British Airways bekommt Probleme am Terminal 5 nicht in den Griff
Auch am Wochenende fallen Flüge aus

Bleich und sichtlich angespannt stellte sich der Chef von British Airways, Willie Walsh, am Freitagmorgen im nagelneuen Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow vor die Fernsehkamera. "Gestern war nicht unser bester Tag", gestand er ein und bat um Entschuldigung für das Chaos bei der Eröffnung des neuen Glaspalastes am Westrand des passagierreichsten Flughafens Europas. "Ich übernehme persönliche die Verantwortung für das, was passiert ist."

LONDON. Doch die Probleme im Terminal 5 sind keineswegs behoben. Nachdem am Donnerstag 34 Flüge ausfielen und hunderte Passagiere stundenlang auf ihr Gepäck warteten oder ohne Gepäck abflogen, sagte British Airways gleich am Morgen mehr als 70 Flüge für den Freitag ab. Und Walsh kündigte gleich an, dass auch für das Wochenende mit Absagen zu rechnen sei. "Ich denke, es wird nun jeden Tag besser werden, denn wir gewöhnen uns an das Gebäude und die Tücken des Systems."

Diese Aussage muss all jene überraschen, die seit Monaten die intensiven Vorbereitungen auf den Umzug in das neue Terminal beobachtet haben. Ein halbes Jahr lang haben British Airways als Mieter und der Flughafenbetreiber BAA als Besitzer die Technik im neuen Terminal 5 getestet. Rund 15 000 Freiwillige checkten als Versuchskaninchen in imaginäre Flüge ein, stiegen als Passagier-Darsteller um und ließen Fantasie-Pässe kontrollieren. 12 000 Gepäckstücke, vom nagelneuen Hartschalenkoffer bis zur halb zerrissenen Reisetasche, wurden wieder und wieder mit Etiketten versehen und kreuz und quer über die 18 Kilometer Gepäckband geschickt.

Trotzdem brach am ersten Betriebstag in dem enormen Glasbau des Star-Architekten Richard Rogers das Chaos aus. Ankommende Passagiere berichteten, dass sie bis zu zwei Stunden auf ihr Gepäck warten mussten. Abreisende Fluggäste saßen stundenlang auf dem Rollfeld fest und beobachteten entgeistert, wie ihre Koffer erst ein- und dann wieder ausgeladen wurden. Das sorgfältig getestete Gepäcksystem erwies sich als unkontrollierbar. Erst wiegelte British Airways ab und sprach von kleineren Anfangsproblemen, doch um 14 Uhr strich die Fluggesellschaft 34 Flüge nach Europa und innerhalb Großbritanniens. Später ordnete die Gesellschaft dann an, dass Fluggäste nur mit Handgepäck einchecken dürften. Wer sich mit Gepäck auf längere Reisen begeben wollte, musste umbuchen und bekam 100 Pfund für eine Übernachtung versprochen. Viele Passagiere entschieden sich, im neuen Flughafen zu nächtigen, weil sie für den Preis kein Zimmer finden konnten.

"Das Chaos, dass wir am Terminal 5 erleben, ist ein weiteres deprimierendes Kapitel in der Geschichte des bröckelnden britischen Verkehrssystems", klagte David Frost, Generaldirektor der Britischen Handelskammer. Es sei ein PR-Desaster in einer Zeit, in der sich London als globales Zentrum positioniere. Auch der Chef der kleineren britischen Fluggesellschaft BMI, an der Lufthansa einen Minderheitsanteil hält, beklagte den neuerlichen Schaden für den Ruf des Drehkreuzes Heathrow. Nigel Turner wies aber darauf hin, dass der Verkehr an den anderen Terminals störungsfrei laufe.

London-Heathrow fertigte zuletzt 68 Millionen Passagiere im Jahr in Gebäuden ab, die auf eine Kapazität von 45 Millionen ausgerichtet waren. Das neue Terminal 5 schafft Platz für weitere 30 Millionen Fluggäste. Es hat fast sechs Milliarden Euro gekostet und war 19 Jahre lang in Planung und Bau. Er wird ausschließlich von British Airways genutzt. Die Fluggesellschaft zieht hier fast alle Flüge an ihrem Drehkreuz London-Heathrow zusammen. Trotz des Fehlstarts zeigte sich Walsh gestern überzeugt, dass BA und BAA die Probleme rasch in den Griff bekommen werden. "Wir werden 40 Jahre lang in diesem Terminal sein. Es wird nicht auf der Basis der ersten paar Tage beurteilt werden", sagte er.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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