Buchformat
Leichter lesen

Ziegelsteine gehören nicht in den Koffer. Schwere Bücher genauso wenig. Wozu einen unhandlichen Wälzer mit sich herumtragen, wenn es eine praktische Alternative gibt: Zarte Reclam-Bändchen – sie passen in die kleinste Tasche.

Schätzing, schätze ich mal: Der Mann im Flugzeug zwei Reihen vor mir, Gangplatz, ist augenscheinlich in einen dicken Wälzer vertieft, ein Lesetrumm, einen literarischen Ziegelstein. Nur mit Mühe, mit viel Quetschen und wohl auch inneren Flüchen ist es ihm gelungen, das dicke Werk zwischen seinen Akten zu verstauen.

Einerseits hat der belesene Fluggast ja Recht: Nicht jedermanns Sache ist es, unterwegs immer nur "Bunte" oder "Gala" durchzublättern, auch ein "Handelsblatt" ist irgendwann zu Ende gelesen. Da bietet sich literarische Reiselektüre an, entspannend, vergnüglich, anregend.

Andererseits, daran sei der Reisende zwei Reihen vor mir erinnert, gibt es tragbare Alternativen diesseits der Brockhaus-Gesamtausgabe und jener immer mächtiger anschwellenden, so genannten Taschenbücher, die längst in keine Tasche mehr passen.

So trägt der Business-Traveller im Innenfach seines Sakkos notorisch eine handtellergroße und schmale, immerhin 206-seitige Ausgabe von Heinrich Heine bei sich, in der "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" und "Deutschland. Ein Wintermärchen" versammelt sind (Fischer Taschenbuch Verlag, 2005). Heines "Sämtliche Gedichte" sind im Verlag für portable Klassiker erschienen: bei Reclam. Bei den Bändchen bediene ich mich regelmäßig, bevor es auf (längere) Geschäfts- oder Urlaubsreisen geht, sie sind auch für literarische Zwischen-Mahlzeiten gut geeignet. Etwa "Nur einer hat mich verstanden ..." (Philosophen-Anekdoten von Hegel bis Marx).

Wen die Reise nach Zwickau verschlägt, lernt dort, dass der Drucker und Verleger Friedrich Schumann das Taschenbuch erfunden hat. Er druckte und vertrieb englisch- und deutschsprachige Klassiker in einem Format, das vergleichbar einer heutigen Zigaretten-Schachtel ist: "40 davon passen in jedes Reisegepäck. Und mindestens 4 in jeden Rucksack", so pries der Vater des Komponisten Robert Schumann seine Innovation an, für die wohl eine Brille erforderlich war.

Lesefreundlicher ist dagegen die Sammlung von Surf-Geschichten aus dem Tropen Verlag: "Endloser Sommer". Gebunden, aber taschenkompatibel kommt Fernando Pessoas "Anarchistischer Bankier" (Wagenbach, 96 Seiten) daher, und rätselhaft sind die Storys des bürgerlichen Alltags-Anarchisten und Geschichten-Erzählers Horst Evers über einen Nichtsnutz, dessen Ärger schon mit dem Aufstehen beginnt: "Die Welt ist nicht immer Freitag" (Rowohlt) - ein so geistreiches wie schmales Bändchen.

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