Ein Kirchner-Blatt mit Landschaftsaquarell im Vordergrund und Zeichnung einer Badenden auf der Rückseite verdoppelte die Taxe auf 60 000 Euro. Walter Dexels Hinterglasbild von 1922 erreichte mit 62 000 Euro ebenfalls die doppelte Schätzung. Von den vier neu entdeckten Max-Beckmann-Zeichnungen, die jetzt aus holländischem Privatbesitz aufgetaucht sind, wechselten drei im Schätzrahmen bis 42 000 Euro den Besitzer.
Auf stabiles, meist regionales Interesse konnten die überwiegend kleinen Skulpturen rechnen. Georg Kolbes "Stürzender" von 1924, der anno 1977 schon einmal die Lempertz'sche Auktionsbühne passiert hatte, damals für 15 000 D-Mark, erzielte nun klar über dem Schätzpreis 64 800 Euro.
Und Emy Roeders Bronzeskulptur "Sinnende" von 1967 verdreifachte ihre Taxe mit 27 600 Euro. Laut Moderne-Expertin Ulrike Ittershagen endlich der Durchbruch zu einer neuen Kunstmarkt-Bewertung. Erwartungsgemäß indessen bezauberte Picassos kleine, 1951 in Vallauris spontan in Ton geknetete Figurine "Tanagra": Mit 180 000 Euro sicherte sich der amerikanische Handel die von antiker Kleinskulptur inspirierte Statuette.
Insgesamt spielte die Moderne trotz der guten wertbezogenen Verkaufsquote von 127 Prozent mit brutto 4,3 Millionen Euro nicht nur deutlich weniger als in den letzten Versteigerungen ein; erstmals erzielte sie auch weniger als die zeitgenössische Kunst, die inklusive Photographie auf 4,8 Millionen kam. Eine historische Trendwende?
Mitnichten. Denn schon ein Blatt hätte die Bilanz umdrehen können: das Kandinsky-Aquarell "Zwei schwarze Flecke" von 1923, ein Paradebeispiel seines geometrisch gebändigten Bauhaus-Stils. Als millionenschweres Prestigelos hatte Lempertz das Blatt, das anno 1989 im Haus am Kölner Neumarkt für 900 000 D-Mark in die jetzt einliefernde rheinische Sammlung gegangen war, mit einer Taxe von 900 000 bis eine Million Euro zum Star seiner Moderne-Gala gemacht.
Dass der Auftritt am 2. Dezember so sang- und klanglos unterging, dass man es selbst vor Ort kaum merkte, lag gewiss nicht an der künstlerischen Qualität, eher an den Turbulenzen, die kurz vor der Auktion die Medienrunde gemacht hatten.
Just zu Beginn der Auktionswoche konnte jeder in den Zeitungen lesen, dass das Blatt im Marburger Lost-Art-Verzeichnis mit einer Suchanzeige als restituierbares Kulturgut verzeichnet ist. Dass die von der Lissitzky-Erbengemeinschaft veranlasste Suchmeldung am Tag vor der Auktion auf Lempertz-Antrag gestrichen wurde, half auch nichts mehr. "Das schmerzt, keine Frage", räumt Auktionator Henrik Hanstein ein und überlässt das juristische Kampffeld offiziell nun den unmittelbar Betroffenen.