Arizona
So weit, so gut

Wer das Gefühl für Raum und Zeit verlieren möchte, schnappt sich am besten ein Auto und fährt damit durch die Wüste Arizonas. Während hier und da Kakteen am Wagen vorbeihuschen, tut sich vor der Windschutzscheibe großes Kino auf. Gute Unterhaltung.

Die Straße zieht sich dahin wie eine Startbahn ins Endlose. Keine Kreuzung, keine Ampel, keine Ortschaft. Meilenweit. Der Asphalt ist von hellem Grau, der gelbe Mittelstreifen eine Spur in die Glut: rundherum nichts als verbrannte Erde, das Land platt wie ein Brett. Gas geben.

Hier und da huschen Kakteen am Wagen vorbei, ansonsten tut sich vor der Windschutzscheibe großes Kino auf: ein unwirklich blauer Himmel thront über allem, gestochen scharf umrissene Wolken, die über der Welt hängen wie vom Schöpfer dort abgestellt und vergessen. In der Ferne durchbrechen weiße Zäune die Kulisse. Weit hinten treiben trampelnde Rinder Staubfahnen in die Luft, vom heißen Wind weitläufig zerpustet.

Arizona ist ein perfektes Pflaster für alle, die gerne fahren, fahren, fahren. Freunde langen ungestörten Autofahrens bekommen hier sozusagen eine Langstreckenkur verpasst. Und das Auge darf sich gleichzeitig einer Therapie im Weitblicken erfreuen. Hier stört kein Haus, kein Strommast. Selbst an Straßenschildern kommt man nur selten vorbei.

Das Fahren gerät in dieser Ecke des amerikanischen Südwestens eher zu einem Treiben durch eine Filmkulisse, durch einen ockergelben Backofen. Wie lange ist man eigentlich schon unterwegs? Stunden? Tage? Immer geradeaus ziehen sich hier die Straßen, am Wegrand alle paar Stunden höchstens mal eine verlassene Tankstelle, vor der ein Schild im Wind wiegt und ein rostiges Lied spielt.

Jim Slaughton streicht sich durch den Schnauzer, er hockt in der Ecke seines kleines Ladens an der alten Route 66. Slaughton verkauft Tand aus den fünfziger Jahren, Elvis-Poster, alte Nummernschilder, Plattencover, Modelle alter Pontiacs und Chevys. Slaughton sieht aus wie eine Skulptur aus Leder. Es ist schattig und dunkel in seinem Laden. Nur wenn die Tür sich knatschend öffnet, fällt die Sonne ein, als würde jemand einen Spaten gleißendes Licht hineinschütten.

„Früher sind sie hier Autorennen gefahren“, sagt Slaughton. „Improvisierte Rennen, die Straßen rauf, die Straßen runter, Hunderte von Meilen, es kam ja sowieso kein anderes Auto vorbei.“ Slaughton mag Autos, vor seinem Shop steht ein alter Buick mit rosa Heckflossen und einer ledernen Sitzbank in quietschrot. „Das Autofahren gewinnt hier unten eine andere Dimension“, fügt er noch hinzu. „Du fährst und fährst und kommst irgendwann in so einen Rhythmus.“ Ihn würden die stundenlangen Fahrten durch die Wüste geradezu beruhigen. Ab einem bestimmten Moment käme es eher einem „stillen Dahinfließen“ gleich.

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