Lifestyle

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Studie in Großbritannien: Gerichte der TV-Köche machen dick

Großbritanniens TV-Köche stehen in der Kritik: Die von Jamie Oliver und seinen Kollegen beworbenen Rezepte enthalten laut einer Universitäts-Studie deutlich mehr Fett als Fertiggerichte aus dem Supermarkt.

Wegen des Fettgehalts seiner Speisen in der Kritik: der englische Starkoch Jamie Oliver Quelle: dpa
Wegen des Fettgehalts seiner Speisen in der Kritik: der englische Starkoch Jamie Oliver Quelle: dpa

London/DüsseldorfWas in Deutschland bislang politisch nicht durchsetzbar war, ist auf der Insel längst Alltag: Lebensmittel im Supermarkt sind mit einer Ampel gekennzeichnet - je nachdem wie viel Fett, Salz und Co. sie enthalten und wie gesund sie sind. Wissenschaftler der University of Newcastle fordern die Ernährungsampel nun auch für die Gerichte, die bekannte TV-Köche wie Jamie Oliver in ihren Kochbüchern und Shows an den Hobby-Koch bringen wollen.

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Denn die so beworbenen Gerichte seien weniger gesund als man es von selbstgekochtem Essen annehmen könnte. Das Expertenteam um Professor Martin White hat 100 Rezepte der renommierten Köche aus deren bestverkauften Büchern getestet und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

„Die Gerichte erscheinen weniger gesund als Fertiggerichte", sagen die Forscher, die einen entsprechenden Bericht im British Medical Journal veröffentlich haben. Für eine ausgewogene Diät eigneten sie schon schon mal gar nicht. Die meisten bekämen in den Ampelkategorien ein gelbes oder gar rotes Label.

Einblick in die Gourmet-Welt

  • Die Einflussreichsten

    Strahlkraft über die Landesgrenzen hinaus haben in der Gastro-Szene lediglich der Gault Millau und der Michelin.

  • Die Gourmet-Führer

    Neben dem Michelin und Gault Millau sind von nationaler Bedeutung noch unter anderem der Feinschmecker, Varta, der Schlemmer Atlas und der Gusto.

  • Punkte oder Sterne

    Der Gault Millau vergibt Punkte bis 20. Diese Höchstnote hat bislang noch kein Koch erreicht. Harald Wohlfahrt etwa kommt etwa auf 19,5 Punkte und entsprechend als Symbol vier Hochhauben. Der Michelin verleiht die bekannten Sterne von eins bis drei.

  • Die Macht der Gourmet-Führer

    Immer wieder geraten die Gourmetführer und vor allem ihre Macht in die Kritik. So wurde etwa im Juli 2009 bekannt, dass der Gault Millau die bewerteten Weingüter anschrieb, um sie finanziell an der Drucklegung des neuen WeinGuide zu beteiligen. Dem Michelin wird vorgeworfen, nur alt Hergebrachtes zu belohnen, nicht aber neue, avantgardistische Wege.

  • So viele Spitzenköche wie noch nie

    In Deutschland gibt es 2013 insgesamt 255 Häuser, die mit Sternen ausgezeichnet wurden. 10 – und damit so viele wie noch nie - davon mit der Höchstnote und 216 mit zwei Sternen und entsprechend 29 mit einem Sternen.

  • Kaum Frauen

    In der Sterneküche sind die Frauen deutlich unterrepräsentiert. Mit Küchenchefin Douce Steiner von dem Restaurant „Hirschen“ im baden-württembergischen Sulzburg bekam erstmals eine Frau zwei Sterne. Aus Peter Nöthels Erfahrung liegt der Grund, in der bewussten Entscheidung von mehr weiblichen Köchen als männlichen, sich nicht den extremen Bedingungen auszusetzen. „Mit Können oder Härte hat das nichts zu tun. Da stehen die Frauen den Männern in nichts nach." Allerdings entschieden sich immer mehr Köche gegen den Knochenjob in einem Sternerestaurant: „Die jungen Leute wollen rausgehen, mit ihren Freunden und sich auf dem Weihnachtsmarkt wie alle anderen mal einen Glühwein trinken", sagt Nöthel.

  • Die Tradition

    Die Michelin-Sterne werden in Frankreich seit 1926 vergeben, in Deutschland seit 1966. Der Gault Millau wurde 1969 in Frankreich von den beiden Journalisten Henri Gault und Christian Millau gegründet. Der erste Gault Millau Österreich erschien 1978, die erste Schweizer Ausgabe 1982, die erste deutsche ein Jahr später.

  • Geografische Gourmet-Karte

    In Sachen Top-Gastronomie ist nach wie vor Baden-Württemberg mit 943 ausgezeichneten Restaurants ganz vorn – unter Einbezug der wichtigsten nationalen Gourmetführer. Nordrhein-Westfalen ist im Vergleich zum Vorjahr mit 870 Restaurants an Bayern (856 Restaurants) vorbeigezogen. Mecklenburg-Vorpommern ist das stärkste neue Bundesland und steht mit 143 Restaurants besser da als die Gastronomie-Hochburg Berlin (139). Bei den Städten folgen darauf München (129), Hamburg (128), Frankfurt (73), Köln (66), Stuttgart (64) und Düsseldorf (60).

Per Portion enthielten die untersuchten Gerichte deutlich mehr Energie, Eiweiß, Fett und gesättigte Fettsäuren und deutlich weniger Ballaststoffe als die abgepackten Mahlzeiten von Marks & Spencers und Co. Die Forscher zählten einige Beispiele auf, etwa von TV-Köchin Nigella Lawson: Ihr in Bier geschmortes Schweinefleischfilet mit Kümmel, Knoblauch, Äpfeln und Kartoffeln hat etwa 1340 Kalorien pro Person und enthält 102 Gramm gesättigte Fettsäuren.

Als Vergleich haben die Ernährungswissenschaftler 100 rein zufällig ausgewählte Gerichte aus den Supermarkttiefkühltruhen gegriffen und untersucht. Selbst das kalorienreichste Gericht - Tescos Chicken Tikka Masala mit Reis - liegt da mit 870 Kalorien pro Person deutlich drunter.

Das Uni-Team hofft, wie es dem Guardian sagte, darauf, dass die TV-Köche ihre Rezepte und die verwendeten Produkte überdenken - ähnlich, wie es die Hersteller von Fertiggerichten nach massiver Kritik vor einigen Jahren getan hatten.

Gourmetführer Die besten Köche Deutschlands

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Ein Sprecher von Jamie Oliver sagte auf Anfrage des Guardian, das Thema sei bereits auf dem Schirm. Auf der Website von Englands bekanntestem Koch sollen künftig Informationen zu den Zutaten der Gerichte stehen. Die ebenfalls am Pranger stehende Lorraine Pascale ließ mitteilen, dass ihre Bücher nicht explizit gesunde Ernährung thematisierten, sondern das Kochen.

Die Kritiker der englischen TV-Gourmet-Köche lassen allerdings die Frage, ob die untersichten Gerichte Zusatzstoffe wie Konservierungs- und Farbstoffe und überhaupt grundsätzlich für die Ernährung gesunde Zutaten wie Gemüse enthalten, bei der Untersuchung außer Acht.

  • 26.12.2012, 11:09 UhrAlfons

    Riesennachricht. Fett macht fett? Restaurantküche von Restaurantköchen zubereitet hat viele Kalorien? Für diese Erkenntnisse mussten ein ganzer Lehrstuhl und ein Redakteur herhalten? Der "deli"-Text ist leider alles andere "katesse".

  • 26.12.2012, 11:31 Uhritstk

    Alleine den Vergleich find' ich schon putzig:

    Ein aus ehrlichen Zutaten mit Witz und Ideen selbst zubereitetes Gericht gegen die klodeckelgroße Preßpappe mit vereinzelten Pilzresten und drei papierdünnen Salamischeiben für Himmelsrichtungen, für die Optik bestreut mit einer Schnupfprise Käse-Ersatz.

    Kein Wunder, daß da die Recycling-Lobby Sturm läuft.

    Man stelle sich vor:

    Jeder lernt wieder selbst zu "kochen". Das heißt ja auch, mit Übriggebliebenem und drei Zutaten was ganz Neues zu zaubern, ohne die vielen E-Nummern. An die der Normalsterbliche in vielen Fällen gar nicht herankommt, weil das Zeug fläschchenweise hochgiftig ist.

    Jeder lernt wieder, mit einer Tüte Mehl und einem Päckchen Hefe einen Sauerteig anzusetzen, der richtig gefüttert einen ganzen Sommer lang hält. Für frisches Brot, ofenwarme Sonntagsbrötchen und eben auch als Pizza-Teig. Tut sich den Spaß an, den ins gefettete Blech ausgewalzt aus dem Kühlschrank spontan selbst zu belegen und mit echtem Käse zu bestreuen!

    Vielleicht sogar mit echtem Käse aus EIGENER Haus-Fertigung! Das wäre dann ja schon das zweite autarke Haustier in der Küche!

    Das würde ja die ganze liebevoll über drei Generationen betriebene Konditionierung auf künstliche Aromen und Flüssigzuckerstoffe zunichte machen, von den Antibiotika und sedativ wirksamen "Restspuren" der Industrie-Zutaten ganz zu schweigen.

    Und wenn's ganz schlimm kommt könnte dieser Niedergang sogar auf den Rest der Haushalts-Chemiebranche übergreifen. Denn wer mal herausgefunden hat, wofür Oma diese Mörderpackung Haushaltsnatron im Schrank hatte, was man alles mit Essig-Essenz anstellen kann, oder mit Waschbenzin und Spiritus, der greift auch nicht mehr zu diesen sündhaft teuren Power-Reinigern, die viel mehr stinken als sie helfen.

    Deshalb: Wehret den Anfängen! Und klebt der Lobby endlich eine rote Fett-Ampel auf's Maul!

  • 26.12.2012, 12:11 Uhrkuac

    ......"„Die Gerichte erscheinen weniger gesund als Fertiggerichte", sagen die Forscher, die einen entsprechenden Bericht im British Medical Journal veröffentlich haben. Für eine ausgewogene Diät eigneten sie schon schon mal gar nicht. Die meisten bekämen in den Ampelkategorien ein gelbes oder gar rotes Label......"
    Was fuer ein dummes Zeug! Niemand auf der Welt isst jeden Tag bei Jamie Oliver, oder seine Gerichte. Aber Millionen Menschen essen täglich Fertiggerichte aus dem Supermarkt. Die Folgen kennen wir nur zu gut. Wie konnte die renommierte BMJ so was publizieren? Eine Vermutung haette ich schon.

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