Abu Dhabi soll als Ventil fungieren für den großen Optimismus in Dubai
Gigantismus am Golf – oder: Es geht noch höher

Ursprünglich hatte Regierungschef Scheich Said bin Sultan Al Nahyan den neuen Hotelpalast gegenüber der Corniche und dem Präsidentenpalast für das Gipfeltreffen des Golf-Kooperationsrates (GCC) bauen lassen. Mit dem Treffen im Dezember 2004 sollte das neue „Gästehaus“ der Regierung offiziell an den Start gehen. Es kam anders: Der Herrscher und Begründer der Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) starb wenige Wochen zuvor – die Eröffnung des Emirates Palace wurde verschoben.

HB DUBAI. Zwar hat das Hotel seine ersten Gäste bereits Ende Januar empfangen, darunter die üblichen Verdächtigen wie Fußball-Ikone Franz Beckenbauer, Ex-Tennisstar Boris Becker und Bundeskanzler Gerhard Schröder samt Delegation. Die offizielle Eröffnung des von Kempinski im Auftrag der Regierung gemanagten Hotels ist jedoch erst für November avisiert. Schließlich soll auch das letzte I-Tüpfelchen sitzen, wenn Abu Dhabis Scheichs die Staats- und Regierungschefs dieser Welt laden zur Laudatio auf das nach eigenem Bekunden „teuerste und luxuriöseste Hotel der Welt“.

In Zahlen bedeutet das: 100 Hektar Grundstück, 260 000 Quadratmeter bebaute Fläche, 110 000 Quadratmeter Marmor, 200 Wasserfontänen, 114 Kuppeln, 140 Lifts, 33 Küchen für 20 Restaurants, 2 600 Mitarbeiter, ein Fuhrpark von 20 Rolls-Royce, Maybachs und 7er-BMWs, 40 Butler, 28 Server, 26 TV-Kanäle, 755 Plasmabildschirme und den mit 1,3 Kilometern längsten privaten Sandstrand der Emirate. Von einem Ende zum anderen misst der gigantische Palast mehr als einen Kilometer. Einmal rund um das Hotel sind es 2,5 Kilometer. Der Triumphbogen am Eingang des Palast-Geländes ist höher als der Arc de Triomphe in Paris, die zentrale Kuppel im Herzen des Palastes die höchste der Welt – höher als das Capitol oder der Petersdom.

Doch der neue Hotelgigant steht für mehr als nur ein Maximum an Superlativen. „Das Emirates Palace ist die Visitenkarte für Abu Dhabis Zukunft“, bekräftigt Entwicklungsdirector Abdo Kayali. Und die liegt selbst im Land mit dem derzeit höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit nur noch mittelfristig im schwarzen Gold. Langfristig müssen neue Einnahmequellen her. Was wäre da besser geeignet für die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, als sich als führende Konferenzdestination zu positionieren? „Weltweit gibt es nicht weniger als 8 000 Konferenzen im Bereich Öl, Gas, Bohrungen und Wartung von Ölfeldern“, definiert Willy Optekamp, Eröffnungsdirektor im Emirates Palace, den Markt für das nach Saudi-Arabien reichste Ölland der Welt. Seiner Meinung nach bildet das „neue Weltwunder“ am Golf den perfekten Rahmen für derlei hochkarätige Zusammenkünfte. Denn – selbstredend – knackt auch das Conference Center im Emirates Palace jeden Superlativ: Die 48 Konferenzräume sind die größten in den gesamten Emiraten – ebenso wie der Ballsaal, an dessen Decke 15 der weltgrößten Kristalllüster hängen.

„Eigentlich sind wir ein Convention Center mit angeschlossenem Hotel“, sagt Marketing-Chefin Rumy Tzolova. Diesen Anspruch unterstreicht auch das beeindruckende Auditorium, das sich mit einem drahtlosen Datensystem für acht Simultan-Übersetzer für internationale Konferenzen ebenso eignet wie für Konzerte oder aufwändige Shows. Für eine möglichst perfekte Akustik wurden eigens Sound-Designer vom Broadway eingeflogen. Und auch die Bühne erinnert eher an ein Broadway-Theater als an einen Hörsaal. Ein übergroßes Nationalemblem mit dem Adler im Zentrum des Auditoriums, direkt über der Bühne, erinnert den Zuhörer jedoch jederzeit daran, wo er sich tatsächlich befindet.

Potenzielle Gäste sind denn auch in erster Linie Regierungsmitglieder und Konferenzteilnehmer. Die Kernmärkte sieht Optekamp vorläufig in Großbritannien, Deutschland und Russland – und natürlich in Saudi Arabien mit einem Buchungsvolumen von rund 35 Prozent. Für die Zukunft baut Optekamp freilich noch auf andere Märkte: „Der größte Fehler wäre, sich nur auf Europa zu konzentrieren: Afrika, Australien, Fern Ost/Asien und Europa treffen sich in Abu Dhabi“, wirbt er für die zentrale Lage seiner Destination.

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