Die Malediven haben auf- und umgebaut und warten nach dem Tsunami hoffnungsvoll auf eine neue Touristenwelle
Im Bett, das sich zur Sonne dreht

Mehr als ein Traum vom Paradies: Körper, Geist und Seele baumeln lassen in der sandfarbenen gehäkelten Hängematte und schon morgens im Halbschlaf Fische gucken beim Zähneputzen unter der glänzenden Philippe-Starck-Schüssel in der Wasservilla mit eigener Wellness-Abteilung.

Das Funktelefon. Mitten ins romantische Champagner- und Hummer-Abendessen klingelt es am fackelbeleuchteten Sandstrand der Malediven-Insel Rangali. Hilton-Hotelchef Carsten Schieck lauscht konzentriert, klappt schließlich entschlossen das mobile Telefon zu wie eine Muschel. Es war ein Anruf aus der Inselhauptstadt Male: Tsunami-Warnung.

Verwirrt schauen die Gäste am Tisch von ihren Tellern auf, halten kurz inne beim Knacken der Hummerschalen. Ein übler Scherz? Nein, ein schweres Seebeben mit Stärke 7,2 vor der Inselkette der Andamanen und Nikobaren im Indischen Ozean.

Sieben Monate nach der Flutkatastrophe in Südostasien scheinen die Warnsysteme sensibel und schnell zu reagieren. Sollten die Gäste informiert werden? Die Entscheidung wird Carsten abgenommen, weil schon kurz darauf die Entwarnung kommt: Das Beben hat diesmal keine Welle ausgelöst. Die Abendgesellschaft wendet sich wieder angenehmeren Problemen zu: Nehme ich jetzt vom kalten Hummer, den halben vom Grill oder den gut gewürzten nach Thai-Art?

Schieck erinnert sich: "Am ersten Weihnachtstag bekamen wir auch einen Anruf aus Male. Wir haben die Leute vom Strand geholt. Dann kam die Welle, allerdings nur wie eine etwas erhöhte Flut, schwappte über die Terrassen, und das war?s auch schon. Die Korallenriffe schützen uns." Und wenn es doch mal wieder ernst werden sollte? Darauf ist er vorbereitet, dann tritt Plan B in Kraft, der heißt: "Alle Mann in die Boote und raus aufs Meer."

Die Hilton-Zwillingsinseln liegen im Südwesten des Ari-Atolls. Weihnachten war die Welle von Osten gekommen. Obwohl die Malediven nur etwa 1,20 Meter aus dem Indischen Ozean ragen, ist das Atoll glimpflich davongekommen.

Schwer getroffen hat?s hingegen die Hauptstadt Male und einige von Einheimischen bewohnte Inseln. Es gab 82 Todesopfer, darunter drei britische Touristen; einer hatte beim Anblick der Welle einen Herzinfarkt erlitten. Der materielle Schaden wurde auf 470 Millionen US-Dollar geschätzt. Nicht gerechnet die Ausfälle durch ausbleibende Touristen. Anfang des Jahres betrug die Belegung gerade mal 30 Prozent. Harte Zeiten im Inselparadies, wo zwei Drittel der Bevölkerung vom Tourismus leben.

Jetzt hoffen die Malediver auf neue Touristenwellen, die auch schon wieder zu schwappen beginnen. Typisch für die Inseln sind Wasservillen. Die geräumigen Holzhäuser stehen auf Stelzen direkt im Ozean. Die Hilton-Villas zum Beispiel haben teilweise Glasböden, die schon beim Zähneputzen das Beobachten von Fischen erlauben. Zwei Sonnenuntergangs-Villen liegen in einem separaten Teil der Lagune. Deren Clou - neben Marmorbädern mit Meerblick, Glasböden unterm Couchtisch, eigenem Butler und Bootsservice - sind zum jeweiligen Stand der Sonne hin drehbare Betten. Hier könnte auch James Bond stilvoll stranden.

Doch ein Spa ist nicht genug. Hilton hat seit einigen Wochen ein zweites, separates Zentrum, 21 Wohlfühl-Wasservillen, jeweils mit eigenem Behandlungsraum.

Muss das sein? Manche wollen allein sein, frisch Verheiratete oder frisch Schönheitsoperierte. In einem Buchungspaket (für rund 1 000 US-Dollar pro Tag) sind gesunde Küche, Anwendungen sowie Gesundheits- und Stilberatung inklusive. Angebote, die allen hier die Schuhe ausziehen, sogar dem kaufkräftigsten Millionär.

Seite 1:

Im Bett, das sich zur Sonne dreht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%