Bordkarten aus dem Automaten
Mit Berlin-Ticket nach Griechenland

Praktisch, aber unsicher: Bei Air Berlin kann man sich seine Boardkarte am Automaten ausstellen lassen. Doch die Erlebnisse eines Passagiers und Bloggers zeigen: Wer einen Allerweltsnamen trägt, sollte von dem System besser die Finger lassen.

DÜSSELDORF. Das erste Mal glaubt Martin Richter an einen Fehler: Als er am Check-In-Automaten von Air Berlin am Düsseldorfer Flughafen seine Bordkarte abholen will, wird ihm nicht nur sein Flug nach Berlin angezeigt – sondern ein weiterer gen Kos. Dann stürzt der Automat ab.

Beim Rückflug aus Berlin ein ähnliches Erlebnis: wieder ein weiterer Flug, diesmal einen Tag später. Neugierig drückt Richter die Taste – und hält Bordkarten für beide Flüge in der Hand. Nur: Die Verbindung am folgenden Tag läuft auf den Namen Martina Richter.

Das lässt den Düsseldorfer nicht ruhen. Er fragt Air Berlin, wie das sein könne: „Ich wollte doch nur wissen, ob das nicht datenschutztechnisch problematisch sei oder vielleicht auch ein Sicherheitsproblem“, schreibt Richter in seinem Weblog (www.martin13088.blog.de). Die Antwort des Mitarbeiters hinterlässt ihn bass erstaunt: Das sei schon alles richtig, es handele sich um ein Verfahren, das mit dem Luftfahrt-Bundesamt abgestimmt sei. Und das geht so: Wer seine Bordkarte mit dem Personalausweis abholt, zieht diesen durch den Check-In-Automaten. Und der Automat richtet sich allein nach dem Nachnamen und den ersten drei Buchstaben des Vornamens. Somit also könnte Andreas Schmidt die Bordkarte für Andrea Schmidt abholen – und umgekehrt.

Richter ist auf eine der widersprüchlichen Situationen im Flugverkehr gestoßen. Einerseits müssen Reisende entwürdigende Zeremonien wie das Ausziehen der Schuhe erdulden – andererseits ist die Kontrolle darüber, wer ein Flugzeug besteigt, praktisch nicht mehr gegeben. Bei den meisten Inlandsflügen reicht die Kredit- oder Meilenkarte um einzuchecken. Immerhin: Dies ist eine eindeutige Information – im Gegensatz zur Verwendung von Namensteilen. Und: Wer unter fremder Identität einchecken will, muss einem anderen erst die entsprechende Karte stehlen.

Und was ist mit dem Datenschutz? Richter fragt den Air-Berlin-Mitarbeiter: „Schön, was würden Sie sagen, wenn ich mit meiner EC-Karte ihren Kontostand abfragen könnte?“ Am anderen Ende der Leitung herrscht Stille, dann kommt die Versicherung, man werde sich mit dem Thema beschäftigen.

Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel sagt, es habe sich beim Erlebnis um einen „Extremfall“ gehandelt: Normalerweise hätte bei der Gefahr einer Namensgleichheit die Bordkarte nicht am Automat per Ausweis abgeholt werden dürfen – der Fluggast hätte zu einem Schalter mit menschlicher Besetzung gehen müssen. Doch ob keiner der vielen Peter Müllers in Deutschland mit Personalausweis einchecken kann, wenn ein anderer dieses Namens bei Air Berlin gebucht hat? Die Sache sei aber ohnehin nicht dramatisch, meint Hauptvogel: „Nennen Sie mir ein Szenario, bei dem sie durch das Verfahren eine Gefahr sehen“, fordert er auf. Außerdem würden andere Gesellschaften auch so arbeiten. Das aber ist nicht ganz richtig: Wer bei der Lufthansa mit seinem Personalausweis einchecken will, braucht außerdem die Buchungsnummer. Und auch die müsste man jemand erstmal entwenden.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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