Business Travel
Dienstreisen: Am falschen Ende gespart

Alle reden von Kosten sparen, gerade bei Dienstreisen. Doch Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in einen durch Sparsamkeit ausgelösten Reisestress versetzen, tun sich keinen Gefallen. Restriktionen bei Geschäftsreisen beschneiden mehr als nur den Komfort der Mitarbeiter. Auch die Fürsorgepflicht der Unternehmer droht in Vergessenheit zu geraten.
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DÜSSELDORF. Auf der Kippe stehen auch Verhandlungserfolge. Es drohen gar Verstöße gegen die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Beschäftigten. Für Travelmanagement-Berater Jörg Martin ist es schon „Körperverletzung“. Selbst Hühner in Legebatterien hätten mehr Raum als Reisende, die heute auf Interkontinental-Flügen in die Holzklasse gepfercht werden, beklagt der Inhaber der CTC Corporate Travel Consulting. Der Faktor Mensch bleibe auf der Strecke, das „Thema existiert nicht mehr“, sagt Stefan Vorndran, Chef des führenden deutschen Geschäftsreiseanbieters BCD Travel. Noch vor einem Jahr habe eine Umfrage unter BCD-Kunden ergeben, dass der Komfort der Mitarbeiter höher bewertet werde als die Kostenoptimierung. In Zeiten der Rezession habe sich das Bild um 180 Grad gedreht.

Vielen Unternehmen ist dabei gar nicht klar, dass sie oftmals einen noch viel höheren Preis riskieren. Denn durch ihre Fürsorgepflicht sind Arbeitgeber auch haftbar – und müssen im Ernstfall zahlen – wenn ein Mitarbeiter aufgrund betrieblich verschuldeter Übermüdung in einen Unfall verwickelt wird. Übermüdung beispielsweise, weil nicht der Direktflug gebucht wurde, sondern die preiswertere aber zeitraubende Umsteigeverbindung.

Eben dieses Risiko scheinen Unternehmen in Deutschland immer öfter einzugehen. Entweder, so beobachtet BCD-Chef Vorndran, streichen sie anstehende Geschäftsreisen gleich ganz. Oder sie entscheiden nach dem „Best Buy-Prinzip“: niedrigere Service-Klassen in Airlines, Hotels, Mietwagen und der Bahn sowie häufigere Umsteigeverbindungen.

Der „Airplus Business Travel Index 2009“ bestätigt das. Zwar gaben deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr 2009 insgesamt 31 Prozent weniger für Flugtickets aus als noch im Jahr zuvor. Während jedoch die Anzahl der Flüge nur um 17 Prozent sank, haben sich die Buchungen für die Business Class insbesondere bei Großunternehmen nahezu halbiert.

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