Die neue Zahl soll die Gemüter beruhigen
Exorzismus auf US-Highway 666

Die Tage des „Devil's Highway“ sind gezählt. 77 Jahre lang verunglückten hier Autos und Menschen starben. Die Anwohner sind davon überzeugt, dass der Teufel seine Hände dabei im Spiel hat. Seit vergangenem Juni heißt die „Route 666“ (666 ist die Zahl für das absolut Böse) nun offiziell Highway 491.

HB/dpa SAN FRANCISCO. Der legendäre Highway, der sich durch die Berg- und Wüstenlandschaft von New Mexico, Utah und Colorado zieht, wurde in den 20er Jahren auf den unheilvollen Namen „Route 666“ getauft. Nach der Johannes-Offenbarung im Neuen Testament steht diese Zahlenkombination für das Böse schlechthin.

Doch Schritt für Schritt wird nun dem „Devil“ der Garaus gemacht. An diesem Mittwoch werden der Gouverneur des Staates New Mexico, ein Medizinmann der Najavo-Indianer und zahlreiche Anwohner mit einer feierlichen Zeremonie „den alten Highway läutern und den neuen segnen“, sagt ein Sprecher des Verkehrsbehörde von New Mexico. Seit vergangenem Juni heißt die „Route 666“ nämlich offiziell Highway 491.

Jahrelang hatten vor allem die indianischen Einwohner auf einen neuen Namen gedrängt. Die Gouverneure der Anlieger-Staaten konnten das Verkehrsministerium in Washington schließlich davon überzeugen, dass der Teufels-Highway eine andere Nummer erhält.

Dabei wurden eher profane Gründe vorgeschoben. Die Umbenennung könnte den Tourismus beleben und ängstliche Besucher, die bisher den Highway mieden, anlocken, argumentierte New Mexicos Gouverneur Bill Richardson. „Die neue Zahl wird viele Gemüter beruhigen“ meint Mark Thomas, Pastor der Gospel Lighthouse Gemeinde, die an den Highway und das riesige Navajo-Reservat mit über 280 000 Indianern grenzt. Auch wenn der Kirchenvater nach eigener Beteuerung nicht an teuflische Kräfte glaubt, so warnt er Autofahrer doch vor der „gefährlichen Strecke, die jedem Angst einjagt“.

Übermäßiger Alkoholkonsum, zu schnelles Fahren und nur zwei Straßenspuren, die das Überholen zum riskanten Manöver machen, dürften eher an den vergleichsweise hohen Unfallstatistiken Schuld sein. Für Pastor John Greydamus aus dem Ort Shiprock führen „zu viele betrunkene Fahrer“ das Werk des Teufels aus. Viele Indianer glaubten jedoch, ein Fluch laste auf der Straße, berichtet Greydamus. „Die Leute erzählen mir, dass sie Lichter in den Bergen sehen, wo sich nachts die Hexen treffen.“

Vor seiner Kirche beobachtete der Pastor häufig, wie sich Schaulustige und Reisende vor dem Highway-Schild „Route 666“ für einen Schnappschuss aufstellen. Solche Plätze sind inzwischen schwer zu finden. Seit Bekanntgabe der Umbenennung seien fast alle Straßenschilder verschwunden, sagt der Sprecher der Verkehrsbehörde. „Die Leute haben einen komischen Geschmack“, regt sich der Beamte über den Andenkendiebstahl auf.

In den nächsten zwei Jahren sollen Schilder mit der Aufschrift „New 491/Old 666“ den Weg weisen, bevor die umstrittene 6er- Kombination ganz vom Straßenrand verbannt wird. Außerdem soll der Highway ausgebaut und dadurch sicherer gemacht werden. In den blutigen Hollywoodstreifen „Route 666“ und „Natural Born Killers“ wird die Legende des teuflischen Highways natürlich weiterleben. Ebenso in den Köpfen einiger Anwohner, vermutet Pastor Greydamus. „Der Aberglaube bleibt, auch wenn die 666 verschwindet.“

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