12 Stunden in Zürich
Lebenslust zwischen natürlichen Schätzen und materiellem Reichtum

Zürich ist der Ferrari unter den Großstädten. Nicht allzu groß, attraktiv, dynamisch und sündhaft teuer. Warum sich eine Schnupperfahrt trotzdem lohnt, verrät ein kurzer Blick ins Innere.
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Eine Spritztour in Zürich lohnt sich immer, auch wenn der Status als aktuell teuerste Stadt der Welt präsenter ist, als die vielen Vorzüge. Wer bisher nicht mit einem Trip in die Schweizer Metropole geliebäugelt hat, dem fielen vielleicht bei dem Gedanken an ein vermeintlich verschlafenes Örtchen intuitiv die Augen zu. Machen Sie sie weit auf! Denn Zürich ist bei weitem kein langweiliges Städtchen mitten in einer verträumten Landschaft, sondern ein ziemlich angesagter Szeneort mit vielen Facetten. 

Zürich ist aber noch viel mehr als das. Die größte Stadt der Schweiz hat zwar fast keine Hochhäuser und nicht mal eine halbe Million Einwohner, zählt trotzdem zu den offiziellen Weltstädten. Innerhalb des Landes hat sie die bedeutende Rolle als wichtigstes Finanzzentrum und ist ein gesellschaftlicher, infrastruktureller, wissenschaftlicher und kultureller Knotenpunkt. Optisch ein Ort von seltener Anmut, nahezu makelloser Ästhetik und viel Luxus für alle Sinne. Ein leichtes Unterfangen, sich hier wohl zu fühlen. Die architektonische Detail- und Traditionsliebe inmitten einer malerischen Berg- und Seenszenerie grenzt Zürich von modernen Betonmetropolen ab und macht es liebenswert. Kein Wunder, dass sie die Stadt mit der weltweit zweitbesten Lebensqualität ist und stets in höchsten Tönen gelobt wird. Und das nicht nur von zufriedenen Kontoinhabern.

Zürichs überschaubare Größe ist in vielerlei Hinsicht angenehm und erleichtert einen Rundgang durch die Stadt. Die Sehenswürdigkeiten liegen konzentriert im alten Stadtzentrum und lassen sich ganz einfach fußläufig abarbeiten. Die größte Anstrengung liegt allerhöchstens in der hügeligen Stadtbeschaffenheit, die eine gute Kondition und starke Knie voraussetzt. Und wenn es zwischenzeitlich doch an den körperlichen Defiziten scheitert, schaffen unzählige Sitzbänke, Mauern, Cafés, Straßenbahnen, Bötchen und Wiesen Abhilfe. So ist Zürich für jeden und zu jeder Jahreszeit ein wahres Vergnügen, auch, wenn man es danach schweren Herzens wieder verlassen muss. Aber mit Miet-Ferraris ist es schließlich nicht anders, richtig? Also, lassen Sie sich trotz der abschreckenden Preise (mindestens 5 Euro für einen Cappuccino, mindestens 15 Euro für ein Essen, mindestens 150 für ein einfaches Hotelzimmer pro Nacht) auf ein schnelles Abenteuer ein und sparen Sie als Kompromiss an materiellen Souvenirs und kostspieligen Attraktionen. Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt sowieso die Stadt selbst und verewigt ihren Charakter in (mentalen) Fotografien.

Treffpunkt: Der Treffpunkt. So nennen die Züricher die große Uhr im Hauptbahnhof  – übrigens dem größten der Schweiz und einem der meistfrequentierten der Welt. Er ist schon selbst fast eine kleine Stadt, die auf drei Stockwerken Züge aus ganz Europa, Geschäfte und Menschenmassen zu einer hektischen Kumulation eint. Das große Foyer im Stil der Renaissance ist das beeindruckende Verbindungsstück zur Bahnhofstraße, die gleich an den südlichen Ausgang anschließt und Zürichs berühmte Flanier- und Shoppingmeile ist.

Kommentare zu " 12 Stunden in Zürich: Lebenslust zwischen natürlichen Schätzen und materiellem Reichtum"

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  • Habe als Deutscher meine Studenten- und ersten Berufsjahre in Zürich mehr als genossen, war danach in der Welt unterwegs, und kann wohl heute mit Recht von mir sagen, daß Zürich das Non Plus Ultra der Weltstädte ist, wo Mann sich immer zu Hause gefühlt hat, im Gegensatz zu NY, London etc.! Und so bliebt Zürich meine erste Option als Alterssitz nach Renteneintritt!

  • Dem kann ich nur beipflichten. Basel und Bern sind viel angenehmer und schöner. Basel ist wesentlich weltoffener als Zürich. Die mittelalterliche Innenstadt von Bern ist wirklich sehenswert. Das sollte man gesehen haben. Aber auch Lausanne ist einen Besuch wert. Die Stadt hat zwar viel Patina, aber die Lage ist herausragend. In allen drei Städten sind die Leute aufgeschlossen und man fühlt sich auf Anhieb wohl.

    Vor allem fehlt dort die typische Zürcher Arroganz und das elende freche Mundwerk. Auch Auto fahren ist in ZH eine einzige Zumutung. Das Parkhaus kostet ab €7,- pro Stunde. Das ist einfach nur geistesgestört.

    Der Text ist vermutlich von einem Schweizer geschrieben. Die Ausdrucksweise ist nicht deutsch sondern schweizerisch. Publiziert das HB jetzt schon Propaganda-Artikel von Zürich-Tourismus, weil der Redaktion sonst nichts einfällt? Traurig.

  • Na, ich wohne herrlich hier in Zürich, auch als Deutscher... ;-)

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