"Bürokratische Kultur des Neins"
Nicht nur Universitäten klagen über die US-Einreisebestimmungen

Die USA sind nicht nur nach Überzeugung von US-Präsident George W. Bush das „freieste Land der Welt“. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sind sie aber mehr denn je ein Land mit geschlossenen Grenzen. Auch hier wächst die Kritik an neuen Hürden bei der Einreise.

HB WASHINGTON. Neue Regeln und eine „bürokratische Kultur des Neins“ bei der Visum-Erteilung haben nach einem Bericht der „Washington Post“ Universitäten, Krankenhäusern, High-Tech- Unternehmen sowie der Kongress- und Tourismusbranche bereits massiv geschadet.

Viele Maßnahmen im Namen der Sicherheit haben nach Ansicht Betroffener „schikanöse Züge“. Davon sind deutsche Besucher keineswegs ausgenommen. Die schwarz uniformierten Grenzbeamten auf den US-Flughäfen mögen auf manchen der jährlich mehr als 1,2 Millionen deutschen Touristen einschüchternd wirken; Probleme bei der Einreise gibt es nur selten, ein gültiger deutscher Reisepass genügt. Anders sieht es für Studenten, Fachkräfte und Wissenschaftler aus, die nicht nur zum Vergnügen in die USA reisen.

Schlechte Erfahrungen machten zum Beispiel einige deutsche Journalisten, die zur Berichterstattung über das NATO-Gipfeltreffen in Colorado Springs einreisen wollten. Wegen des fehlenden Arbeitsvisums wurden sie abgewiesen. Noch schlimmer erging es nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ sechs französischen Reportern, die in Los Angeles in Handschellen verhört wurden. Journalisten würden „immer häufiger wie Kriminelle behandelt“, beklagte der Generalsekretär des Internationalen Journalistenverbands, Aidan White, in einem Interview.

Die neue Einreise-Politik Washingtons hat auch für die USA selbst gravierende Folgen. Tausende von Studenten und Wissenschaftlern besonders aus dem asiatischen Raum bekommen kein Visum - oder viel zu spät. Hochqualifizierte Kräfte, die dringend in Kliniken oder Computerfirmen gebraucht würden, seien plötzlich unerwünschte Personen, berichtete die „Washington Post“. Betuchte ausländische Patienten berühmter US-Kliniken bekämen keine Visa mehr.

Aber auch jene, die in den USA willkommen sind, müssen oft zeit- und kostenaufwendige Einreiseformalitäten erledigen. Deshalb suchen große internationale Kongresse neue Standorte. Der Weltkonzern Amway lädt seine 8000 koreanischen Mitarbeiter 2004 nicht mehr wie geplant nach Hawaii ein, sondern nach Japan.

Persönliche Vorstellung beim Antrag auf ein Visum

Besonders beklagt wird die Pflicht zur persönlichen Vorstellung beim Antrag auf ein Visum. Auch in Deutschland stöhnen viele Studenten über den teuren Weg zur Botschaft nach Berlin oder zum Konsulat in Frankfurt. Wenn sie Pech haben, sind Studienplätze oder Stipendien vergeben, bevor die Bewerber endlich den Sichtvermerk im Pass haben.

Zum Schutz vor Terroristen wurden auch die Durchreise-Bestimmungen verschärft. Ohne gültiges US-Einreisevisum darf ein Fluggast nicht einmal zum Weiterflug in den USA landen.

Ab 2004 werden die US-Einreisebestimmungen insgesamt schärfer. Ab Oktober müssen alle Reisende in die USA „maschinenlesbare“ Reisepässe haben. Bei Deutschen wird nur noch der bordeaux-rote Europapass akzeptiert. Kinderausweise und Einträge in die Reisepässe der Eltern sind nicht mehr erlaubt.

Touristen und Geschäftsleute, die aus visum-pflichtigen Ländern kommen, sollen ab 2004 mit Fingerabdrücken und Bild digital erfasst werden. Die Regierung sprach vom „dramatischsten Schritt zur Verbesserung der Sicherheit in der modernen Einwanderungsgeschichte“. Das Verfahren sei „effektiv, einfach und schnell“. Einfacher wird die Ausreise, bei der die Formalitäten automatisch geprüft werden.

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