Bremerhafen
Sichtbarer Wandel am Weserdeich

Leerstehende Häuserreihen, ein riesiger Schuldenberg und eine Arbeitslosenquote von 17,8 Prozent – die Probleme in Bremerhafen sind vielfältig. Nun investiert die hochverschuldete Stadt in ihre Innenstadt, um mehr Touristen anzuziehen und soziale Probleme zu lösen.

BREMEN. Die neue Attraktion Bremerhavens, das Klimahaus, wird aussehen wie ein gestrandeter Fischroboter: flossenlos, oval und hochmodern, eine weich geschwungene Konstruktion aus Stahl und Glas. Entlang des achten östlichen Längengrades, auf dem Bremerhaven liegt, könne man darin eine Reise durch die Klimazonen der Erde antreten, heißt es im Flyer der Touristikzentrale. „Hinein in die schroffe Landschaft der Schweizer Alpen, in die Gluthitze der Sahelzone, von Afrika in die Antarktis, über die Südsee nach Alaska und schließlich durch das Wattenmeer zurück nach Bremerhaven.“ Multimedia-Installationen, interaktive Exponate, große Aquarien – bis März 2009 soll die Erlebniswelt fertig sein.

Rund 70 Mill. Euro lassen sich Bremerhaven und das Land Bremen den Bau des Klimahauses kosten. Das Projekt ist Teil einer Investitionswelle, die im Jahr 2000 mit der Umgestaltung der angegrauten Fußgängerzone ihren Anfang genommen und vor allem das Gesicht des Alten und Neuen Hafens zwischen City und Weserdeich gründlich verändert hat. Erst kürzlich eröffnete das Viersternehotel Atlantic Hotel Sail City, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem berühmten Luxustempel „Burj al Arab“ in Dubai nicht verleugnen kann. Von seiner Aussichtsterrasse aus ist zu sehen, womit sich Bremerhaven bei Städtetouristen außerdem beliebt machen will: Neben dem Klimahaus sind das zum Beispiel der Zoo am Meer, das Deutsche Auswandererhaus und das Schifffahrtsmuseum. Die Stadt hat in Kajen, Steganlagen und neue Plätze am Wasser investiert. Dazwischen stehen zwar überall noch Baukräne und Gerüste, aber ganz offensichtlich entsteht hier ein touristisches Zentrum.

Früher lebten die Menschen in Bremerhaven von Fischfang, Hafenwirtschaft und Schiffbau, doch vieles ist weggebrochen und die Stadt ist hoch verschuldet; im Jahr 2007 summierte sich der Schuldenberg auf rund 700 Mill. Euro. Im Ortsteil Lehe stehen mittlerweile ganze Häuserreihen leer, denn seit über zehn Jahren gehen die Einwohnerzahlen zurück. Die Arbeitslosenquote lag im März 2008 bei 17,8 Prozent, was schon eine Verbesserung bedeutet: Im gleichen Monat des Jahres 2005 betrug sie noch 25,3 Prozent.

Die Touristen allein könnten das Ruder natürlich nicht herumreißen, sagt der Oberbürgermeister der Weserstadt, Jörg Schulz. „Bremerhaven entwickelt sich vielfältig, hat Lehren gezogen aus der Monostruktur der Wirtschaft.“ Wesentliche Zukunftsfelder seien für ihn der Containerumschlag im Überseehafen, Logistik, erneuerbare Energien, Klimaforschung, Lebensmittelwirtschaft, Biotechnologie und eben der Städtetourismus. „Dabei geht es darum, Touristen nach Bremerhaven zu holen, es geht aber auch darum, mit der Stadtmitte so etwas wie einen Identifikationskern zu schaffen nach dem Motto: Das sind wir.“

Zum neuen Wir-Gefühl sollen auch Veranstaltungen beitragen, die nur schwer an einem anderen Ort durchzuführen wären. So organisiert der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS) unter anderem die Lütte Sail 2008. Das internationale Festival der Windjammer und Traditionsschiffe sollte eigentlich nur ein Zwischenspiel sein auf dem Weg zur großen Sail Bremerhaven, die nur alle fünf Jahre stattfindet. Doch weil die Resonanz so groß ist, wächst die Lütte. Schon 80 Namen stehen auf der Schiffsliste, doch bis Juni erwarten die Organisatoren weitere Anmeldungen von Seglern aus aller Welt.

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