Die Legende rollt: Eine stilvolle Reise mit dem Orient-Express von London nach Venedig
Luxuriös gerädert

Sie hatte ihr ganzes Leben davon geträumt, einmal mit dem Orient-Express zu reisen, schreibt Agatha Christie in ihrer Autobiographie. Dann tat sie?s. Was dabei herauskam, ist weitreichend bekannt: "Mord im Orient-Express".

Jetzt sitzt ein anderer Autor im eleganten Abteil: Prinz Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Sein Meisterwerk sind die "Manieren". Der Bestseller und der elegante Aristokrat passen prächtig zu den Luxus-Reisenden, die heute wieder Kreuzfahrten auf Schienen buchen.

Wie der Student, Anfang 20, der drei Jahre für seine Traumreise gespart hat oder das Pärchen, das den 70. Hochzeitstag in einem Zug feiert, er 96, sie 93 Jahre alt.

Auch "Miss Marple" ist dabei. Die stämmige ältere Dame, die der Darstellerin aus dem Mordsfilm so verblüffend ähnlich sieht, besteigt im Londoner Bahnhof Waterloo den "British Pullman", der auch unter der Flagge Orient-Express fährt.

Der Name stand in den 20er Jahren für stilvolles Reisen, doch nach 1945 kam der Zug nicht mehr so recht in Fahrt und endete schließlich auf dem Abstellgleis. Aus dem Dornröschenschlaf erweckte ihn der Amerikaner James B. Sherwood.

Er restaurierte den Zug detailgetreu nach Vorlagen bis zum Luxus alter Lalique-Scheiben und setzte ihn auf spektakulären Strecken wieder auf die Schiene. Vor allem von London nach Venedig, damit die Gäste in der Urzelle seines Reise-Imperiums landen, im Hotel Cipriani.

In Zeiten, in denen man für 99 Euro in acht Stunden nach New York fliegen kann, ist der Orient Express gerade durch seine Langsamkeit etwas Besonderes und ein beeindruckendes Denkmal früheren Reisens. Die meisten Gäste sind Briten. Wir geben ihnen für zwei Tage und eine Nacht Namen. "Camilla" ist gleich doppelt dabei. Die beiden Damen mit dem Feder-Kopfputz fangen schon mal an mit dem Kostümfest, das eine Fahrt mit dem Orient Express auch immer ist.

"Rod Stewart" schlägt etwas aus der Art in seinen durchlöcherten Designer-Jeans, dem bis kurz vor Nabelschau aufgeknöpften Hemd und der bauchfreien blonden Begleitung. Ansonsten sehen die meisten Passagiere very british aus, vorwiegend gekleidet in gediegenem Land-Lord-and-Lady-Look.

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