Bahia
Brasiliens tropisches Arkadien

Bahia ist die Geschichte von endlosen Stränden, malerisch verfallenden Barockstädten, Luxusherbergen in alten Klöstern – und Zigarrenfabrikanten. Der brasilianische Bundesstaat lebt von einem kulturellen Reichtum, der er nicht zuletzt afrikanischen Einflüssen verdankt. Inzwischen haben auch Touristen aus aller Welt die Region für sich entdeckt.

Als die Sonne tief über der glitzernden Wasserfläche steht und Hunderte bunter Korallenfische fast an den Strand kommen, schwinden letzte Zweifel: Der Herr des guten Endes dort oben über der Stadt auf der anderen Seite der Bucht muss den Gringo tatsächlich erhört haben. Das Stoßgebet in einer Kirche voller murmelnder Pilger und Dankesgaben für Wunderheilungen, wächserne Puppenkörper, Arme, Beine, Köpfe: „Herr, gib mir eine Hängematte mit Blick über die Bucht und ein Meer der Ruhe für die Flut der Bilder und Rätsel dieser Reise.“

Es ist der erste Abend in der Altstadt von Salvador de Bahia, der Stadt des Erlösers der Bucht aller Heiligen an der Küste Brasiliens. Rhythmische Trommeln hallen in engen Gassen voller Menschen. Schweiß perlt. Bunte Tücher wehen, Friseurstühle stehen auf höckerigem Pflaster. Andenkenhändler, Straßenmaler, Holzschnitzer füllen die Bürgersteige.

Das alte Zentrum der Hauptstadt, ein Geschachtel bunter Barockfassaden, Kirchturm an Kirchturm, leuchtend im letzten Sonnenlicht, hoch auf dem Steilufer. „Tranquilo, ruhig, Bruder, brauchst nichts kaufen“, lacht der Andenkenhändler.

Pelourinho ist der Name eines Platzes im Zentrum des Gassengewirrs. Er bedeutet Pranger. Salvador, gegründet im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen, ist nicht nur erster Regierungssitz des brasilianischen Reichs, der schnell einen ungeheuren Aufschwung erlebte. Abertausende afrikanischer Sklaven machten Reichtum und architektonischen Prunk erst möglich, indem sie auf den Zuckerrohrfeldern im Reconcavo, dem fruchtbaren Hinterland, schufteten. Hier, in Salvador, kamen sie an, stand der Pranger bereit, wurden sie verladen und verkauft.

„Siehst du die Igreja do Rosario dos Pretos dort?“ fragt Adi, gebürtiger Bahiano, Stadtführer seit Jahren, beim gemeinsamen Kaffee am Pelourinho. Er zeigt auf eine eigenwillig schöne Kirche direkt gegenüber. „Sklaven haben sie in Nachtarbeit für ihre eigene Religion gebaut.“ Die „Rosario der Schwarzen“ ist offenkundigstes Zeugnis afrikanischer Kultur in europäischem Gewand, einst einzige Möglichkeit der Verschleppten, eigene Traditionen zu bewahren. Zum Glück. Heute lebt nicht nur der Pelourinho mit seinen Konzerten, Bars und Festen, sondern auch Bahia von einem kulturellen Reichtum, der sich nicht zuletzt afrikanischen Einflüssen verdankt.

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