Buchtipp: „Wer singt erzählt - wer tanzt überlebt“ Auf den Spuren von Nobelpreisträger Garcia Marquéz

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Die Altstadt ist Weltkulturerbe - seit mehr als dreißig Jahren
Quelle: dpa
Cartagena in Kolumbien

Den Leuten von La Boquilla wäre es lieber, die Investoren blieben weg. »La Boquilla wird gentrifiziert«, sagt Rafa. Für die Einheimischen bleibt im wortwörtlichen Sinn kein Platz mehr. Denn die Hoteltürme rücken immer näher. Früher war La Boquilla ein einfaches Fischerdorf. Doch seit so viel gebaut wird, gibt es keine Fische mehr. Für die Hotels hat man den Zufluss gekappt, der die Lagune an der Küste mit dem offenen Meer verband. Das Gewässer veränderte sich, die Fische starben.

Vom Fischfang kann hier deshalb keiner mehr leben. Jeder nimmt, was sonst zu kriegen ist. Während in Cartagenas Altstadt die Wohlhabenden vor dem Problem stehen, sich zwischen vielen schicken Restaurants entscheiden zu müssen, geht es hier schlicht darum, die Familie satt zu kriegen.

Wenn sie Glück haben, bekommen sie einen Job als Zimmermädchen, als Kellner oder auf dem Bau. Wenn sie Pech haben, bleiben sie daheim und leben von dem, was Angehörige und Freunde nach Hause bringen. Wer Pech hat und nicht daheim bleibt, wer die falsche Wahl trifft, der wird zum Drogenhändler – oder Konsumenten.

Für Jugendliche bietet La Boquilla keine tollen Perspektiven. Dass Mädchen aus Sehnsucht nach Zärtlichkeit und einer intakten Familie früh schwanger werden, ist hier – und anderswo in den Armenvierteln Cartagenas – ganz normal. Normal ist auch, dass die Elite aus Politik und Wirtschaft sich um solche Verhältnisse nicht schert, solange sie ihre eigenen Schäfchen ins Trockene bringen kann. Die schneeweißen Hoteltürme sind den kleinen bunten Häusern des Ortes schon bedrohlich nah gekommen.

Gegen die Gewalt hilft „den Kopf oben halten“
Ein Weiser
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El Mamo Camilo ist ein weiser Mann der Arhuaco. Dem indigenen Volk ist, so sehen es jedenfalls die Arhuaco selbst, ein besonderer Auftrag gegeben: Sie sollen die Welt in der Balance halten und ganz im Einklang mit ihr leben – völlig anders als die nach materiellem Wohlstand strebenden Weißen.

Quelle: Alexandra Endres; DuMont Reiseabenteuer: Wer singt erzählt - wer tanzt überlebt

Eine Arbeiterin
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Aurora Epiyayúu ist vom Volk der Wayúu, der größten indigenen Gemeinschaft Kolumbiens. Die Wayúu leben in der Guajira, einer trockenen, sandigen Halbwüste im Nordosten des Landes. Ihre gehäkelten Beutel, die Mochilas, sind wegen ihrer farbigen Designs bekannt. Für die Frauen der Wayúu hat die Handarbeit auch eine spirituelle Bedeutung.

Freiwillige Ärzte
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Helfer versorgen die Kinder der Wayúu medizinisch, so gut das mit gespendeten Arzneien und in improvisierten Behandlungsräumen unter freiem Himmel möglich ist. In der Guajira gibt es nicht genügend Wasser – viele Kinder sind deshalb krank und unterernährt.

Kinder
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Ein Wayúu-Mädchen wartet darauf, in der mobilen Sprechstunde untersucht zu werden. In den Siedlungen, in denen die Ärzte vorbeikommen, geht es den Kindern besser.

Eine Richterin
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Belkis Izquierdo Torres ist Arhuaca und die erste indigene Frau des Landes, die es als Richterin an den Obersten Rat der Judikative Kolumbiens geschafft hat. Sie hat eine Mission: indigene und westliche Justiz miteinander zu versöhnen.

Erinnerung an die Toten
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Ein Graffito in der Comuna 13, einem Viertel von Medellín, in dem früher Guerilla, Drogenbanden und Paramilitärs die Nachbarn terrorisierten. Dann ließ der damalige Präsident Álvaro Uribe das Viertel militärisch angreifen. Viele Unschuldige starben, andere wurden aus ihren Häusern geholt und kehrten nie zurück. Das Bild erinnert an die Toten.

Kunst für die Zukunft
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Elefanten vergessen nie. Die Tiere sind ebenfalls Teil des Erinnerungsgraffitos in der Comuna 13. Hip-Hopper aus der Nachbarschaft haben es gemalt. Ihre Kunst soll zu einer besseren Zukunft im Viertel beitragen.

Manche Fischer haben ihre Grundstücke verkauft; doch weggezogen sind sie nicht. Wohin sollten sie auch gehen? Die Nachbarn haben einfach zusätzliche Trennwände in ihre Häuschen eingezogen, damit jeder wenigstens ein bisschen Privatsphäre hat, und die Obdachlosen aufgenommen.

Jetzt leben alle so beengt, wie man sich das nur vorstellen kann. In manchen Betten schlafen drei Personen, sagt Rafa, mit allen Konflikten, die eine solche Enge verursacht. Das Geld aber, das die Verkäufer für ihre Grundstücke bekommen haben, ist längst verfrühstückt.

Die Stadt und ihr Nobelpreisträger
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