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Sechs Monate Fukushima: Japanische Kunst für neuen Lebensmut

Mit Holzfiguren und Reisfeld-Bildern wollen japanische Künstler den Schmerz ihrer Mitmenschen lindern. Auch die Kunstszene selbst muss in den verwüsteten Gebieten neu entstehen. Doch vielen Projekten fehlt Geld.

Phantasie inmitten der Trostlosigkeit: „Ganbaro Iwate“ (dt.: „Halte durch, Iwate“) ist auf einem Reisfeld in der Provinz Iwate Mitte August 2011 zu lesen. Die vor genau einem halben Jahr über Japan hereingebrochene Natur- und Atomkatastrophe hat Zigtausende in Leid gestürzt. Die Künstler wollen ihrem Land wieder Hoffnung geben. Quelle: dpa
Phantasie inmitten der Trostlosigkeit: „Ganbaro Iwate“ (dt.: „Halte durch, Iwate“) ist auf einem Reisfeld in der Provinz Iwate Mitte August 2011 zu lesen. Die vor genau einem halben Jahr über Japan hereingebrochene Natur- und Atomkatastrophe hat Zigtausende in Leid gestürzt. Die Künstler wollen ihrem Land wieder Hoffnung geben. Quelle: dpa

TokioSechs Monate nach dem Beginn der Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall suchen Japaner in der Kunst neue Kraft. Noch immer sind nicht alle Trümmer beseitigt, die Atomruine in Fukushima strahlt weiter und Tausende von Überlebenden harren in Notlagern und Behelfsbehausungen aus. Doch währenddessen versuchen viele Menschen, mit beeindruckender Kreativität ihren Leidensgenossen das Schicksal erträglicher zu machen.

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An einigen Orten Japans wird den Überlebenden mit „Tanbo Art“ (Reisfeld-Kunst) Mut und Hoffnung gemacht. In der betroffenen Provinz Iwate zum Beispiel ist auf einem Feld der Schriftzug „Halte durch, Iwate“ zu lesen und darüber aus der Luft eine Eisenbahn samt Dampflok gepflanzt zu sehen.

Eine Bürgerinitiative in der Stadt Tateyama in der Tokioter Nachbarprovinz Chiba hat auf einer Fläche von 30 Mal 40 Metern auf einem ungenutzten Feld mit Reispflanzen die Schriftzeichen eines berühmten Gedichts von Kenji Miyazawa geformt. Es lässt sich in etwa mit den Worten übersetzen: „Lasst uns an Morgen denken. Lasst uns dem Regen trotzen und dem Winde“. Dies sei eine Botschaft an die Opfer, erzählt der Leiter der Bürgerinitiative, Yoshiaki Imai. Seit dem Erdbeben vom 11. März hat Imai immer wieder Hilfsmittel in die Katastrophenregion transportiert. Ende September wolle er rund 200 Kilogramm von dem Reis ernten und an Menschen in der schwer zerstörten Stadt Ishinomaki verteilen, die in notdürftigen Behausungen leben müssen.

Da diese farblosen, containerähnlichen Leichtbauten von außen trist und monoton aussehen, kam die Teilzeit-Kunstlehrerin Chie Kajihara auf die Idee, bunte Namensschilder für die Bewohner zu basteln. Und zwar aus Holzresten von einstigen Wohnhäusern, die von dem Tsunami zerstört worden sind. Bereits nach dem Erdbeben 1995 in der japanischen Hafenstadt Kobe hatten viele Menschen das Problem, ihre Notunterkunft zu finden, da die Behelfshäuser zum Verwechseln ähnlich sind und eben keine Namenschilder tragen. Wiederholt starben auch alte Menschen in den anonymen Behausungen völlig vereinsamt. Kajihara will mit ihren bunten Namensschildern dazu beitragen, dass die Häuser Farbe erhalten und die Menschen untereinander mehr reden. Inzwischen machen immer mehr Menschen mit bei diesem Projekt.

Währenddessen schnitzt in der Stadt Sabae in der Präfektur Fukui der Bildhauer Hakuho Suyuki buddhistische Figuren für die Tsunami-Opfer, und zwar aus dem Kieferholz aus der vom Tsunami schwer betroffenen Küstenregion der Stadt Rikuzen Takata. Die Stadt ist berühmt gewesen für ihr schönes Kiefernholz. Suzuki und seine Schüler schicken ihre fertigen Figuren anschließend zu einem Tempel in Rikuzen Takata, wo sie neben Gebeinen von Tsunami-Opfern aufgestellt werden, die nicht identifiziert werden konnten. Die Figuren sollen die Seelen dieser Opfer trösten, wie die Zeitung „Fukui Shimbun“ schreibt.

Auch Künstler selbst gehören zu den Opfern der Katastrophe. Überlebende Kunstschaffende aus der Katastrophenregion Tohoku haben sich nun zusammengetan und die Aktion „Art Revival Connection Tohoku“ (ARCT) ins Leben gerufen. Sie wollen sich zum einen durch Kunst für den Wiederaufbau einsetzen und zugleich die Kunstszene der Region wiederbeleben. So besuchen die Künstler eine Werkstatt für Behinderte, mit denen sie tanzen und malen. „Die Zeit, in der sie sich frei ausdrucken können, ist so wichtig für die Leute hier“, sagt Ayumi Azumi, Leiter der Werkstatt in der Stadt Sendai.

Ein anderes Mal fuhren Schauspieler mit einem Lastwagen in die betroffene Küstenregion, um Theaterstücke zum Beispiel für Kinder aufzuführen. Auch an anderen Orten entstehen viele Gruppen solcher Art, die durch Kunst und Kultur den Wiederaufbau unterstützen wollen. Die meisten von ihnen leiden jedoch darunter, zu wenig Geld zu haben. Es sei schwer, staatliche Unterstützungsgelder zu bekommen, besonders im Falle von Projekten, deren Ergebnisse nicht gleich klar zu sehen seien, meint Yuhei Sakata, Leiter von ARTS Vision Network 311. Viele Gruppen bemühen sich deshalb um Spendengelder. „ARTs Aid Tohoku“ in Sendai ist eine von ihnen. Die Organisation versucht an Mittel zu kommen, um beispielsweise Künstlern, deren Ateliers oder Musikinstrumente zerstört wurden, zu helfen.

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