Jürgens Weinlese

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Jürgens Weinlese: Reise durch „Europas Weinkeller“

Handelsblatt-Online-Weinexperte Jürgen Röder ist durch Apulien gefahren, einst als Produzent von industriellem Massenweinen verschrien. Mittlerweile werden im „Weinfass Italiens“ interessante edle Tropfen hergestellt.

Weinliebhaber Jürgen Röder.
Weinliebhaber Jürgen Röder.

DüsseldorfRebstöcke  wohin ich schaue. Als ich vom Norden her in Apulien ankam, konnte ich kaum glauben, dass sich in dieser Region die Weinanbaufläche deutlich verringert haben soll.  Für mich war nach der ersten halben Stunde Fahrt durch das fast 400 Kilometer lange Gebiet klar: Hier bin  ich im „Weinfass“ Italiens.

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Dieses „Weinfass“ hatte (oder hat immer noch?) einen schlechten Ruf. Auf einer Rebfläche von mehr als 106.000 Hektar wird mehr Wein als in Deutschland produziert. Ein großer Teil für die Destillation von Industrie-Alkohol und für die Produktion von Massenweinen.

Wein aus Apulien

  • Primitivo

    Die Rebsorte Primitivo ist mit Zinfandel identisch, daher vermarkten italienische Primitivo-Winzer ihren Wein teilweise unter dem bekannteren Namen Zinfandel. Die bekannteste italienische Anbauzone für Primitivo ist Manduria in der Region Apulien, wo es die DOC-Zone Primitivo di Manduria gibt, allerdings werden auch einige vorzügliche Exemplare unter der IGT Primitivo di Puglia verkauft. In seinen Anbaugebieten gilt er als krankheitsresistent. Zinfandel-/Primitivo-Rotweine können infolge des hohen Zuckergehalts der Traube höhere Alkoholwerte (13 bis 15 Volumenprozent) erreichen. Die Weine zeichnen sich durch ein charakteristisch würziges, an Zimt, Nelken, schwarzen Pfeffer und dunkle Waldfrüchte erinnerndes Aroma aus. Zinfandel wird überwiegend in Kalifornien angebaut.  Früher durfte Zinfandel in Deutschland nicht angebaut werden; erst seit ein paar Jahren gibt es dort auch ein paar Rebflächen.

  • Negramaro

    Negroamaro (auch: Negramaro) ist eine rote Rebsorte. Sie ist vor allem in der süditalienischen Region Apulien zu finden, wo sie seit Jahrtausenden angebaut wird und sehr gute, kräftige Weine ergibt. Negroamaro enthält reichhaltige Fruchtaromen nach schwarzer Johannisbeere und Kirsche. Bis vor kurzem wurde sie vor allem für Verschnittweine eingesetzt; inzwischen erfolgt zunehmend auch reinsortiger Ausbau. Das bekannteste DOC-Gebiet für Negroamaro ist SaliceSalentino, wo die Rebe meist mit etwas Malvasia Nera verschnitten wird. Aus getrockneten Trauben der Sorten Negroamaro und Malvasia Nera wird außerdem die sirupähnliche Würzspezialität Vincotto gewonnen. Der Name bedeutet nach einer Version „schwarze Bittere“, was auf einen hohen Tanningehalt hindeutet.

  • Malvasia

    Malvasia sind in südlichen Ländern sehr verbreitete verschiedene rote und weiße Rebsorten, vor allem aus Italien, Spanien, Portugal und Kroatien. Viele dieser Sorten sind antiken griechischen Ursprungs. In Niederösterreich und Deutschland wird auch der Frührote Veltliner manchmal so bezeichnet. Aus getrockneten Trauben der Sorten Negroamaro und Malvasia nera (Malvasia Nera di Basilicata, Malvasia Nera di Brindisi und Malvasia Nera di Lecce) wird außerdem eine sirupähnliche Würzspezialität Vincotto gewonnen.

  • Verdeca

    Die weiße Rebsorte Verdeca ist eine autochthone Sorte Süditaliens und wird vorwiegend in der Region Apulien angebaut. Sie erbringt einen blaßgelben grünlichen Wein mit neutralem Aroma (in seiner besten Ausprägung verfügt der Weißwein über ein Mandel-Bouquet) und Geschmack. Der mittlere Alkoholgehalt liegt dabei bei mäßigen 11 - 12 Volumenprozent. Die Sorte dient vor allem als Basis für Vermouth und für Verschnitte, zum Beispiel für die DOC-Weißweine Locorotondo und Martina Franca. Er wird häufig mit Bianco d'Alessano, Bombino Bianco, Fiano und Malvasia Toscana verschnitten.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Es gibt in Apulien unterschiedliche Weine, die mir sehr gut schmecken. Schwere, fruchtige aber doch herbe und säurereiche Negroamaro-Weine in der Region Salento; sehr konzentrierte, alkoholreiche, teilweise süße Primitivo aus Taranto;  fruchtbetonte Nero di Troia mit vollem Körper und sanften blumigen Aromen und  fruchtige Weißweine aus dem Itriatal.

In Apulien haben die Wein-Genossenschaften eine starke Stellung; das ist mir im Rahmen meiner Reise deutlich geworden. Das hat geschichtliche Hintergründe: Bis zum zweiten Weltkrieg gehörte das apulische Land Großgrundbesitzern. Nach der Enteignung in den  50er und 60er Jahren übernahmen die ehemaligen Pächter und Landarbeiter die Weinberge. Die neu gegründeten Kooperativen übernahmen die Ernte und zahlten die Weinbauern aus – kein System, das Unternehmertum fördert.

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