Dior zieht Konsequenzen
Stardesigner Galliano im Zwangsurlaub

Nach Berichten über Handgreiflichkeiten des britischen Designers ist John Galliano von seinem Arbeitgeber, dem Modehaus Dior, vorläufig suspendiert worden - und das wenige Tage vor den Prêt-á-Porter-Schauen in Paris.
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ParisFür aufsehenerregende Auftritte war John Galliano (50) schon immer gut. Das Enfant Terrible der französischen Modeszene machte nicht nur in der Glitzerwelt der Laufstege Schlagzeilen. Der als narzisstisch und schwierig geltende Modemacher mit dem unkonventionellen Auftreten konnte sich viele Freiheiten bei seinem Arbeitgeber Dior ertrotzen. Die glänzenden Umsätze, die der exzentrische Brite dem Modehaus bescherte, ließen die Geschäftsführung immer wieder dezent wegsehen. Doch am Freitag war das Maß voll. Dior suspendierte Galliano bis auf weiteres - auch auf die Gefahr hin, dass die Modenschau von Dior am kommenden Freitag ohne ihn stattfindet. Modeexperten sprechen von einer Katastrophe.

Nach stundenlangem Manövrieren der Kommunikationsabteilung flatterte am Freitag in die Redaktionen eine Erklärung von Dior-Chef Sidney Toledano, die wegen ihrer Schärfe schon besorgte Fragen nach der Zukunft Gallianos bei Dior aufwarf. „Das Modehaus Dior bestätigt in aller Entschlossenheit seine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeglichen rassistischen oder anti-semitischen Äußerungen; bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse hat Christian Dior John Galliano von all seinen Aufgaben entbunden.“

Was war passiert? Nach den bisher noch spärlichen und auch widersprüchlichen Angaben soll es am Vorabend in einem angesagten Lokal im Pariser Szeneviertel Marais ein erhitztes Wortgefecht zwischen Galliano und einem Paar gegeben haben, das sich durch den
Modeschöpfer offenbar gestört fühlte. Böse Worte seien da gefallen, behauptete das aufgebrachte Paar später im Rundfunk - Entgleisungen, die vor allem im Marais-Viertel mit seinem traditionell starken jüdischen Bevölkerungsanteil Empörung auslösten. „Dreckiges Judengesicht, Du solltest tot sein!“, soll er demnach gepöbelt haben, um nachzusetzen: „Verdammter asiatischer Bastard, Dich bring ich um!“

Galliano, dem später auf der Polizeiwache ein Alkoholpegel von 1,1 Promille nachgewiesen wurde, ließ das über seinen Anwalt zurückweisen. Es habe zwar ein Wortgefecht gegeben, doch sei er verbal angegriffen worden. Die vermeintlichen Äußerungen seien nie gefallen, dafür gebe es Zeugen. Nach der Vernehmung auf der Polizeiwache war er auf Anordnung der Staatsanwaltschaft ohne Anklage auf freien Fuß gesetzt worden.

Dior zog dennoch die Notbremse. Der seit 1996 bei dem Modehaus unter Vertrag stehende Stardesigner hat ein Interesse dran, sich möglichst schnell von den schweren Vorwürfen zu befreien. Unklar bleibt aber, ob er es noch bis zur Dior-Schau schaffen wird. Galliano - der gern auch mal als Pirat verkleidet über den Laufsteg flanierte - tritt bei der Modenschau auch mit einer eigenen Kollektion an. Seine Liebe zum großen Auftritt dürfte einen schweren Dämpfer erhalten haben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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