Dress for Success
Auf den Modehund gekommen

Sie sollen nicht zu groß sein und schön ausgewogen aussehen: Die Hundelust nimmt abstruse Formen an. Tiger-Dackel sind der letzte Schrei und als angesagtes Accessoires ein makabrer und überzüchteter Trend.
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Neulich bei einem gesetzten Essen anlässlich einer Geschäftseröffnung auf der Düsseldorfer Königsallee: Eine Dame kam zu spät, dafür mit Hund. Den nahm sie auf den Schoss. Schatzi durfte selbstverständlich mit am Tisch sitzen. Ich erschrak. Für mich sah das Tier aus „wie eine vom Fleckfieber befallene rasierte Ratte“ – zischelte ich meiner Tischnachbarin zu. Die erschrak ihrerseits. Über mich, ihre Freundin, übrigens eine militante Katzenfreundin.

Das ist keine Entschuldigung, wenn man Ahnung von Mode haben will, aber offensichtlich keine Ahnung von Modehunden hat. Sollte ich? Denn am Sonntag drauf in aller Herrgottsfrühe, schlendert so ein Rapper-Typ über den eben erwähnten öffentlichen Catwalk für Düsseldorfs Modeerscheinungen der einen oder anderen Art. Und was dackelt da an der langen Leine? Schon wieder so ein kurzbeiniges animalisches Etwas im pastelligen schweinchenrosa-elefantengrauen Tarnfarben-Look, sichtbar etwas schwach auf der Brust und in der Mitte leicht durchhängend.

Wow! Spätestens jetzt war klar, wen oder was ich da vor mir herlaufen hatte:  den angesagten Modehund. Keinen zeitlosen Mops, von dem schon Loriot behauptete, dass ein Leben ohne ihn möglich sei, aber sinnlos. Auch keinen portugiesischen Wasserhund, dem die Obamas auf die Sprünge in der Hunde-Hitparade verholfen haben.

Auch keinen Jacques Russell, bei dessen Frauchen ich auch schon ins Fress-, pardon Fettnäpfchen getreten bin, als ich voller Anteilnahme zum Familienzuwachs gratulierte: „Ist deeeer süß! Und wie nett, dass du dir einen Mischling aus dem Tierheim geholt hast, und nicht irgend so’n Modehund.“

War ehrlich ehrlich gemeint. Doch sie hat mich angeschaut, als ob ich eine Louis-Vuitton-Tasche nicht von einer Kopie vom Touristenmarkt unterscheiden könnte (kann ich auch nicht, schon gar nicht anhand der Trägerin). Ein Jacques Russell, wurde ich belehrt, ist der absolute It-Dog. Die niederläufige australische Rasse, eigentlich Arbeitstier und Jagdhund, wurde rudelweise zum Schosshündchen und Knuddeltier degradiert. Armer Hund.

Kommentare zu " Dress for Success: Auf den Modehund gekommen"

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  • Dazu kann ich nur sagen: Abartig bis hin zur Tierquälerei. Diese "Damen" sollten sich zum Spielen ein Stofftier kaufen und kein lebendes Wesen! Besonders P. Hilton tut sich da übelst hervor, weil sie vom Modehund, über Frettchen bis zum Kapuzineräffchen alles für ihre eitle Selbstdarstellung BENUTZT. Die Sachkundigkeit dieser unsäglichen Person bezüglich der verschiedenen Arten dürfte gleich Null sein (oder sogar kleiner als null, falls das möglich sein sollte).
    Mir tun diese Tiere, die oft genug nicht wie Hunde gehalten, sondern wie Spielzeuge besessen und bei Modewechsel einfach weggegeben werden unendlich leid. Wenn ich vergleiche, was meine Hunde alles erleben dürfen... Dazu gehört das fröhliche Plantschen in Schlammpfützen ebenso wie die üblichen Beschäftigungen, von langen Spaziergängen bei jedem Wetter mit ausgiebig Freilauf bis hin zu geistig forderndem Hundesport verschiedener Art. Mit Hunden zu leben fordert mindestens 3 Srunden Zeitaufwand pro Tag und der den sollte man mit Freude aufbringen und nicht als Pflichtübung. Ein Hund (oder anderes Tier) als gestyltes Modeaccessoir (inkl. Modefarbe und Parfüm, damit's nicht so sehr nach Hund riecht) geht überhaupt nicht. :-(

    Kleiner Hinweis an die Redaktion:

    Einen "Jacques Russell" gibt es nicht. Es gibt nur "Jack Russel Terrier" (FCI Nr. 345 (niederläufig; Vom Britischen Kennel Club nicht anerkannt)) und Parson Russel Terrier (FCI Nr. 339 (hochläufig)), benannt nach John (Jack) Russell (1795–1883), einem englischen Pfarrer und Jäger, der diese Rasse herausgezüchtet hat.

    Zu den Tiger Dackeln wurde ja schon was gesagt. Als Träger des Merle-Faktor sind sie in Gefahr blind und oder taub geboren zu werden (aber sonst sehr hübsch *sarkasmus*). Die Verpaarung Merle x Merle verstößt m.W. sogar gegen den Tierschutz und ist als Qualzucht verboten, da hier schwere Behinderungen regelrecht garantiert sind. Kein *verantwortungsvoller* Hundezüchter wird sich dafür hergeben!

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