Dress for success
Das Phantom Lagerfeld

Die Mode hat Methode – und das Museum modernes Marketing: Die Bonner Bundeskunsthalle hat dem Designer Karl Lagerfeld eine Schau eingerichtet – die erste, die seine Arbeit als Modedesigner in den Mittelpunkt stellt.
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DüsseldorfKarl der Große kommt nicht. Man wolle nicht das Phänomen Lagerfeld vorstellen, sondern seine Mode als schöpferische Leistung, erklärt Rein Wolfs, Direktor der Bonner Bundeskunsthalle, das Nichterscheinen des Modeschöpfers zur ihm gewidmeten Schau. Was den Multikreativen erst recht zum Phänomen macht – wenn nicht gar zum Phantom.

Deshalb wohl war auch die Medien-Meute in Bonn übersichtlicher als vor einem Jahr in Krefeld, als dort eine Lagerfeld-Ausstellung eröffnet wurde, mit der das Folkwang-Museum quasi sich selbst überrumpelte – so groß war im einstigen Kohlenpott der erste Andrang. Und Lagerfeld lieferte: spruchreif und druckreif wie immer.

Nach Bonn kam jetzt zur Vorbesichtigung immerhin Suzy Menkes, die wohl bekannteste und gefürchtete Mode-Journalistin der Welt („Der Teufel trägt Tolle“). Über ihren Freund Karl Lagerfeld soll sie mal gesagt haben: „Ihm fehlt eine Mutter, die ihm sagt, wann er zu weit geht.“

Dabei ist Lagerfeld immer dann besonders gut, wenn er weiter geht als seine gestandenen Designer-Kollegen: wenn seine schwangere Braut zum Beispiel ein Hochzeitskleid aus Neopren trägt, auf einem rot-orangefarbenen Cocktail-Kleid Glühlampen blühen, sich die Glitzerkaskaden auf dem Rücken einer Abendrobe aus zwei aufgestickten Wasserhähnen ergießen, die die Schulterblätter schmücken.

Das wohl bedeutendste Teil steht gleich am Anfang, mit ihm begann Lagerfelds Karriere: Der dottergelbe Wollmantel, mit dem er 1954 den Wettbewerb des Internationalen Woll-Sekretariats gewann. Zeitlos schön. Könnte frau heute noch tragen.

Die Bonner Ausstellung „Karl Lagerfeld Modemethode“, kuratiert von Lady Amanda Harlech, Lagerfelds langjähriger Creative Consultant, gemeinsam mit Museumsdirektor Rein Wolfs, zeigt noch bis zum 13. September 2015 Arbeiten aus 60 Jahren für die Luxusmodehäuser Chanel, Fendi, Chloé und das eigene Label Karl Lagerfeld. Für das römische Pelzhaus Fendi verfeinerte er den Pelz. Oder verarbeitete ihn streifenweise zu einem Gewand für eine Neo-Neandertalerin. Möglicherweise waren es Fellreste aus der Kollektion, mit denen er seine pelzverbrämten und perlenverzierten Sturzhelme kreierte.

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