischen Modekonzerns Hennes & Mauritz (H&M). Aber das, was H&M da am Dienstag auf einer Modeshow in New York vorstellte, war schon etwas anderes: Die Kleider entsprachen ganz und gar dem Haute-Couture-Standard und trugen den Namen Versace durchaus zurecht.
Zu sehen war etwa ein metallenes Disco-Dress, eine mit Nieten beschlagende Lederbomberjacke und ein knallrosa-farbener Anzug. H&M hat schon zuvor mit dem einen oder anderen namhaften Designer zusammengearbeitet - darunter Karl Lagerfeld, Stella McCartney und Lanvin-Designer Alber Elbaz - aber noch niemals hat es eine vergleichbare Show zum Verkaufsstart gegeben.
Zahlreiche Prominente erschienen zu dem Event auf einem historischen Pier in Manhattans Meatpacking-District. Blake Lively, Uma Thurman und Jessica Alba waren etwa da. Nicki Minaj und Prince saßen während der Show in der ersten Reihe und traten dann später bei der After-Show-Party auf.
Die Kleider der Kollektion sollten als Gegenmittel für die Wirtschaftskrise fungieren, sagte Versace in einem Interview. „Als die Wirtschaft das letzte Mal schwächelte, wurde alles falsch gemacht“, sagte sie. Alle hätten damals geglaubt, die Leute würden sich nach robuster Kleidung sehnen. Das sei jedoch völlig falsch gewesen, sagte Versace und fügte hinzu: „Die Unternehmen, die letztlich überlebt haben, waren jene, die ihrer DNA treu geblieben sind - und unsere DNA ist der Glamour.“
Tropische Blumenmuster sind auf enge Leggins und Tops gedruckt und bunte Kleider sind mit perlengesäumten Fransen bestückt. Viele Models tragen pinke Riemchensandalen und führen Handtaschen mit aufgedruckten Strandmotiven über den Catwalk. Die Kreationen orientieren sich stark an früheren Versace-Erfolgen. Nur dass sie mit höchsten 300 Dollar (Euro) pro Stück deutlich günstiger sein dürften.
Sie habe sich mit ihrer Kollektion besonders an die aufkommende Generation wenden wollen, sagte Versace. „Die jungen Leute wollen sich einfach gut anziehen und cool aussehen“, sagte sie. Dazu mixten sie auch mal Designermode mit weniger teuren Produkten.
Für Modekonzern Hennes & Mauritz ist es bei weitem nicht die erste Zusammenarbeit mit weltbekannten Designern. Immer wieder setzt die Kette auf Designerstücke zu Einzelhandelspreisen, darunter Namen wie Stella McCartney, Roberto Cavalli oder Jimmy Choo. Als Karl Lagerfeld 2004 Entwürfe zur Kollektion beitrug, kam es in den Filialen zu Hysterie, langen Schlangen und totalem Ausverkauf. Der Umsatz stieg damals um 24 Prozent. Insgesamt sind die „Gastdesigner“ längst zum festen Erfolgsfaktor geworden.
Auch für Versace birgt die Kooperation Vorteile. CEO Gian Giacomo Ferraris sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg von einer „fantastischen Möglichkeit“, die Marke einem jungen, internetaffinen Publikum vorzustellen. Für das Luxusimage der Marke stelle das kein Problem dar, hielt er fest, durch die zeitlich begrenzte Zusammenarbeit würden die Kunden nicht vergrätzt. Bloomberg zitiert darüber hinaus Branchenexperten und Analysten, die beiden Unternehmen einen gelungenen Schachzug attestieren. Eine ganze Schar von jungen Käufern könne sich bislang gar nichts unter dem Begriff Versace vorstellen, heißt es dort weiter.