_

Jürgens Weinlese: Genuss ohne Reue

Jürgen Röder, Weinexperte bei Handelsblatt Online, erläutert, warum er immer mehr Biowein trinkt. Und welche biologisch angebauten Weine seine Favoriten sind.

Weinliebhaber Jürgen Röder.
Weinliebhaber Jürgen Röder.

Nein, ich bin kein Öko. Ich bin Finanzjournalist und schreibe beispielsweise über strukturierte Anlageprodukte – Themen über die eine biodynamische Weintrinkerrunde meist die Nase rümpfen würde.

Dennoch trinke ich Biowein  - und das immer mehr. Das liegt nicht nur an meinem Freund Heinz Bünger, der beim Großhändler Naturian die Weine für die Eigenabfüllungen einkauft und mir immer stolz seine Neuigkeiten präsentiert. Das liegt in erster Linie an den Nebenwirkungen, besser gesagt an den fehlenden. Bislang hatte ich noch nie Kopfschmerzen am Tag nach dem Genuss von Biowein. Nicht, dass ich stark unter Kopfschmerzen leide, aber meine Frau hat da schon mehr Probleme. Aber auch ihr bereitet der Genuss von Biowein am Tag danach keinerlei Kopfschmerzen – im Gegensatz zu manch herkömmlichen Produkten.

Und ich liege mit meinem Trinkverhalten im Trend. Der Marktanteil in Deutschland an Bioweinen liegt zwischen vier und fünf Prozent, die Rebfläche für derartige Tröpfchen hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. (Mehr dazu im Interview mit Peter Riegel)

Jürgens Weinlese „Zum Biowein gehört eine Identität“

Peter Riegel zählt zu den Biowein-Pionieren. Mit ihm sprach ich über die sprunghafte Entwicklung des Marktsegments, und warum er ein anderes Verhältnis zu den Winzern pflegt.

Jürgens Weinlese: „Zum Biowein gehört eine Identität“

Im folgenden präsentiere ich Ihnen meine aktuellen Biowein-Favoriten, die in größerem Umfang bei mir im Keller lagern. Zwei von Ihnen kennen Sie bereits durch meine Empfehlung im Rahmen meines Reiseberichts durch Italien: San Michele e Tori oder Povanera.

Biowein-Tipps aus meinem Weinkeller

Der Anteil an französischen Weinen in meinem Keller ist - verglichen mit Spanien und Italien – eher gering. Aber vom Weingut Domaine Bassac aus der französischen Langeduoc-Region lagern schon einige Flaschen bei mir. In diesem Weingut werden schwerpunktmäßig reinsortige Weine produziert. Vor allem der reinsortige Cabenet Franc 2011 hat es mir angetan; zumal die Rebsorte eher selten reinsortig angebaut wird. Schwarze Beerenfrüchte im Zusammenspiel mit dem typischen Paprikaduft des Cabernet Franc ergeben einen weichen und vollmundigen Tropfen. Für rund sechs Euro ein erstklassiger Wein.

Dossier zum Download Die 100 besten Weingüter Deutschlands

Rheinhessen erlebt seit Jahren einen atemberaubenden Aufschwung. Acht Güter der Region finden sich inzwischen in der Winzer-Oberliga. Aber es müssten noch viel mehr sein. Dazu: Alle Adressen und Infos zu den Top 100.

Dossier zum Download: Die 100 besten Weingüter Deutschlands

Meine nächste Empfehlung stammt von der Domaine Jean Bousquet - ein Franzose, der in Argentinien sein Biowein-Glück gesucht  und offenbar gefunden hat. Er entschloss sich im Jahr 1997 seine 120 Hektar Weinberge in Frankreich aufzugeben, um im Andenstaat neu anzufangen. Sein Malbec Reserva 2010 ist in punkto Dichte für die Preisklasse um die 10 Euro meiner Meinung nach schwer zu übertreffen. Ein saftig-frischer Rotwein aus der klassischen Rebsorte Argentiniens. Er wurde im Barrique ausgebaut, hat trotzdem aber nur eine dezente Holznote. Er hat Aromen von Heidelbeere, Pflaumen und Kirschen - ein komplexer Wein.

Jürgens Weinlese Reise durch „Europas Weinkeller“

Handelsblatt-Online-Weinexperte Jürgen Röder ist durch Apulien gefahren, einst als Produzent von industriellem Massenweinen verschrien. Mittlerweile werden im „Weinfass Italiens“ interessante edle Tropfen hergestellt.

Jürgens Weinlese: Reise durch „Europas Weinkeller“

Das führende Bio-Weingut  in Chile ist Emiliana. Der dortige Önologe Alvaro Espinonza hat langjährige Erfahrung in Frankreich und Kalifornien gesammelt. Aus dem umfangreichen Portfolio überzeugt mich vor allem der Novas Gran Reserva 2010 – ein Blend aus der chilenischen Traditionssorte Carmenère und Cabernet Sauvignon. Ein trockener, schwerer, gehaltvoller Barriquewein mit zarten Noten von Gewürzen, Trockenfrüchten und kraftvoll, präsenten Aromen von dunkler Schokolade. Für mich ein sehr gut ausbalancierter Wein!