Lifestyle

Eine Ungarin im Karneval

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Ein Frankfurter Flamingo umarmt - er bützt nicht

Viele Männer wollten sein wie Tom Cruise in Top Gun: Der Flieger-Dress aus dem 80er-Jahre-Film war beliebte Verkleidung bei den männlichen Narren. Fotos: Andrea Lukács
Viele Männer wollten sein wie Tom Cruise in Top Gun: Der Flieger-Dress aus dem 80er-Jahre-Film war beliebte Verkleidung bei den männlichen Narren. Fotos: Andrea Lukács

Die gleiche Frage stelle ich den zigsten Top-Gun-Machos, die die Antwort auch nicht wissen, dafür kann aber einer von ihnen die Erklärung für den beliebten Khaki-Overall liefern: „Ich mag Tom Cruise, aber nicht weil ich schwul bin.“ Diese ungefragte Information zu seiner sexuellen Orientierung brennt ihm offenbar unter den Nägeln.

Die kleinen, gepflasterten Gassen der Altstadt werden begossen, mit Kölsch anstelle von Eau de Cologne wie bei einem Oster-Brauch in Ungarn. Am Ostermontag lauern die Jungs und Männer den Mädchen und Frauen aus, damit sie nicht verwelken. Anstelle von Wasser wird hier Kölsch dafür verwendet.

Meinen Platz zwei beim Kostümwettbewerb nach den Schokoladen-Frauen erhalten drei Jungs aus Dortmund, die eine einfache weiße Masken tragen und eine rote Rose in der Hand halten - wie das Phantom der Oper. Im Gespräch wird es mir erklärt: Es sei eine billige, aber doch stilvolle Lösung gewesen für die „beste Party im ganzen Land“.

Bevor ich mich auf den Weg nach Düsseldorf mache, um die Differenzen der Karnevalshochburgen unter die Lupe zu nehmen, laufe ich wieder am Dom vorbei, und bleibe kurz stehen. Der Platz zeigt ein verwüstetes Bild am frühen Nachmittag. Ich frage mich, ob die Kirchengemeinde den Narrentag akzeptiert, oder bleibt die Kirche lieber geschlossen? Nein, sie ist offen, und eine Messe wird auch abgehalten, es ist ja Sonntag.

Wer sich ein bisschen Ruhe und göttliche Stille wünscht, geht also einfach rein. Sogar einige Jecken sind unter den Besucher zu finden, sie verhalten sich nicht anders als andere gottesfürchtige Besucher, schauen nur anders aus.

So feiert die Welt Karneval


Im Hauptbahnhof werde ich mit der Kontrast der Karnevalzeit konfrontiert. Elefanten und Huren stehen am Geldautomat, eine Frau in förmlichen Anzug und schicken Rollkoffern trägt einen Clownshut und die Nase ist rot angemalt. Der Zug zurück nach Düsseldorf ist halb leer, niemand ist verkleidet, als wären die letzten drei Stunden unter Narren nur ein Traum gewesen. Aber offenbar will halt niemand so früh zurück wie ich.

Düsseldorf versucht es Köln gleichzutun. Die Bolkerstraße, der Markt- sowie der Burgplatz schaffen das aber nur halbwegs. Viel weniger Karnevalisten sind dort unterwegs, aber dafür viele Touristen und „normale“ Menschen, die der frohen Gesellschaft beiwohnten, oder auch nicht. Viele laufen einfach so vorbei.

An einer Stelle wird immerhin brasilianische Karnevalsatmosphäre geweckt: Eine Brasilianerin in authentischem Bikini tanzt wild auf das Getrommel der Deutschen. Nackte Haut kommt gut an am 11. November, wo sich sonst alle schon in Wintermäntel hüllen. Sie ist mein Platz 3 des Kostüm-Wettbewerbs.

Auf dem Marktplatz ist eine Open-Air Bühne aufgebaut, auf dem Rathausplatz ein Zelt für eine geschlossene Gesellschaft. Am Ufer aber keine Spur von Narren, die Restaurants am Rhein sind dennoch voll: Die Düsseldorfer genießen das schöne Wetter, spazieren am Fluss entlang, ohne auch nur einmal „Helau“ zu rufen.

Gebützt wurde ich auch nicht, nur als ich am Marktplatz ein Dutzend Flamingos fotografieren will, umarmt mich einer von ihnen. „War das jetzt bützen?“, frage ich. „Wie bitte?“, wundert sich der feuchtfröhliche Flamingo. „Bützen", erwidere ich, „Wissen Sie denn nicht, was bützen bedeutet? Und Helau? „Nein, wir kommen aus Frankfurt. Woll'n nur unseren Spaß haben.“

Autorin Andrea Lukács ist Online-Redakteurin beim ungarischen Nachrichtenportal hvg.hu. Quelle: Akos Stiller/hvg.hu
Autorin Andrea Lukács ist Online-Redakteurin beim ungarischen Nachrichtenportal hvg.hu. Quelle: Akos Stiller/hvg.hu

Andrea Lukács ist drei Wochen lang zu Gast bei Handelsblatt Online, das sich an dem journalistischen Austauschprojekt „Nahaufnahme“ des Goethe-Instituts beteiligt. Im Rahmen des Programms wechseln Redakteure aus Deutschland und anderen europäischen Ländern für jeweils zwei bis vier Wochen ihren Arbeitsplatz. Im Austausch wird Handelsblatt-Redakteur Lukas Bay Anfang 2013 zwei Wochen für hvg.hu schreiben. Weitere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/nahaufnahme.

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  • 10.02.2013, 12:49 UhrOlli

    Am Karnevals-Sonntag geht man in Ddorf auf die Kö, den Tuntenlauf und Co. anschauen, Partymachen inklusive. Altstadt und Marktplatz hat man schon von Donnerstag bis Samstag "bearbeitet" ;) Deswegen der etas "llere" Eindruck.

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