Lifestyle

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Komm Kuscheln!: Weihnachtsmarkt der Zärtlichkeiten

Im digitalen Zeitalter läuft immer mehr von Tastatur zu Tastatur denn von Angesicht zu Angesicht. Dabei zeugen gerade die innerstädtischen Weihnachtsmärkte von ganz anderen Sehnsüchten. Eine kleine romantische Bilanz.

Face to Face statt Facebook: Klick macht der Glühweinbecher. Quelle: obs
Face to Face statt Facebook: Klick macht der Glühweinbecher. Quelle: obs

DüsseldorfEs war in den frühen 90er Jahren, als ich den damaligen Vorsitzenden des Chaos-Computer-Clubs traf. Wir bildeten bei einem albernen Suchspiel während eines Werber-Treffs zufällig ein Team. Auf meine Frage, was er denn später mal so machen wolle, antwortete er wie aus der Pistole geschossen: „Eis-Café!“ In Silicon Valley? Nö, direkt in seinem Viertel.

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In einigen Jahren, so der junge Mann in weiser Voraussicht, wären es die Computer Freaks sowieso satt, wie autistische Mehlwürmer vor ihren dämlichen Kisten zu vereinsamen. Das sähe er ja jetzt schon an all den Kommunikations-Krüppeln in seiner Umgebung. So sah er eine Renaissance der direkten Kommunikation voraus. „Und wo geht das besser als in einem Eiscafé?“ fragte er mich strahlend.

In diesen Tagen könnte ich ihm die Antwort geben: „Auf dem Weihnachtsmarkt!“ Jeden Tag, so bald es dämmert, bilden sich in den Budenstädten in den Metropolen lauter kuschelige Clouds von jungen Menschen. Sie umklammern ihren Glühweinbecher beinahe mit der gleichen Leidenschaft wie sonst ihre Smartphones.

Mal ganz andere Klingeltöne. Face to Face statt Facebook, genüsslich schlürfen statt nervös SMS-en, sich live anlächeln statt alberne Smilies verschicken. Geht doch. Sogar gut. Hier und da sogar mit hohem Flirt- und Kuschel-Faktor.

Immer noch in: altmodische Erinnerungsfotos. Quelle: dpa
Immer noch in: altmodische Erinnerungsfotos. Quelle: dpa

So ein Weihnachtsmarkt der Zärtlichkeiten zeigt deutlich, wo die Sehnsucht hin geht. Der wahrscheinlich wahre Grund für drohende digitale Demenz ist doch unser Defizit an Direktkontakten. Ein britischer Bettenhersteller mit dem sinnigen Namen Silentnight will sogar festgestellt haben, dass Männer lieber kuscheln als Frauen.

Doch viele trauen sich einfach nicht. Geben Sie bei Google mal Kuscheln ein. Gibt’s nicht! Stattdessen werden Sie auf Intimität verwiesen. Da wollten wir doch (noch) gar nicht hin. Sondern einfach nur kuscheln. Macht nicht nur Spaß, sondern ist sogar therapeutisch sinnvoll, soll Spannungen und Ängste abbauen, sogar jung erhalten.

Wie das am besten geht? Einfach ausprobieren. In diesem Jahr liegen die Feiertage dafür ja günstig. Für Schüchterne und die, die’s verlernt haben: Die Kunst des Knuddelns gibt’s auch in Buchform. Bei Amazon sind von Rob Grabers Kuschelsutra (gebundene Ausgabe, 12,90 Euro) allerdings „nur noch 3 auf Lager – mehr ist unterwegs“.

„Der kleine Knuddeltherapeut“ von Kathleen Keating für 5 Euro ist noch 15 mal da. Darin zeigen zwei niedliche Eisbären wie man’s macht: von der A-förmigen Umarmung für Anfänger bis zum Zen-Schmusen zu Zweit.

Zum Kurs für Fortgeschrittene treffen wir uns dann im Sommer um 3 im Eis-Café. Bis dann: Kuschelige Feiertage und ein knuddeliges neues Jahr.

 

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