So lebt sich der Traum vom eigenen Baumhaus

Mein Leben im Baumhaus – Teil 4
„Das Leben im Baum hat etwas sehr Romantisches“

Baumhäuser wecken die Natursehnsucht und Kindheitserinnerungen. Die Nachfrage nach kleinen Refugien in den Wipfeln wächst. Baumhausarchitekt Andreas Wenning sprach mit unserer Autorin über das Träumen auf Bäumen.

BerlinHerr Wenning, Sie entwerfen und bauen seit 2002 Baumhäuser. Was war der Anlass?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Bedürfnis schon immer da war, denn es liegt in der menschlichen Natur. Es gibt nun aber vermehrt Beispiele für Baumhäuser und die Kombination wird zum ersten Mal real und bezahlbar. Das verstärkt wiederum die Sehnsucht nach einer solchen Wohnform. Und die beinhaltet den Wunsch außerhalb des Standards zu wohnen. Dort verzichtet man gerne auf Dinge wie den Einheitsstandard eines Hotels oder auf einen Aufzug.

Gesellschaftlich lässt sich ein Trend zu weniger Besitz und mehr Natur erkennen – auch beim Wohnen. Wie kommt das?
Das Baumhaus ist noch mal ein spezieller Teil des Wohnsegments „Klein und Naturnah“. Für den Abenteueraspekt und den Erlebnisraum Baum kommen die Bewohner gerne mit weniger Standardluxus aus. Das Leben im Baum hat etwas sehr Romantisches und Aufregendes und steht für die bewusste Entrücktheit vom Boden und von der Normalität.

Die Wohnung, die ich gerade in Berlin bewohne, ist streng genommen kein Baumhaus. Es steht auf einem künstlichen Stamm. Warum nennen Sie es trotzdem so?
Ich gehe mit dem Begriff bewusst großzügig um. Denn ob das Haus nun im Baum oder erhöht und von Bäumen umgeben steht, ist für das Wohngefühl kein Unterschied. Natürlich könnte man, die Häuser auch Stelzenhäuser nennen. Das bringt aber die eigentliche Motivation hinter dieser Bauweise, den Bäumen näher-zu-kommen und das Entrücktheitsgefühl nicht zum Ausdruck. Daher bin ich großzügig mit dem Begriff.

Braucht es die Natur beim Wohnen auf so kleinem Raum?
Nicht unbedingt. Es kommt dabei auf die Perspektive an. Wenn ich mir vorstelle, ich habe so einen kleinen Raum auf dem Dach eines Wohnhauses, oder eine Zelle innerhalb einer interessanten Fassade, dann kann ich mir das immer noch gut vorstellen. Der Naturraum bietet jedoch eine relativ große Vielfalt und hat dadurch den anderen Räumen schnell etwas voraus. Sie spricht alle möglichen Sinne an. In der Natur gibt es Gerüche, Dynamik und verschiedene Texturen. Deshalb schätzen wir die Natur ja auch so. Das ist beim urbanen Raum etwas anders. Er kann auch mal stinken und langweilig sein.

Spielt die Natur in Sachen Formgebung und Funktionalität eine Rolle in der Architektur, wie zum Beispiel bei Antoni Gaudì, der seine Bauweise stark daran orientiert hat?
Gaudìs Gebäude sind ästhetisch konstruiert. Er setzte die Natur nicht eins zu eins in seine Projekte um, sondern bediente sich konstruktiv und formal an Naturvorlagen, wie es ihm gefiel. Genauso ist es auch bei mir. Ich habe einen geprägten und entstandenen Geschmack. Das ist meine persönliche Architektursprache und danach entwerfe ich Baumhäuser. Und die ist immer ein Dialog der Gebäude mit den Bäumen, das kann auch oft kontrastierend sein. Da richte ich mich immer nach den örtlichen Gegebenheiten.

Zum Beispiel?
Ich habe gerade ein neues Projekt in Frankreich. Das ist eine Platane, die sich wie eine Hand nach oben öffnet. Ich habe diesen Baum gesehen und wusste genau: Es ist fast ausgeschlossen, hier mit einem geradlinigen Gebäude zu antworten. Deshalb wird es hier zum ersten Mal eine dreidimensional gerundete Form geben, ähnlich einer Kugel.

Seite 1:

„Das Leben im Baum hat etwas sehr Romantisches“

Seite 2:

„Egal ob alt, jung, konservativ, Punk: Alle finden es gut.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%