Dress for Success
Schuhe Deichmann – oder was?

There is no Business like Shoe-Business: Discounter wie Deichmann führen zu einer Demokratisierung der Schuhmode – mit den Mitteln kleiner Preisschritte.
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„Booaah, hast Du tolle Schuhe an!“. Die Freundin hält sich die Hand vor den Mund und blickt neidvoll zu Boden. Unter dem todschicken schwarzen Hosenanzug (Armani) blitzen chinalackrote Schuhspitzen hervor (Deichmann). Bei jedem Schritt klicken selbst- und modebewusst die hohen Hacken. Großer Auftritt. Die Mischung macht’s.

Man muss eben nicht Imelda Marcos heißen, um seinen Schuhtick zu befriedigen und meterweise Paare aufzureihen. Geht doch auch ohne Manolo Blahniks, Jimmy Choos oder Christian Laboutouns. Europas größter Schuheinzelhändler macht’s möglich, Deichmann steht für die Demokratisierung der Schuhmode. Beispiel: „Nimm 2 reduzierte, das zweite Paar reduziert zu 50 Prozent“. Nicht nur wer rechnen kann, langt da schon mal zu.

Flip Flops oder Stiefel bis überm Knie, Sportschuhe von Nike oder Adidas, lustige Puschen oder bunte Kinderschuhe. Da leistet frau sich auch schon mal die pinkfarbenen passend zum Outfit. Und wenn die dann noch reduziert sind: siehe oben. Die Auswahl ist immer groß. Die Verführung nicht minder. Der Laden fußläufig in bester Innenstadtlage.

Und was ist mit der Gretchenfrage nach der Qualität? Der Nachhaltigkeit, den Produktionsbedingungen in Ländern, wo die Leute barfuß laufen? Da drückt auch Deichmann schon mal der Schuh. Ok. Handgefertigte Maßschuhe sind was Anderes. Und klar, dass man für 19,90 nicht vom feinsten Leder ziehen kann. Aber im Vordergrund steht für Käufer und erst recht Käuferinnen sowieso eher der modische Aspekt. Gesundheitlich bedenklich? Ist der Gang auf Manolos sicher auch.

Frau kauft Schuhe bekanntlich nicht, weil sie sie braucht, sondern will, haben muss! Jetzt gleich. Um jeden Preis? Nicht unbedingt. In manchen Schuhschränken süchtiger Fashionistas stehen modische Deichmann-Treter friedlich neben sündhaft teuren Designer-High-Heels, Gucci-High Heels und Y-3-Sneakers. Äußerlich manchmal kaum zu unterscheiden.

Deichmann guckt dabei nicht nur auf die Füsse, sondern hat meist auch was im Köpfchen für Kampagnen. Die Schuhmacher arbeiten mit kurzen Einkaufsrhythmen und verpassen ihren Kollektionen immer wieder kurzfristige Kicks, damit der Laden läuft. Sie geben „Shoe Fashion“, ein eigenes Modemagazin heraus, , sponsern Borussia Mönchengladbach, fördern Hilfsprojekte in Afrika oder Moldawien, verleihen Journalisten-Preise und haben – natürlich – auch bei facebook einen Fuß in der Tür (453.971 Personen gefällt Deichmann).

Der Superfilialist hechelt nicht den Trends hinterher, sondern setzt selbst welche. Da steht dann auch nicht mehr nur Deichmann drauf sondern „5th Avenue by Halle Berry“, da heißen Party Pumps passend „Catwalk“ und Business-Bubis schlüpfen für den ersten Karriere-Schritt in „Borellis“ made bei Deichmann.

Klar, auch Männer können einen Schuhtick haben. Deichmann-Designer Marc Tüchthuisen, aufgewachsen in der Schuhstadt Kleve am linken unteren Niederrhein, gibt gern zu, so um die 400 Paar im Schrank zu haben. Wo der Trend hingeht? Auch da gibt sich Deichmann demokratisch „Momentan ist alles irgendwie in“. The Schuh must go on …

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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