Billig-Auslandsangebote
EU-Führerscheintourismus boomt

Im Jahr 2032 soll es endlich soweit sein: Nach den neuen EU-Regeln müssen dann alle Auto fahrenden EU-Bürger den neuen Einheitsführerschein in der Tasche haben. So mancher Autofahrer in Deutschland wird angesichts dieser großzügigen Frist aufgeatmet haben.

HB MÜNCHEN. Über 100 unterschiedliche Führerscheine gibt es momentan innerhalb der Europäischen Union (EU). Zeit für ein einheitliches Modell, entschieden vor kurzem die EU-Verkehrsminister und einigten sich auf eine grenzüberschreitende Lösung. Doch bis alle die gleiche Plastikkarte in der Brieftasche haben, dürften noch bis zu 26 Jahre ins Land gehen. Damit ist fürs erste auch das Ziel gescheitert, eine juristische Grauzone in den Griff zu kriegen: Das Geschäft mit deutschen Alkoholsündern, die zuhauf ins benachbarte EU-Ausland ausweichen, um einen neuen „Lappen“ zu bekommen.

„Das Problem des Führerscheintourismus nach Tschechien, Polen oder in die Niederlande konnte auch mit Einführung einer einheitlichen Fahrerlaubnis erst einmal nicht gelöst werden“, sagt Volker Lempp, Jurist des Auto Clubs Europa (ACE). Nach den neuen EU-Regeln müssen erst 2032 alle Auto fahrenden EU-Bürger das neue Einheitsdokument in der Tasche haben.

So mancher der jährlich rund 100 000 Autofahrer in Deutschland, die ihren Führerschein abgeben mussten, weil sie unter Drogen oder stark betrunken hinterm Steuer erwischt wurden, wird angesichts dieser großzügigen Frist aufgeatmet haben. Das Schlupfloch, mit Hilfe einer neuen ausländischen Fahrerlaubnis daheim wieder Auto fahren zu können, wird jedenfalls kräftig im Internet weiter beworben.

Da werden Billig-Führerscheine per Schnellkurs in Polen angepriesen, Urlaubsunterricht in Tschechien oder Eilprüfungen in Ungarn. Alles „legal, rasch, preiswert und ohne MPU“, also ohne Medizinisch-Psychologische Untersuchung, wie die Anzeigen versichern. Ab 890 Euro aufwärts soll der Führerschein in einigen Ländern zu haben sein. Je nach Betreuungs-, Dolmetscher- oder Anreisekosten kann es deutlich teurer werden. „Wohnsitznachweis im Preis inbegriffen“, so die Versprechen. Denn das ist der größte Haken am fremden Führerschein: Der Prüfling muss darlegen, dass er mindestens 185 Tage in dem Land auch gewohnt hat, in dem der Führerschein ausgestellt wird. Gefälschte Nachweise sind keine Seltenheit, wissen die Autoclubs.

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