Aloha, Büro!
Wenn das Hawaii-Hemd zum Business-Outfit wird

Das Hawaii-Hemd ist weltbekannt - jedoch nicht zwingend im positiven Sinn. Die polynesische Traditionskleidung gilt als Geschmacksverirrung, aber nicht als Business-Outfit. Doch bisweilen ist das Hemd sogar bürotauglich.
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DüsseldorfMode ist nicht nur ein Wirtschafts- und Kulturfaktor, sondern treibt auch in Krisen und Kriegen oft seltsame Blüten. Hawaii 1941. Die Japaner bombardieren Pearl Habour. In der legendären Verfilmung „Verdammt in alle Ewigkeit“ versteckt der junge Frank Sinatra seine Hühnerbrust unter einem Hawaii-Hemd. Ein Vierteljahrhundert später verbirgt sich ein Magnum-Kreuz drin: Tom Selleck lässt unterm Blumendruck die Muskeln spielen. In Serie. Spätestens seitdem ist die Fototapete auf der Brust beliebt in alle Ewigkeit.

Jetzt knöpfen sich die Japaner das Hawaii-Hemd vor. Nach Tsunami und Reaktor-Katstrophe müssen sie Strom sparen. Dafür drosseln die Firmen ihre Klimaanlagen und verordnen ihren Mannschaften Marscherleichterung. Bisher hieß das zur Sommerzeit „Cool Biz“, worunter kaum mehr als das Öffnen des obersten Hemdenknopfs zu verstehen war. Jetzt jedoch ist „Super Cool Biz“ angesagt. Wie das aussieht, demonstrierte jüngst das japanische Umweltministerium in einer Modenschau mit dem Hemd über der Hose. Dabei würden die Flower-Power-Prints besser „Büroblumen“ schmücken, wie weibliche Angestellte in Japan gerne genannt werden.

Eine offizielle Kleiderordnung verhalf  auch 1947 in Honolulu dem Hemd zur Karriere, jeweils vom 1. Juni bis zum 31. Oktober und ganz besonders am „Aloha Friday“. Touristen und auf Hawaii stationierte Soldaten exportierten den Trend in den Rest der Modewelt. Erkennungszeichen des Originals: Knöpfe aus Kokusnussschalen. Feinheiten: gerader Saum statt abgerundeter Ecken. Die Brusttasche darf weder Landschaft noch Blütenbild unterbrechen.

Anders als auf Hawaii, wo das Aloha Shirt durchaus auch als festliches Outfit zum Tragen kommt, war es hierzulande in den 80-er Jahren verpönt und verspottet als uniformes Spießer-Hemd für Pauschaltouristen. Doch irgendwie verblüht er nicht, der Trend zum bunten Hemd. Längst spielen nicht nur Fast-Fashion-Firmen wie H & M mit dem tropischen Textil sondern auch Top-Designer wie Dolce & Gabbana. Selbst Avantgardisten nehmen es sich zur Brust, verfeinern und verwaschen es, bis nur noch ein vornehmes wasserblaublasses Bambus-Muster übrig bleibt.

Der Komiker und Kabarettist Jürgen von der Lippe machte das Hawaiihemd zu seinem Markenzeichen. Es sei ja immer so heiß im Studio, da habe er sich geweigert im Anzug zu müffeln, hat er in einem Interview erzählt. So sei er schließlich auf die lockere Lösung gekommen. Und dabei geblieben. So an die siebenhundert Aloha-Shirts soll von der Lippe schon auf Sendung verschliessen haben.

Dagegen will der neue Sportschau-Moderator Matthias Opdenhövel auf keinen Fall groß geblümt auf den Bildschirm. Befragt, wie er denn auftreten wolle, antwortete er super cool: „Auf keinen Fall in einem Hawaii-Hemd.“ Recht hat er.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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  • Aus meiner Sicht ist das Hawaii-Hemd ein verzweifelter Versuch der wetterbedingten deutschen Tristess etwas Farbe einzuhauchen. Hawai ist ohnehin voll von bunten Blumen, Sonne und Farben, da reiht sich das Hawaii-Hemd sehr gut ein, aber hierzulande wirkt es einfach nur aufgesetzt. Für mich ist das hächste der Gefühle bei einem Businesshemd ein stark gestreiftes Hemd http://www.herrenschmiede.de/herrenmode/hemden/freizeithemden.html. Alles darüber hinaus wirkt für mich nicht seriös.

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