Designhotels
Home, suite Home

Hotels galten bislang nicht unbedingt als Inspiration für die heimische Inneneinrichtung. Seitdem sich jedoch teils namhafte Designer am Interieur von Hotelketten beteiligen, wurden die Möbel allmählich zu begehrten Einrichtungsgegenständen – und Übernachtungen zum wohnen auf Probe.

Was Low-Cost-Carrier damit zu tun haben, dass die Deutschen ihre Wohnungen stilvoller ausstatten? Auch wenn auf den ersten Blick kein Zusammenhang vorzuliegen scheint, ist doch in den vergangenen zehn Jahren ein auffälliger Anstieg der (günstigen) Städtereisen und der extravagant gestylten Hotels zu beobachten. Und damit auch der Wunsch, mehr als nur einen Bademantel oder ein Hotelhandtuch für die Verschönerung des eigenen Heims mit nach Hause zu nehmen.

Besonders die USA, Spanien, die Niederlande, die Türkei und Frankreich zielten mit spektakulären Häusern wie dem Setay in Miami, dem Delano in Florida, der Kette „W“ in den USA oder dem Mykonos Blue in Griechenland auf neue Gästegruppen – und das bekanntlich erfolgreich. Modedesigner, Maler, Fotografen, Medienleute und Architekten lieben diese Hotels – und stilbewusste Zeitgenossen folgen ihnen nach. Und begannen, den Hotelstil für daheim zu entdecken. Der Skateboarder Tony Hawk, der auf seinen Wettbewerben rund um die Welt in vielen Hotels nächtigte, gestaltete vor zwei Jahren seine Wohnräume neu. Seine Inspiration bezog er von Hotel-Interieurs.

Das Radisson in Kopenhagen war vielleicht das erste Designerhotel, dessen Einrichtung man nachkaufen konnte. Schon in den 60er-Jahren hatte Arne Jacobsen dafür eigens die Sessel „Swan“ und „Egg“ entworfen. Seither zählen sie zu Klassikern der Möbelgeschichte und finden sich in zahlreichen Privathaushalten, aber auch in Hotels. Das architektonische Gesamtkunstwerk war eine rühmliche Ausnahme, aber auch ein früher Wegbereiter einer progressiven Hotelgestaltung. Doch während sich früher ein Hotel – vom einfachen Haus bis zum Fünf-Sterne-Palast – quasi einem „Einrichtungs-Dresscode“ unterwerfen musste, trauen sich in letzter Zeit immer mehr Hotelchefs an künstlerisch gewagte Inneneinrichtungen heran.

Innenarchitektin Yasmine Mahmoudieh, die schon etlichen Luxushotels ein unverwechselbares Design verliehen hat, durfte sogar das Radisson Kopenhagen neu gestalten. Das Management gab ihr die Stilvorgabe: „80 Prozent der Gäste sollen ihn lieben, 20 Prozent sollen ihn hassen.“ „Das fand ich äußerst mutig, und dort hat das Management richtig erkannt, welches Potenzial in streitbarem Design liegt“, sagt die Innenarchitektin.

Das von Mahmoudieh gestaltete Radisson SAS am Berliner Alexanderplatz läuft ebenfalls erfolgreich. „Ein Fototermin im Hotelzimmer ist leider nicht möglich, oder muss ich sagen: zum Glück?“ scherzt der Hoteldirektor. Das Haus sei zu 100 Prozent ausgebucht und das schon seit einer Woche – das Publikum der Musikmesse Popkomm scheint das Design zu goutieren. Mahmoudieh, die die Zimmer mit dem spektakulären Blick auf den Berliner Dom in Wasseroptik gestaltete – passend zu dem gigantischen Aquarium im Atrium, durch welches ein gläserner Aufzug hindurchfährt – nimmt es freudig zur Kenntnis.

„Gutes Design macht sich mittelfristig – in diesem Fall auch sehr kurzfristig – bezahlt“, ist ihre Devise schon seit je. Wobei sie Hotels, die sich mit dem Label „Designhotel“ schmücken, erst einmal kritisch gegenübersteht. „Es gibt bereits so viele Kopien und Kopien der Kopien. Mir kommt es oft so vor, als ob Innenausstatter in Magazinen blättern und dann die Räume mit diesen und jenen Stücken schmücken, die insgesamt keine Linie bilden.“ Der rote Faden sei wichtig, der muss sich erkennbar im Hoteldesign zeigen. Eine Aussage, ein Statement muss vorhanden sein.

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