Abseits des Motorsports
Barcelonas Speed

Die Formel 1 gastiert in Spanien und beschleunigt das Tempo der katalanischen Metropole. Dabei hätte die Stadt der Wunder das gar nicht nötig. Denn die Millionenstadt Barcelona hat auch abseits des Motorsports einiges zu bieten.

In einem Fünfeck gibt es fünf Möglichkeiten, ein Dreieck zu platzieren. Was das mit Barcelona zu tun hat? Jeder Mathematik-Fan und Logiker wittert etwas: Die Varianten der Kombinationen, ein konvexes Eck durch Diagonale zu teilen, werden mit Catalan(Cn)-Zahlen berechnet. Der Mann dahinter, Eugéne Charles Catalan, ist zwar Belgier, noch dazu ein Toter, doch die Aktualität und die kulturelle Nähe zu Barcelona, der katalanischen Kapitale, ist gerade zu Formel(sic!)-1-Zeiten unabdingbar. Denn Catalan hat die Formel eindimensionaler Irrfahrten oberhalb der X-Achse berechnet. Und ist somit so etwas wie der Patron der Schumi-Nachfolger, die sich an diesem Wochenende auf dem Circuit de Catalunya Zehntelsekunden abjagen.

Im Raserkrimi ist Mathematik ein Schlüssel zum Erfolg. Vor und nach dem Rasen empfiehlt sich allerdings ein anderer Krimi, natürlich von einem Katalanen geschrieben: Vazquez Montalbán. Der „Erfinder“ des Pepe Carvalho hat in seinem Oeuvre von 20 Bänden die besten Reiseführer für die Stadt hinterlassen. Carvalho, intellektueller Connaisseur, lebt hoch über der Stadt in der grünen Oase Vallvidrera, sein Büro befindet sich in Meeresnähe an den Ramblas im Barrio Chino. Es ist beinahe egal, welchen Band man greift, der Insider Montalbán verschafft auch Krimiabstinenzlern tiefe Einblicke in die bald 2000 Jahre alte Millionenstadt.

Am ehesten umweht einen der Hauch der Geschichte in der Nähe des Verkehrsknotenpunkts Placa de Catalunya, dort gibt es noch römische Ruinen – doch keine Spur von (Wagen-)Rennen. Und ehrlich, spannender ist das Heute. Selbst vor gotischer Kulisse, wie es im Barrio Gotic, dem historischen Stadtkern stattfindet, in dem schon Picasso sich in seinem Lieblingsrestaurant „Els Quatre Gats“ vergnügte, dort, wo heute Rennbegeisterte relaxen. Oder bei einem „Cortado“ – einem Espresso – und einem Cava, der spanischen Variante zum Prosecco, den 4,7 km langen Circuit de Catalunya der Formel 1 im Geiste mitfahren.

Der Korso bietet kompakte Stadionatmosphäre, aber Highlights wie Gaudis Architekturexperimente von Park Guell bis Sagrada Familia liegen für den Renn-Fan abseits der Strecke. Wer die Kurve nicht kriegt, sollte sich zumindest das Schaulaufen im Paddock-Club nicht entgehen lassen. Top gestylt vom Handy zum Handschuh an der Piste – sonst eher anrüchig, hier erwünscht. Zum optischen Aufrüsten gibt es in Barcelona natürlich nur ein Label: Loewe.

Die spanische Mode zwischen Zegna und Gucci ist auch ganz nach Pepe Carvalhos Geschmack, und wäre der Detektiv Gast in der eigenen Stadt, er würde im Claris absteigen. Der ehemalige Palast liegt unweit des Passeig de Gracia, der bedeutendsten Einkaufsmeilen Barcelonas. Ob ihm die Hautevolee rund um den Rennzirkus gefallen hätte? Wenn der Gourmet Carvalho die Chance gehabt hätte, mit den Schönen und Schnellen an einen Tisch im Restaurant Caelis zu schlemmen, bestimmt. Katalonische schwarze Trüffeln en parmentier mit Eigelb und Zwiebeln bringen die Geschmacksnerven zum Rasen. Eine Formel (1) der Sinne.

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