Absturz
Airline in Kritik: „Fliegende Viehtransporter“

In Frankreich ansässige Komorer haben wütend auf dem Absturz der Airbus-Maschine der Yemenia Air reagiert. Seit Jahren beklagen sie, zur Reise in ihr Herkunftsland auf technisch bedenkliche Flugzeuge angewiesen zu sein. Es handele sich um „Schrottmaschinen“ und „fliegende Viehtransporter“.

HB PARIS. Nur 30 Tage ist es her, als ein Airbus von Rio nach Paris in den Atlantik stürzte. Trauer und Betroffenheit über die 228 Opfer sitzen noch tief, da verunglückt ein weiterer Airbus mit 153 Menschen an Bord. Unter den Vermissten sind 66 Franzosen, die auf den Komoren ihren Urlaub verbringen wollten, darunter Familien mit Kindern. Sie waren am Montag von Marseille aufgebrochen und im Jemen in den Todesflieger umgestiegen. Auch wenn ein Kind aus dem indischen Ozean gerettet werden konnte, gibt es kaum Hoffnung auf viele Überlebende.

Wieder gibt es ein Krisenzentrum am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Wieder Bilder von Angehörigen unter Schock. Besonders in Marseille herrscht Entsetzen. „Es ist die schiere Verzweiflung“, sagt der komorische Generalkonsul Stéphane Salord. „Es handelt sich um Familien, die jedes Jahr mit Beginn des Sommers in ihre alte Heimat reisen, um mit Freunden und Verwandten die Ferien zu verbringen.“ Die Identitäten der Passagiere wurden zunächst nicht bekanntgegeben. „Die meisten sind Franko-Komorer“, sagt Salord.

In Marseille leben rund 80 000 von ihnen. Dass sie zur Reise in ihr Herkunftsland auf technisch bedenkliche Flugzeuge angewiesen sind, macht sie wütend. „Man setzt uns in Schrottmaschinen, die den Normen nicht entsprechen“, sagt Farid Soilihi, Präsident der Organisation SOS-Voyages mit Sitz in der französischen Hafenstadt. „Zum großen Unglück hat der komorische Staat nicht auf uns gehört. Nun ist geschehen, was wir vorhergesagt haben.“ Von „fliegenden Viehtransportern“ spricht Generalkonsul Salord, und sagt, manche „Schrott-Airlines“ würden sich amüsieren, unsichere Maschinen einzusetzen.

Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau bestätigt den Vorwurf. Bei einer Inspektion der Unglücksmaschine vor zwei Jahren sei „eine große Zahl von Mängeln“ festgestellt worden. Seitdem sei der Airbus A310-300 vom französischen Himmel verbannt worden. Die Fluggesellschaft Yemenia Air steht jedoch nicht auf der Schwarzen Listen der EU. Bislang habe sie die Sicherheitsanforderungen erfüllt, sagt EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani. Die Airline werde nun verschärft überprüft.

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