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Lempertz: Sensationelle Wiederentdeckung

Lempertz versteigert erfolgreich den kaum bekannten Expressionisten Hermann Stenner. Und setzt auch Max Beckmann, Ernst Wilhelm Nay und Gerhard Richter flüssig ab.

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Herman Stenner: Grüne Frau mit gelbem Hut II. 1913 Öl auf Leinwand. Quelle: LEMPERTZ
Herman Stenner: Grüne Frau mit gelbem Hut II. 1913 Öl auf Leinwand. Quelle: LEMPERTZ

Eine bessere Eskorte hätte Max Beckmanns "Löwenbändiger" sich zum Einmarsch in die Kunstmarkt-Arena nicht wünschen können. Das Spalier der begleitenden Literatur-Erwähnungen ellenlang. Die Provenienz eher kurz, geradlinig, prominent: von der berühmten Flechtheim-Galerie direkt in einen Jahrzehnte übergreifenden Besitz der Familie von Wolfgang Gurlitt. Gurlitt war in den 1920er-Jahren erster Museumsdirektor in Zwickau und später kunsthändlerisch tätig wie sein Cousin Wolfgang. Das wohlbekannte Werk auf Papier von 1930 ist eine marktfrische Entdeckung, nachdem es jahrzehntelang als verschollen galt.

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Bei der Moderne-Gala im Kunstauktionshaus Lempertz am 2. Dezember drängelten sich im überbesetzten Saal denn auch besonders viele Bieter um den kraftstrotzenden grimmigen Dompteur, vor dem der Löwe fast schon komisch das Männchen macht. Die Taxe von 300 000 Euro war schnell Makulatur, erst bei brutto 864 000 Euro, fast schon die dreifache Schätzung, konnte ein aus Südfrankreich angereister deutscher Bieter sich das imposante Blatt sichern und zum Toplos der gesamten Auktion promovieren.

Den zweiten Platz belegte Max Ernsts in Frottage-Technik entstandenes Gemälde "Wald" von 1925, das durch die prominente Provenienz aus der Sammlung des französischen Dichters Paul Eluard geadelt ist, mit brutto 720 000 Euro im Rahmen der Erwartungen.

Siebenmal wurde an diesem Abend die 100 000-Euro-Grenze überwunden. Für 192 000 Euro ging eine in Öl auf Papier gemalte abstrakte "Variation" von Jawlensky mit Blumenstück auf der Rückseite in den deutschen Handel, und zwei Nolde-Aquarelle wurden klar über der Schätzung deutschen Sammlern zugeschlagen: die städtische "Caféhaus-Szene" aus seinen produktiven Berliner Jahren 1910/11 für 138 000 und das ländliche Bauerngehöft, zwischen 1920 und 1925 gemalt, für 132 000 Euro.

Eine sensationelle Wiederentdeckung dürften die brutto 132 000 Euro - rund die dreifache mittlere Taxe - einleiten, mit denen ein deutscher Sammler sich das Bild einer Frau mit grünem Gesicht, orangefarbenem Hut und roten Augen von Hermann Stenner sicherte.

Stenner war 22 Jahre jung und noch Student, als er 1913 das abstrahierte, grell expressionistische Bild malte. Ein Jahr später starb er an der Ostfront, ein Opfer auch der eigenen Kriegseuphorie wie die Maler Franz Marc und August Macke, doch ohne schon deren künstlerische Reife erlangt zu haben.

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