Aquarium im Indischen Ozean
Futtern vor Fischaugen

Im Unterwasser-Restaurant Ithaa lenkt der Augenschmaus ab von dem, was auf dem Teller ist. Hier könnte der einzige Ort sein auf der Welt, wo Abenteurer sich wünschen, ein Putzmann zu sein. Zweimal am Tag muss das Unterwasser-Restaurant auf Rangali Island von außen gereinigt werden. Als "Perlen" kommen nur gute Taucher in Betracht. Welch ein Traumjob mitten im Paradies!

Perle heißt "Ithaa" in der maledivischen Landessprache Dhivehi. Das ist auch der Name des Restaurants, das ein Ort ist, wo Meeresbewohner in Schwärmen und Menschen ins Schwärmen kommen. Mag andernorts der Begriff Erlebnisgastronomie arg zerkocht sein, hier halten sich Erlebnis und Gastronomie die Waage.

4,3 Millionen Euro Baukosten hat das Ithaa verschlungen. Fünf Wochen dauerte die Konstruktion, der Transport auf einem speziellen Frachtschiff brauchte 16 Tage.

Mit dem Ithaa hat Hilton den Fischen im Indischen Ozean ein Aquarium gebaut. Die können dort zugucken, wie Menschen gefüttert werden: mit einem Vier-Gänge-Menü, das aus 28 kleinen Köstlichkeiten besteht, die zumeist aus dem Meer stammen.

Damit bei den außen Schwimmenden kein Futterneid aufkommt und auch immer genügend Fotomotive serviert werden können, bekommen die Meeresbewohner ihre Mahlzeit gleichzeitig mit denen da drinnen serviert. Das führt leicht dazu, dass es in dem vergleichsweise kleinen Plexiglasgewölbe mit 14 Plätzen ziemlich hektisch und manchmal auch etwas laut zugeht. Nicht nur die Bedienung, auch die Gäste sind ständig auf dem Sprung. Denn wichtiger als der Red Snapper auf dem Teller scheint der Schnappschuss vom Stachelrochen vor der Scheibe.

Der schwebt dekorativ hinter der Dame, deren Sommerkleid so weiß ist wie der Unterbauch des Plattfisches, derweil der Champagnercocktail im Vordergrund so türkisblau wie der Ozean schimmert. Die besten Bilder sind die aus der Fischaugen-Perspektive. Dabei hätte es das Menü, das der maledivischen Küche entlehnt ist, wirklich verdient, in jener Ruhe genossen zu werden, wie sie nebenan unter Wasser herrscht.

Allein schon das halbe Dutzend verschiedener Fladenbrote mit Kräutern, Bananen, Chili und anderen Zutaten ist ein Genuss. Das Gemüse ist mit Zimt oder mildem rotem Curry aromatisiert, das Lamm mit Pistazien und arabischem Gewürzpuder, der Lobster gar mit reduzierter Vanille.

Nach Mangomus mit Zitronengras und Kardamom ist noch lange nicht Schluss. Zum Tee zergeht hausgemachtes, in Schokolade getauchtes Rosenwasser-Konfekt etwas angenehmer auf der Zunge als die Rechnung danach.

Ein lukullischer Abend unter Wasser kostet 200 US-Dollar, inklusive Augenschmaus.

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