Berühmte Bewohner: Queen Mum
Besuch bei Prinz Charles

Erstmals ist die abgeschirmteste Residenz der britischen Königsfamilie zu besichtigen: Clarence House, das neue Zuhause von Prinz Charles. Bisher war noch nicht einmal die Fassade von der Straße aus zu sehen.

HB/dpa LONDON. An diesem Mittwoch hat sich das Clarence House in London erstmals geöffnet. Bis zum 17. Oktober können 46 000 Touristen das neue Zuhause von Prinz Charles (54) besuchen. Alle Karten sind schon verkauft.

Gebaut wurde das Haus für eine Deutsche. Der Herzog von Clarence und spätere König William IV., auch „Silly Billy“ (Dummer Billy) genannt, gab es 1825 in Auftrag, nachdem er sich mit Adelaide von Sachsen-Meiningen vermählt hatte. Die Unterkünfte, in der er vorher mit seiner Geliebten und ihren 10 Kindern gehaust hatte, seien der sittenstrengen Protestantin nicht zuzumuten, befand er. So schuf der Architekt John Nash ein Stadtpalais im Stil der Zeit - elegant zwar, aber nichts Besonderes. Besonders wurde es erst durch seine Bewohner.

Vieles erinnert an Queen Mum, die hier fast 50 Jahre gewohnt hat - bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr. Sie machte aus Clarence House eine Art Zeitmaschine. Hier klingelte kein Telefon, hier bimmelte höchstens ein Glöckchen zur Teezeit.

Jetzt ist diese Ära schon versunken, und Queen Mum ist Geschichte. „In diesem Raum pflegte sie vor dem Mittagessen immer einige Drinks einzunehmen“, sagt Touristen-Führerin Charlotte Topsfield beim Betreten des „Morning Room“. Über dem Kaminsims hängt ein Gemälde des gebürtigen Münchners Walter Sickert, der nach einer neuen Theorie der Frauenmörder Jack the Ripper gewesen sein soll; schräg gegenüber ein Porträt des sozialistischen Bühnenautors George Bernard Shaw - mit geschlossenen Augen, da er beim Modellsitzen eingenickt war.

Sonst tummelt sich viel Getier an den Wänden. Die Jagdhunde „Hector, Nero, Dash und Lorey“ ruhen überlebensgroß auf Purpur- Sesseln, Rennpferde blicken mit aristokratischem Stolz aus goldenen Rokoko-Rahmen. „Sporting Art“ nennt man das hier. Die Regale sind voll mit Handbüchern wie „Blutsport“ und „Memoiren eines Fuchsjägers“.

All dies liegt in schummrigem Halbdunkel. Queen Mum fand das romantisch, und ihr Lieblingsenkel Charles hat verfügt, dass alles so bleiben soll. Allerdings hat der Thronfolger den Bau kräftig entrümpelt und zum ersten Mal seit 50 Jahren ein paar Anstreicher und Putzkolonnen durchgeschickt. Im Garden Room mit Blick auf den englischen Rasen wird er nun seine offiziellen Besucher empfangen.

Dort steht auch sein Schreibtisch, mit Bildern seiner Mutter, der Queen, und seinem Sohn William. Der jüngere Prinz Harry fehlt seltsamerweise. An Prinzessin Diana erinnert nur eine winzige Gravur auf einem silbernen Brieföffner-Halter: „Überreicht zur Hochzeit des Prinzen und der Prinzessin von Wales“, ist darauf zu lesen.

Wenn es still ist, hört man hier nur das bedächtige Ticken der alten Uhr auf dem Flügel. Auch für die britische Monarchie steht die Zeit nicht still.

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