12 Stunden in Hamburg
Unterm Strich: Eine bunte Tristesse

Hamburg ist ein urbanes Potpourri aus globalen, bunten Einflüssen und der eigenen, grauen Mentalität. Diese authentische Vielfalt macht die Hansestadt so attraktiv, dass man mit ihr am liebsten in den Hafen der geistigen Ehe einfahren möchte.
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Wer nicht weiß, wo er hingehört, eine Heimat oder eine neue Liebe sucht, muss nach Hamburg kommen. Hier sind ein bisschen Ruhrpott, ein bisschen München und ein bisschen Berlin. Hier sind Kapitalismus und Kunst, Dreck und Glanz, Spießer und Progressive. Einige sind kleinkariert, einige großkotzig. Man verdient sein Geld im Büro oder im Bordell. Oder gar nicht, lebt auf der Straße. Vielleicht lebt es sich dort gut? Die Luft ist schließlich frisch, das maritime Klima gesund. Und die Immobilien- und Mietpreise gehören sowieso zu den höchsten unseres Landes. Auch wenn ein Leben ohne Dach über dem Kopf sehr bedrückend sein muss – es gibt wohl kaum eine Stadt, in der man sich auch in den Straßen wie Zuhause fühlt.

Und das, obwohl die Hamburger alles andere als warmherzig sind. Sie sind direkt und mögen keine schnörkeligen Umwege. Und dort dann keine Hindernisse. Doch in Hamburg leben eben nicht nur Hamburger, sondern Menschen aus aller Welt und allen Gesellschaftsschichten. Nicht nur, weil Hamburg ein wichtiger globaler Wirtschafts- und Industriestandort ist, sondern darüber hinaus eine extrem tolerante und facettenreiche Stadt. Diese Vielfalt ist das Hauptmerkmal, mit welchem sich Hamburg von anderen Städten abgrenzt und den individuellen Charme gewinnt.

Hamburg lässt sich zwar mit keiner anderen deutschen Stadt vergleichen, dafür erstaunlicherweise umso mehr mit einer chinesischen: Shanghai. Sie sehen sich mit ihrem Geflecht aus Kunst, Industrie und Wasser nicht nur optisch ähnlich, sondern teilen sich auch einen offiziellen Beinamen: Das Tor zur Welt. Ihre Häfen gehören zu den größten der Welt, die starken internationalen Einflüsse verankern sich in einzelnen Lebensbereichen- und Bezirken, die Menschen sind freidenkend und dynamisch. Die Städte verdienen gleichsam diesen majestätischen Beinamen.

Diese schweren Tore zur Welt muss man allerdings zu öffnen wissen, gewillt sein, die Staubschicht abzuklopfen und hinter die schweren Stahlkonstruktionen zu schauen. Hamburgs grauer Himmel kann Motivation und Sicht betrüben, lässt viele schmutzige Straßenzüge noch trauriger erscheinen.

Diese graue Tristesse schwindet bei aber Sonnenstrahlen sofort, an dunklen Tagen dank der Vielfalt an bunten Graffitis, Cafés und spannenden Menschentypen. Man muss nur hinschauen und sehen, dass Hamburg lebt und seine charakteristische Schnelllebigkeit in einem ausgedehnten Kunststück, das täglich in den Straßen aufgeführt wird, performt. Schauen Sie es sich unbedingt an – aus verschiedenen Perspektiven. Drei mögliche möchten wir Ihnen vorstellen: aus dem Bus, aus der U-Bahn, aus dem aufrechten Stand auf festem Boden.

Kommentare zu " 12 Stunden in Hamburg: Unterm Strich: Eine bunte Tristesse"

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  • Hamburg hat viele schöne Ecken, aber viele im Krieg zerstörte und danach wieder aufgebaute Stadtteile sind potthässlich. Westdeutscher Scharm der 60er und 70er halt. ;)

    Dann ist der Hauptbahnhof hoffnungslos überlastet, für Commuter eine einzige Qual. Erweiterungen sind unmöglich, aber jede S- oder U-Bahnlinie muss am Hbf durch.

    Andererseits ist Hamburg groß genug, um mit dem Bevölkerungswachstum einigermassen klar zu kommen. Frankfurt oder Nürnberg sind IMHO viel zu überlaufen.

  • Sorry, aber dieser Artikel strotzt nur so von Ungereimheiten und Fehlern.

    -Die Cap San Diego ist ein Museumsschiff, welche höchstens einmal nach einem Werftbesuch an den Landungsbrücken festmacht ( Offiezieller Liegeplatz), Passagiere entsteigen diesem Schiff mit Sicherheit nicht mehr.
    - es gibt keine "Neue Wall Passage"...der Neue Wall ist eine Straße, in welcher sich sicherlich viele Luxusgeschäfte befinden.
    - Alstersee?......niemand würde wohl jemals auf die Idee kommen, die "Alster" so zu nennen, Binnen-oder Aussenalster wäre wohl richtiger gewesen.
    - Eingemeindung Altonas fand im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes am 01.04.1938 statt, der Verweis auf das 17.Jahrhundert ist in diesem Zusammanhang überhaupt nicht nachvollziehbar.
    - und das die Schanze ein Bereich abseits der Touristen sein soll, ist mir als hamburger auch völlig neu.

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