
DüsseldorfChardonnay ist eine der populärsten Rebsorten der Welt. In Frankreich, wo sie die einzig zugelassene Rebsorte des sortenrein ausgebauten Chablis ist. In Chile, Neuseeland, Australien, Argentinien und den USA beispielsweise wird die Rebsorte ebenfalls in großen Umfang angebaut. Auch in meinem Weinkeller liegen einige Flaschen Stimson vom Weingut Chateau Ste Michelle aus dem US-Bundesstaat Washington, wo recht fruchtbetonte Chardonnays erzeugt werden. Und Chardonnay-Flaschen vom Weingut Hess aus dem Napa Valley in Kalifornien.
Die Traube, die in vielen Champagner enthalten ist, wird meistens in Edelstahltanks ausgebaut, kann aber auch in Eichenholzfässern reifen. Doch Vorsicht: Als Holzfässer eigenen sich nur gute Qualitäten. Vor längerer Zeit hatte ich auch einen Chardonnay aus Südafrika für knapp drei Euro getrunken, der im Holzfass gereift war. Doch von leichten Vanille- und Röstaromen, die der Wein durch die Lagerung im Holz eigentlich bekommen sollte, war nichts zu schmecken. Der Tropfen schmeckte grauenvoll. Besser gesagt: Ein Biberwein, wie Weinkritiker Andreas März (Chefredakteur der Zeitschrift Merum), Weine mit zu viel Holzeinfluss bezeichnet.
Was der Riesling qualitativ für die Weißweine bedeutet, verkörpert der Spätburgunder oder Pinot Noir unter den Rotweinen: die Spitze. In Deutschland sind ca. 11.300 Hektar Rebfläche mit der Sorte Spätburgunder bestockt, das entspricht einem Anteil von mehr als elf Prozent an der Gesamtrebfläche. Traditionell werden die besten Spätburgunder aus hochreifen Trauben gewonnen. Der Anbau der Rebsorte verlangt sehr viel Sorgfalt und stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden. Seine Farbe ist rubinrot bis granatrot. Sein Geschmack erinnert an Brombeeren, Kirschen, Erdbeeren, Holunder und Pfeffer. Der Geschmack ist etwas gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.
Längst ist die Neuzüchtung von 1955 zu einem deutschen Rotweinklassiker gereift und erfreut sich seit Jahren einer immensen Nachfrage. Heute sind ungefähr 8000 Hektar mit der roten Traube bestückt, das sind acht Prozent der deutschen Rebfläche. Es gibt zwei unterschiedlich Ausbaustile. Der ersten betont die Fruchtaromen und wird jung auf den Markt gebracht. Andere Winzer bauen den Dornfelder im großen oder kleinen Holzfass aus und betonen mehr die Gerbstoffe. Die Farbe ist violett bis schwarzrot und sehr farbdicht, das Aroma erinnert an Holunder und Brombeeren. Der Geschmack ist gerbstoffbetont, der Körper (Gehalt) gehaltvoll bis körperreich.
Der Portugieser gilt als unkomplizierter, fruchtiger und frischer Wein für jeden Tag. Sie sind im Alkohol meist leichter als andere Rotweine. Bei deutlicher Ertragsreduzierung sind auch tiefrote, füllige und kraftvolle Rotweine möglich. Die Anbaufläche liegt bei 4.100 Hektar, rund vier Prozent der gesamten deutschen Rebfläche. Die Farbe ist hell- bis rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren und Erdbeeren. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper leicht bis mittelkräftig.
In Württemberg ist der Trollinger die meistangebaute Rotweinsorte und hat sich zu einem „schwäbischen Nationalgetränk“ entwickelt. Es ist ein frischer und unkomplizierter Wein für jeden Tag. Eine gewisse Restsüße verleiht den harmonischen Trinkweinen zusätzliche Süffigkeit. In der warmen Zeit sollte man Trollinger unbedingt leicht gekühlt servieren. Die Rebsorte wird auf einer Fläche von 2400 Hektar angepflanzt. Die Farbe ist ziegelrot bis helles rubinrot, das Aroma erinnert an Erdbeeren, Johannisbeeren und Kirschen. Der Geschmack ist gerbstoffmild, der Körper (Gehalt) leicht bis mittelkräftig.
Insbesondere bei den Württembergern, aber nicht nur dort, erfreut sich der Schwarzriesling großer Beliebtheit. In offiziellen Rebsortenlisten findet man die Bezeichnung „Müllerrebe“. In Frankreich heißt die Müllerrebe „Pinot Meunier“ und gehört zu den drei Champagnerrebsorten. In Deutschland beschränkt sich der Schwarzriesling-Anbau weitgehend auf Baden-Württemberg. Dennoch erreicht die Sorte einen Anteil von über zwei Prozent der deutschen Rebfläche (2000 Hektar).Die Farbe ist rubinrot, das Aroma erinnert an Johannisbeeren, Kirschen, Himbeeren und Brombeeren. Der Geschmack weist mittlere Gerbstoffe auf, der Körper ist mittelkräftig und gehaltvoll.
In Deutschland ist die Rebsorte unbeliebt – vor allem bei Weinkritikern - da sie überall in der Welt angebaut wird und somit für kein Land oder für eine Region steht. Nicht so wie der Riesling oder Spätburgunder, die als die deutschen Trauben gelten oder der Lemberger oder Trollinger, die für die Region Württemberg stehen. Hierauf beruht das Schimpfwort „Chardo - nee!", welches aus meiner Sicht völlig zu Unrecht vergeben wird.
Denn es gibt auch in Deutschland exzellente Chardonnay-Weine. Davon konnte ich mich in den letzten Wochen überzeugen. Zum einen beim Besuch des Weinguts Dr. Heger in Ihringen am Kaiserstuhl in Baden. Und zum anderen bei einer Probe vom Weingut Karl Haidle aus Württemberg. Beides übrigens exzellente Weingüter, die zu recht zahlreiche Auszeichnungen erhalten haben. Das Problem: Gut gemachte Chardonnays aus Deutschland sind teuer.
Riesling ist unbestritten die deutsche Vorzeige-Rebsorte und gehört zu den wirtschaftlichen Stützen der Weinwirtschaft. Mit einer Rebfläche von 22.600 Hektar besitzt Deutschland die größte Rieslingrebfläche weltweit und verweist somit Australien und Frankreich mit großem Abstand auf die Plätze zwei und drei. Die Farbe des Rieslingweins ist grünlich gelb bis hell goldgelb. Sein Aroma erinnert an Äpfel, Pfirsiche oder Aprikosen. Geschmack: feinfruchtig, meist säurebetont. Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.
In der deutschen Weinlandschaft gab der Müller-Thurgau seine Führungsposition in der 1990er Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem Flächenanteil von 13 Prozent hat der Rivaner nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen Weinbau. Dass er heute auf ca. 13 359 Hektar wächst, verdankt er unter anderem seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auf für Nichtweinkenner. Die unkomplizierten Müller-Thurgau-Weine sind geschmacklich leicht zugänglich. Meist sind es jugendliche. Leichte und frische Weine für jeden Tag. Farbe: helles Gelb, Aroma: erinnert an zarte Kräuter, Äpfel und Birnen. Geschmack: säuremild. Körper, Gehalt: mittelkräftig.
Silvaner galt bis Mitte des Jahrhunderts als wichtigste deutsche Rebsorte; mehr als jede zweite Rebe war ein Silvanerstock. Der kontinuierliche Anbaurückgang der letzten Jahrzehnte, insbesondere zugunsten des Müller-Thurgaus, ließ den Flächenanteil auf derzeit fünf Prozent sinken. Auf einem Niveau von 5200 Hektar schein er sich zu stabilisieren. Silvanerreben liefern im Duft eher verhaltene Weine mit einer milden Säure. Farbe: sehr helles bis intensives Gelb, Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen oder frisches Heu, Geschmack: milde bis mittlere Säure, Körper, Gehalt: leicht bis mittelkräftig.
Grauburgunder zählt zu den besten Sorten in Deutschland. In Deutschland hat die Rebsorte wieder zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im weltweiten Vergleich steht Deutschland nach Italien und den USA an dritter Stelle im Grauburgunderbereich. Zur Zeit sind mehr als 4700 Hektar – das entspricht fast fünf Prozent der deutschen Rebfläche – mit dieser Sorte bestockt. Farbe: farbintensiv, hell- bis goldgelb, Aroma: erinnert an Mangos, Nüsse, Mandeln. Der Geschmack ist mild bis säurebetont, der Körper (Gehalt) kräftig und gehaltvoll.
Weißburgunder zählt zusammen mit dem Grauburgunder zu den Weißweinsorten mit der derzeit größten Rebflächenzunahme. Mehr als 4100 Hektar oder knapp vier Prozent der deutschen Rebfläche sind montan mit der Sorte bestockt. Weißburgunder, trocken ausgebaut, mit frischer Säure und feiner Frucht sind ideale Menüweine, aber auch leichte Sommerweine. Farbe: hell- bis strohgelb. Geschmack: etwas säurebetont. Das Aroma: erinnert an Äpfel, Birnen, Mangos, Nüsse und Quitten, der Körper (Gehalt) ist mittelkräftig.
Ich mag gerne fruchtbetonte Weißweine - und dieses Vergnügen boten mir sowohl der Ihringer Winklerberg Chardonnay 2011 vom Weingut Dr. Heger als auch der Chardonnay Passion 2010 vom Weingut Haidle.