Bei der zeitgenössischen Kunst triumphierte keiner so wie Gerhard Richter. Erst bei 276 000 Euro - beherzt geschätzt auf 90 000 bis 100 000 Euro - ging seine kleine abstrakte Leinwand von 1999 zugunsten der Deutschen Krebshilfe in eine deutsche Sammlung. Nicht wirklich überraschend, dennoch verblüffend auch die hohen 37 200 Euro für das übermalte Foto im Standard-Format zehn mal 15 Zentimeter. Im Schatten der angelsächsischen Millionennotierungen erreichen Richter-Spuren zu Hause Devotionalien-Status.
Von Richters Generationsgenossen kann nur Sigmar Polke mithalten. 216 000 Euro legte der deutsche Handel in die Waagschale für die recht frühe, über Stoff gemalte abstrakte Komposition von 1993. Ihr Schätzpreis hatte bei maximal 150 000 Euro gelegen.
Angeführt wurde die zeitgenössische Offerte von Ernst Wilhelm Nay, dessen repräsentatives Gemälde "Jota" von 1959 mit 360 000 Euro die wachsende Stellung der deutschen Nachkriegsabstraktion unterstrich. Auch Gemälde von Gerhard Hoehme (Zuschlag: 90 000), Peter Brüning (Zuschläge bis 46 000), Bernard Schultze (Zuschläge bis 76 800) und natürlich Emil Schumacher bestätigten die Rückbesinnung. Der große Abstrakte, der in Hagen ein eigenes Museum hat, war lückenlos erfolgreich mit drei Gemälden, deren teuerstes 228 000 Euro einspielen konnte.
Heinz Mack führte derweil mit seiner nachtschwarzen Großleinwand "Schwarzes Sternbild. Chromatische Konstellation" von 1995 die Folge der Zero-Künstler an, in der er diesmal am besten vertreten war. 180 000 Euro setzte ein Sammler für ein Werk ein, das lange nach der Zerozeit entstand.
Alles in allem: "Der Kunstmarkt ist in sehr guter Verfassung", resümiert Henrik Hanstein. Doch von den angelsächsischen Verhältnissen, wo die vielberufene Flucht in die Sachwerte die Kunst zum Super-Spekulations-Verführer macht, in Deutschland keine Spur. Noch immer geht Auktionator Hanstein behutsam, in kleinen Schritten voran. Immer bedacht, die Kunstliebhaber, die keine kecken Spekulanten sind, mitzunehmen. Kunst trifft Wirklichkeit.