Bulgarien macht dem teuren Mallorca Konkurrenz Deutsche Touristen auf Mallorca wieder gefragt

Leere Hotels auf Mallorca zwingen die dortige Tourismusbranche zum Umdenken: Die Hoteliers und Fremdenverkehrspolitiker haben ihre Liebe zu deutschen Trinkbrüdern und Kegelschwestern wieder neu entdeckt und haben den Befehl zum Kurswechsel gegeben.
Mallorca will die Deutschen wiederhaben. Foto: dpa.

Mallorca will die Deutschen wiederhaben. Foto: dpa.

HB PALMA DE MALLORCA. Nach heftigen Einbrüchen bei den Besucherzahlen drei Jahre in Folge sind Themen wie Wassermangel, Müllberge oder Energieprobleme tabu. „Wir wollen an der Playa de Palma alle Touristen“, sagt Juan Carlos Alia, Generaldirektor der Tourismusbehörde auf den Balearen, und gibt die Marschrichtung vor. Die Zeiten, als die balearische Fremdenverkehrsindustrie an Golfspielern und Finca-Urlaubern gesunden sollte, scheinen vorbei.

Heinz Müller aus Münster hört solche Worte gerne. Er ist der Mann, der freimütig bekennt: „Ich bin schuld am Ballermann.“ Müller sagt diesen Satz nicht ohne Stolz. Seit mehr als 30 Jahren organisiert der Münsteraner Clubreisen und gilt auf Mallorca als Pionier. Jedes Jahr bekommen dabei 200 000 Männer und Frauen aus Kegelclubs und Fußballvereinen, vom westfälischen Hausfrauenzirkel bis zur bayerischen Schafkopf-Runde, ihren Spaß unter südlicher Sonne - die meisten von ihnen auf Mallorca, im Vergnügungsort S'Arenal. Heute ist Müller nach eigenen Angaben in diesem Segment unangefochten Marktführer in Deutschland.

Müller will im nächsten Sommer aber auch sechs gut besetzte Flugzeuge pro Woche nach Bulgarien schicken. Im Gegensatz zu den stolzer gewordenen Mallorquinern stehen die Gastgeber in Osteuropa den Gepflogenheiten der Gäste aus Deutschland noch ein wenig toleranter gegenüber. „Ein Schnaps kostet 50 Cent, ein Bier einen Euro“, beschreibt Müller-Touristik-Geschäftsführer Günter Sommer den messbaren Unterschied. In Mallorquas Fetenbabel um „Bier“- und „Schinken“-Straße liegen die Preise mehr als doppelt so hoch.

„Mit Bulgarien und Kroatien können wir nicht konkurrieren“, bekennt Juan Carlos Alia. „Aber Mallorca ist eine Marke“, sagt der Tourismusmanager und in punkto Vielseitigkeit sei seine Insel nicht zu schlagen. Hier verbirgt sich auch die eigentliche Strategie der Mallorquiner: Sie wollen für eine Woche pro Jahr den Kegelbruder und für zwei Wochen den Familienvater, der samt Anhang den Haupturlaub in ruhigeren Gefilden der Sonneninsel verbringt. Wenn sich damit dann auch noch die Saisonzeiten etwas in die Länge ziehen lassen und die Hotels nicht schon im Oktober schließen müssen, ist ein Großteil der Ziele erreicht.





Die Vielseitigkeit ist auch für Günter Sommer das schlagende Argument für die Sonneninsel im Mittelmeer. „Schon deshalb wird Bulgarien Mallorca so schnell nicht ablösen können“, sagt er. Und die tägliche Erreichbarkeit in kaum zwei Flugstunden von fast allen deutschen Flughäfen ist ein weiterer Trumpf für „Malle“. „Wenn die Billigflieger tatsächlich bald auch touristische Ziele ansteuern, dann wird davon auch Mallorca profitieren“, pflichtet ihm Martin Katz, Geschäftsführer der Bahn-Touristik-Tochter Ameropa bei.

Doch auch er glaubt, dass sich Mallorca bewegen muss, um wieder an alte Tourismus-Hochzeiten anknüpfen zu können. „Die alte Regierung hat sich ganz offensichtlich verrannt, die Restriktionen müssen gelockert werden.“ Damit meint er neben einer moderateren Preisstruktur an vorderster Stelle das Musik-Verbot in Open-Air- Kneipen nach Mitternacht.

Aber da wollen selbst die ertragsorientierten mallorquinischen Tourismuspolitiker aus dem in die Regierung gewählten bürgerlichen Lager nicht mitspielen. „Wir müssen auch an die Einheimischen denken, die am nächsten Tag wieder zur Arbeit gehen müssen“, sagt Franzisca Bennassar, Tourismus-Stadträtin in der Hauptstadt Palma mit einem leicht erhobenen Zeigefinger. Der Slogan: „Jeder Tourist ist ein Freund“ gelte zwar unverändert. Aber auch bei den nächsten Wahlen werden die Mallorquiner und nicht die Deutschen ihre Stimmzettel in die Wahlurnen werfen.

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