Doku über Rolf Eden Party, Luxus und Lifting

Er wurde zum "peinlichsten Berliner" gewählt und gilt als letzter Playboy alter Schule. Regisseur Pete rDörfler hat das Phänomen Rolf Eden mit der Kamera begleitet. "The Big Eden" ist eine unterhaltsame Doku über Party, Luxus und Lifting.
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Berlinale: Rolf Eden hautnah

BerlinRolf Eden ist für Boulevardmedien wie geschaffen. Bei ihm verbinden sich Sex, Geld, Glamour, Trash und Exhibitionismus zu einer zumindest in Deutschland einzigartigen Mischung. Wie Auszeichnungen hat Eden Schlagzeilen über sich gerahmt und damit die
Wände seiner Wohnung tapeziert. "Ein Tag, an dem ich nicht in der Zeitung stehe, ist ein trauriger Tag", sagt der in die Jahre gekommene Playboy. Derzeit wird der 80-jährige ehemalige Disco-König von West-Berlin, Multimillionär und Gelegenheitsschauspieler kaum
nachkommen, die vielen Artikel über sich zu sammeln. Grund ist der Dokumentarfilm "The Big Eden" von Peter Dörfler ("Achterbahn"), der auf der Berlinale seine Weltpremiere feierte.

Dass er von einer Berliner Tageszeitung zum "peinlichsten Berliner" gewählt wurde, versteht ein Mann wie Eden als Ehre. "Von vier Millionen Einwohnern bin ich der Peinlichste. Wer ist das schon, ich finde das gut!" Für ihn ist das Leben eine einzige Party, alles Negative blende er aus. Vor allem aber sei er vom Glück gesegnet, sagt der vitale Lebemann, dessen derzeitige Lebensgefährtin ein halbes Jahrhundert jünger ist als er selbst.

Weithin bekannt sind die geschäftlichen Erfolge Edens im West-Berlin der 1960er und 70er Jahre. "Eden ist ein Mann der ersten Stunde: Erster Club, erste Disco, erste DJs.... Der Kudamm, die Stars der ganzen Republik: Diese Welt hat Eden mit geprägt", sagt Regisseur Peter Dörfler.

Eden machte ein Vermögen und wusste es auszugeben. Ungezählt sind die Frauen, mit denen er das Bett teilte. Mit sieben von ihnen hat er Kinder. Einige von ihnen kommen im Film zu Wort, der jüngste Sohn Kai (13) ebenso wie die älteste Tochter Irit (61). Böses weiß niemand über ihn zu sagen, auch die Ex-Geliebten nicht. Sie hätten alle gewusst, worauf sie sich bei dem bundesweit bekannten Casanova einließen, sagt eine von ihnen, aber seinem Charme und galanten Werben habe sie dann doch nicht widerstehen können.

Zum Valentins- beziehungsweise Mutertag gibt es für die Wichtigsten regelmäßig Blumensträuße. Edens Sekretärin kümmert sich darum, dass keine Dame auf den Listen - eine für Geliebte und eine für die Mütter seiner Kinder - vergessen wird.

Rolf Eden liebt die große Pose, zeigt sich in der Dokumentation über sich selbst gewohnt eitel, aber auch entwaffnend ehrlich. Quelle: dapd

Rolf Eden liebt die große Pose, zeigt sich in der Dokumentation über sich selbst gewohnt eitel, aber auch entwaffnend ehrlich.

(Foto: dapd)

Sein Jet-Set-Leben zwischen Cannes, Rio de Janeiro und Paris hat Eden, selbstverliebt wie er ist, auf Super-8-Filmen dokumentiert. Eitel, aber auch entwaffnend ehrlich sind diese Dokumente der Selbstinszenierung - und ungemein amüsant. Wie überhaupt dieses
freundliche Porträt bestes Unterhaltungskino ist: exzellent gefilmt und mit einem offenherzigen Eden, der in seinem altmodischen Machismo durchaus peinlich, aber niemals tragisch wird.

Umso überraschender sind die eher unbekannten Seiten von Edens Lebens- und Überlebensgeschichte. 1933 floh er mit seiner Familie nach Palästina und kämpfte 1948 in einer Eliteeinheit unter Itzak Rabin. Danach verdingte er sich einige Jahre als Musiker in Tel Aviv
und Haifa, bis er sich 1956 durch eine "Rückkehrerprämie" nach Berlin zurücklocken ließ. Diese 6000 Mark wurden das Startkapital für sein erstes Lokal, dem "Old Eden Saloon".

Zu seinen Hochzeiten betrieb Eden ein halbes Dutzend Diskotheken, die mit Miss-Wahlen, Striptease und anderen seinerzeit spektakulären Aktionen zum Pflichtprogramm für Berlin-Touristen, aber auch für Promis wurden - von den Rolling Stones bis zu "Kojak"-Darsteller Telly Savalas. "Mein ganzes Leben war fantastisch bis jetzt, und es bleibt auch so, hoffentlich", sagt Eden.

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