
DÜSSELDORF. Wer bei Vulkanasche in Reiseflughöhe an seinen heimischen Kamin denkt, liegt leider falsch. Hauchfeine, wenige Hundertstel Millimeter messende Staubpartikel in 10 bis 12 Kilometer Höhe unterscheiden sich auch im Tageslicht für Piloten nicht von normalen Wasserdampfwolken. Selbst das Wetterradar ist dafür blind. "Ein Pilot sieht auf seinem Radarsystem nur eine Wolke und vermutet eine Regenwolke", sagt Steve Bond, Luftfahrt-Dozent an der City University in London.
Dabei droht unmittelbare Gefahr: "Wenn ein Pilot versehentlich in so eine Wolke gerät, heißt es um 180 Grad wenden und nichts wie raus", sagt Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, der selbst eine Boeing 737 steuert.
Das wussten wohl auch die Piloten des British-Airways-Jets am 24. Juni 1982 auf ihrem Flug von Kuala Lumpur ins australische Perth. Ihr Problem: Sie flogen nachts. Alle vier Triebwerke der Boeing 747 fielen nacheinander aus, weil die Maschine unbemerkt in eine Aschewolke des indonesischen Vulkans Mount Galunggung geflogen war, die sich nach dem Ausbruch einige Tage zuvor bis in Höhen von mehr als 12 000 Metern ausgebreitet hatte. Die Piloten konnten letztlich zwei Triebwerke wieder starten und in Jakarta notlanden. Weil der Staub die Frontscheibe sandgestrahlt hatte, flogen sie völlig ohne Sicht.
Bis in die achtziger Jahre hatte die Luftfahrt-Industrie das Problem der Vulkan-Asche nicht zur Kenntnis genommen. Erst nach einer Beinahe-Katastrophe in Alaska nahmen die Experten das Thema ernst. Am 15. Dezember 1989 war eine Boeing 747 beim Landeanflug auf Anchorage fast abgestürzt. Auch diese Maschine war in eine Wolke aus Vulkanstaub geraten, die alle vier Triebwerke zum Ausfall brachte.
Nach Aussage des Flugzeugherstellers Boeing sind in den vergangenen 30 Jahren rund 90 Jets in Wolken aus Vulkanasche geraten und massiv beschädigt worden. Das größte Problem: Dem Triebwerk geht förmlich die Luft aus. "In der Vulkanaschewolke ist deutlich weniger Sauerstoff, deshalb fallen die Triebwerke ganz plötzlich aus", sagt Odilo Mühling vom Triebwerkshersteller MTU Aero Engines.
Mechanische Probleme hält Mühling eher für zweitrangig: "Ein Flug von einer halben Stunde durch eine Vulkanstaubwolke genügt nicht, um beispielsweise die Triebwerksschaufeln zu zerstören." Nach Einschätzung von VC-Sprecher Handwerg kann die Vulkanasche allerdings auch Messöffnungen am Flugzeug verstopfen, so dass Höhen- oder Geschwindigkeitsmesser ausfallen.