Breitbeinig im Bus
Madrid verbietet „Manspreading“

Den Kampf um die Armlehne im Flugzeug kennt jeder. Im Bus überschreitet das territoriale Gerangel schnell die Grenze zur Belästigung. Die Stadt Madrid verbietet es Männern nun, sich allzu breitbeinig breit zu machen.
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MadridWer kennt die Situation nicht: Der Platz im Theater, Flugzeug oder Bus ist ohnehin schon eng und man will nicht unbedingt auf Tuchfühlung mit seinem fremden Nachbarn gehen. Doch das ist unvermeidlich, wenn der sich wohlig in den Sessel fläzt, die Armlehnen vereinnahmt und sich gerne auch noch breitbeinig nach rechts und links ausdehnt.

In Madrid ist das jetzt in öffentlichen Bussen offiziell verboten. Die Stadtverwaltung lässt in allen Fahrzeugen Schilder anbringen, die einen breitbeinigen Gast auf seinem Sitz zeigen und über ihm ein rotes X. Die Aktion geht auf den Protest von mehreren Frauenverbänden zurück, die 11.500 Unterschriften eingesammelt hatten.

Dabei ist das raumgreifende Verhalten der männlichen Zeitgenossen ist kein spanisches, sondern ein weltweites Phänomen, für das es sogar schon einen eigenen Namen gibt: „Manspreading“. Madrid ist deshalb nicht die erste Stadt, sondern eine weitere Stadt, die dieses Verhalten untersagt.

In den Bussen der Hauptstadt reiht sich das neue Piktogramm ein neben denen, die darauf hinweisen, die Füße nicht auf die Sitze zu legen, nicht zu rauchen, seinen Platz Schwächeren zu überlassen und – ebenfalls neu – die Rücksäcke im Bus auszuziehen und für Musik vom Handy Kopfhörer zu benutzen.

Man fragt sich, weshalb für solche selbstverständlichen Verhaltensregeln eigene Schilder nötig sind. Aber in dem Sinn ist Spanien, wo der Umgang miteinander deutlich höflicher ist als etwa in Deutschland, keine Ausnahme: Wo es eine offizielle Vorschrift gibt, lässt sich das Verhalten besser einfordern. Womöglich gibt es ja auch Männer, denen bislang nicht klar war, dass ihre Sitznachbarn kein Interesse an Kontakt mit ihren Oberschenkeln haben. Ob denen allerdings mit Schildern zu helfen ist, bleibt fraglich.

Wem bei dem Thema an mehr Gleichberechtigung gelegen ist, der kann sich dem Phänomen des „shebagging“ widmen: Gemeint sind damit Frauen, die ihre Handtaschen auf dem Sitz neben sich abstellen. Noch gibt es dafür kein Verbotsschild.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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