Besucher haben nicht überall Zugang
Spur der Mythen

Im australischen Arnhem Land wachen Aborigines über Felsmalereien.

Knatternd springt der alte Landrover über die Schotterstraße durch den lichten Trockenwald. Es ist acht Uhr morgens, und das Thermometer steht schon bei 30 Grad. Außer dem schmalen Pfad deutet nichts darauf hin, dass hier, in der Einsamkeit des australischen Arnhem Land, je ein Mensch seinen Fuß hingesetzt haben könnte. Auf beiden Seiten des Weges zeugen verkohlte Baumstämme vom letzten Waldbrand. Meterhohe Termitenhügel, in dunklem Orange wie der sandige Boden, glühen in der Sonne. Die Hitze ist beißend.

Nach fünf Kilometern stehen die Reisenden vor einer kleinen Gebirgskette. Zu Fuß geht es weiter, durch dichtes Gestrüpp und Unterholz, über Sandsteinfelsen und umgefallene Eukalyptusbäume. Unvermittelt stehen die Besucher in einer halb offenen Höhle, erleichtert und überwältigt zugleich.

An der Felswand sind Hunderte von Malereien in brillantem Rot, Braun und Ocker zu bestaunen: Umrisse von Kängurus, mythische Wesen, Fische, fein ziselierte Echsen und dazwischen die dünne Figur eines Menschen. Ehrfürchtige Schauer ergreifen uns: „Das ist die wahre ‚Sixtinische Kapelle' der Menschheit“, flüstert eine junge Frau, „hier im Arnhem Land“.

Die Region im Nordosten des australischen Nordterritoriums ist eine der abgelegensten und einsamsten Landstriche des Planeten. Vielleicht zwei Menschen pro 100 Quadratkilometer leben in der Urlandschaft, die von der Außenwelt praktisch abgeschlossen ist.

Das Gebiet liegt zwischen dem Kakadu-Nationalpark im Westen, der Cobourg-Halbinsel im Norden und der Stadt Nhulumby im Nordosten. Seit 1931 sind die 92 000 Quadratkilometer das Reservat der Yolngu- Aborigines. Die Rückgabe an die Urbesitzer war nicht unbedingt ein Zeichen des guten Willens der Regierung, sondern geschah in erster Line, weil die damaligen weißen Herrscher das Land als wirtschaftlich wertlos betrachtet hatten.

Sie irrten gewaltig: Wie fast überall auf dem roten Kontinent liegen auch im Boden des Arnhem Land mineralische Schätze. 1960 begann im Osten des Gebiets der Abbau von Bauxit.

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