50 Jahre Antibabypille
Wie Deutschland die Pille empfing

Seit 50 Jahren gibt es nun die Pille in Deutschland. Sie revolutionierte hierzulande die Familienplanung und machte das Reden über die Sexualität freier. Doch der Start für das Verhütungsmittel war nicht einfach.
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Berlin„Anovlar“ stand auf der weiß-grünen Packung, die am 1. Juni 1961 erstmals in westdeutschen Apotheken zu kaufen war - aber nur auf Rezept und von verheirateten Frauen, die bereits Kinder hatten und offiziell an Regelbeschwerden litten. Im Inneren der Packung, deren „Nachbau“ vier Jahre später auch in der DDR auf den Markt kam, steckte jedoch die bahnbrechendste Erfindung des 20. Jahrhunderts, wie Historiker später urteilten: die Pille, die wie kein anderes Verhütungsmittel Sexualität von Fortpflanzung unabhängig machte und für viele zu einem Meilenstein der Selbstbestimmung wurde.

Heute - 50 Jahre später - verhütet in Deutschland mehr als die Hälfte der Frauen mit der Pille. „Es gab ja zuvor bereits eine sehr lange Tradition der Geburtenregelung, teils mit brachialen Methoden - das wird gerne vergessen. Aber mit der Pille waren Frauen erstmals in der Lage, diese Entscheidung allein für sich zu treffen“, sagt Alfred Pauls vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité.

Weltpremiere hatte die Pille ein Jahr zuvor in den USA - vorangetrieben von dem Chemiker Carl Djerassi, der als erster ein oral wirksames, synthetisches Gestagen herstellte. Doch waren Forscher in Europa schon Jahrzehnte vorher auf die Spuren der hormonellen Empfängnisverhütung gekommen. Der Innsbrucker Prof. Ludwig Haberlandt hatte bereits 1901 festgestellt, dass Kaninchen, denen die Eierstöcke trächtiger Artgenossinnen eingepflanzt worden waren, nicht schwanger wurden.

In den nächsten Jahrzehnten setzten Wissenschaftler der Berliner Schering AG diese Arbeiten fort, verfeinerten das Wissen um das komplexe Zusammenspiel von Sexualhormonen und entwickelten 1938 schließlich erstmals ein oral wirksames Östrogen sowie das erste synthetische Gestagen. Doch Nationalsozialismus und Weltkrieg unterbrachen die Forschungen, viele Wissenschaftler emigrierten. Ende der 50er Jahren erst war das Verfahren schließlich so ausgereift, dass die Idee eines hormonellen Verhütungsmittels umgesetzt wurde.

Doch der Start war schwierig - nicht nur in den USA. In Adenauers Nachkriegs-Westdeutschland, in dem das Hausfrauen-Familienmodell üblich war, wurden Informationen über die neue Verhütungsmethode nur unter der Hand weitergegeben. Konservative Politiker und Kirchen protestierten, warnten vor moralischem Niedergang und dem Zerfall der traditionellen Familie. 1968 brandmarkte Papst Paul VI. Verhütungsmittel und aktive Geburtenregelung in seiner Enzyklika „Humanae vitae“ als Sünde.

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