So lebt sich der Traum vom eigenen Baumhaus

Mein Leben im Baumhaus – Teil 1
Die eifrige Suche nach Gelassenheit

Viele Deutsche sehnen sich nach Ruhe und Gelassenheit. Bei „Ausmistparties“ befreit man sich von seinem alten Kram, Meditations-Apps gemahnen zur Ruhe. Manchmal hilft aber nur eins: Die Flucht in die Natur.

BerlinStaub wirbelt auf, als ich eine Kiste aus dem Regal in meinem Keller ziehe. Darin liegen jede Menge Klamotten, die ich irgendwann mal eingelagert und dann vergessen habe. Ich erinnere mich an meinen Gedanken damals: „Das ziehe ich bestimmt irgendwann mal wieder an.“

Heute, fünf Jahre später, ist mir klar, dass das wohl nicht mehr passieren wird. So geht es mir in letzter Zeit immer wieder. Jedes Mal, wenn ich einen Schrank in meiner Wohnung öffne oder ins Regal schaue, kommen Sachen zum Vorschein, die ich nicht mehr brauche oder noch nie gebraucht habe. Kleider, Schuhe, Bücher, CDs, Duftlampen, Gläser, Becher, einen Gemüsehobel, Backformen, Dessertförmchen, ein Stickset, Ketten, Ohrringe, Mützen, Halstücher...

Die Liste lässt sich fast endlos fortsetzen. Ich begann damit, sozialen Einrichtungen Sachen zu spenden, damit jemand anderes etwas davon hat. Einiges habe ich auf dem Flohmarkt verkauft. Und ich merkte, dass meine Wohnung eigentlich nur so groß ist, damit ich Platz für Dinge habe, die ich nicht brauche.

Damit bin ich nicht allein. In Deutschland gibt es regelrechte „Ausmistparties“. Wer bei Amazon den Begriff „Minimalismus“ eingibt, bekommt 20 Seiten voll mit Ratgebern zum Thema. „Mehr Freiheit, mehr Zeit, mehr Glück“, verspricht zum Beispiel Sven Koch und beschreibt in seinem Buch 21 Schritte zu einem minimalistischen Leben. Im Netz sind es mehr als 350.000 Treffer bei Google.

In den sozialen Medien gibt es immer wieder Einladungen zu Entrümpelungspartys bei Leuten zu Hause. Es scheint so, als würden immer mehr Menschen des materiellen Besitzes überdrüssig. Steht etwa das Statussymbol „großes Haus“ vor dem Aus? Fakt ist: Die Riesenimmobilien binden jede Menge Kapital, kosten viel Geld, machen viel Arbeit und fesseln an einen festen Ort.

Der Wunsch nach dem Weniger ist also auch monetär durchaus nachvollziehbar. Und er passt zum derzeit so gängigen Mantra, „achtsam zu sein und sich aufs Wesentliche“ zu konzentrieren, welches seinen Ursprung im Buddhismus hat. Das zeigt sich nicht nur bei der Wahl der Wohnweise. Umsätze und Anzahl von Yogastudios, Achtsamkeitsseminaren oder Wochenaufenthalten in Retreats, also betreute Seminare und Urlaubsaufenthalte zur Selbstfindung fernab vom Alltag, schießen in Deutschland Jahr für Jahr weiter in die Höhe.

Seite 1:

Die eifrige Suche nach Gelassenheit

Seite 2:

Die große Sehnsucht nach Ruhe und Gelassenheit

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%