Berlin Brandenburg International
Großer Bahnhof für einen großen Flughafen

Wenn der Bau des Hauptstadt-Airports Berlin Brandenburg International (BBI) am Dienstag offiziell beginnt, wollen alle Berliner Würdenträger zum Spaten greifen. Wird auch höchste Zeit, denn eigentlich sollte der Flughafen schon fast fertig sein.

HB BERLIN. Am Dienstag packen alle Chefs der Gesellschafter mit an: Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee für den Bund, Ministerpräsident Matthias Platzeck für das Land Brandenburg und Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister von Berlin. Sie legen damit den Grundstein für etwas, das nach ursprünglichen Vorstellungen heute nahezu vollendet sein sollte. Jetzt wird es noch bis Ende 2011 dauern, sofern der Zeitplan diesmal eingehalten wird.

Zwei Jahre nach dem Mauerfall, Anfang 1992, gab es die ersten Planungen für einen gemeinsamen Berliner Flughafen, der die Stadt auch im Flugverkehr wiedervereinen sollte. Doch es dauerte bis 1996, ehe die Konkurrenzstandorte Sperenberg und Jüterbog aus dem Rennen waren. Es folgte der missglückte Versuch, das Großprojekt von einem privaten Konsortium finanzieren und bauen zu lassen.

Schließlich kam es zum einem erbitterten Rechtsstreit, hinter den das Bundesverwaltungsgericht erst im März dieses Jahres einen Schlusspunkt setzte: Der neue Flughafen am Standort Schönefeld, mehr als doppelt so groß wie der bisherige, darf gebaut werden, allerdings mit verschärften Auflagen für den Lärmschutz und einem weitgehenden Nachtflugverbot. Ein Teilerfolg der rund 4000 Kläger, die noch ein wenig Hoffnung auf eine Verfassungsbeschwerde setzen, über die noch nicht entschieden ist.

Für viele andere in der Region ist der BBI ein Hoffnungsträger, der einen Schub für die noch immer schwächelnde Wirtschaft und eine Menge Arbeitsplätze verspricht. 40 000 neue Jobs könnten es nach einer Studie bis zum Jahr 2012 werden. „Keine Fantasiezahlen“ seien das, sagt Wowereit. Mehr als 2,6 Mrd. Euro - inklusive Schienenanbindung - werden in das Projekt fließen. Mittelständische Unternehmen sollen zumeist als Subunternehmer ihre Chance erhalten.

Ein großes Drehkreuz, wie einst gedacht, kann der BBI nicht mehr werden. Dazu kommt er im Wettbewerb mit anderen europäischen Standorten zu spät, wie Flughafenchef Rainer Schwarz einräumt. Er sieht aber in der geographischen Lage etwa eine Flugstunde östlich der Weltflughäfen London, Paris und Frankfurt eine Chance. Für die wachsende Zahl an Flügen nach Asien sei das zeitlich und bei den Kosten ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Dabei hat Schwarz das neue Langstreckenflugzeug von Boeing, 787 Dreamliner, im Blick. Die verbrauchsgünstige Maschine biete für Flughäfen mit einem großen Einzugsgebiet wie Berlin „die große Chance, am Interkontinentalverkehr teilzunehmen“.

Kurz vor Baubeginn schreckte Easyjet die Öffentlichkeit mit der Warnung auf, der neue Flughafen sei für den Bedarf viel zu groß und werde die Kosten für Billigfluggesellschaften nach oben schnellen lassen. Für das Unternehmen ist Schönefeld inzwischen die wichtigste Basis außerhalb Großbritanniens. „Wenn der Großflughafen in dieser Form gebaut wird, ist er für uns weitaus unattraktiver als Schönefeld heute“, sagt Easyjet-Deutschland-Chef John Kohlsaat.

Die Flughafengesellschaft hält die Kritik für unverständlich. Auch der neue Airport biete kurze Wege für die Gäste der Billigfluganbieter. Es gebe auch genug Standplätze in der Nähe des Terminals. „Die Wünsche der Airlines werden weiterhin Berücksichtigung finden."

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