Dress for Success
Das rote Sofa steht ihm gut

Ein rotes Sofa wird zur „never ending story“. Der Düsseldorfer Künstler Horst Wackerbarth fotografiert über Jahre hinweg Menschen in ihrem Alltag. „The gallery of mankind“ ist eine Kampagne, die sitzt.
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DüsseldorfBereits seit den 80-er Jahren zieht der Fotokünstler Horst Wackerbarth mit seiner roten Couch um die Welt. Mehr als 700 Menschen haben bisher Platz genommen und ein Dutzend Fragen zum Sinn des Lebens beantwortet – in über 50 Ländern. Entstanden ist eine Kampagne, die sitzt.

In vielen Bildern, lesens- und liebenswerten Statements von „normalen Menschen“, darauf legt der Künstler wert. Die Rote Couch, sie ist seine „gallery of mankind“, sowohl „work in progress“ als auch eine „never ending story“. Fortsetzung folgt, Ende offen.

Auch Möbel sind Moden unterworfen. Weniger Wackerbarths künstlerisch wertvolles Besitztum, irgendwie eine Mutation zwischen Ikeas Klippan und Omas Gelsenkirchener Barock-Klassiker. Es ist inzwischen das vierte Sitzmöbel in Fotoserie.

Das erste ist bei einem Schiffsmanöver im Pazifik versunken, das zweite bei einer Feuerwehrübung in Flammen aufgegangen, weil der Wind drehte, das dritte hat eine Museumsmitarbeiter versehentlich für Sperrmüll gehalten und entsorgt.

Das vierte Sofa hütet Wackerbarth nun schon seit 1996: „Das Sofa muss seine Magie behalten.“ Wenn’s kunstvoll durchgesessen ist, wird’s neu bezogen. Zweimal war eine komplette Restaurierung notwendig, nachdem Löwen es zerfetzt und Eisbären den Rahmen verzogen hatten.

Wann und wie hat es eigentlich angefangen? In den wilden 70-er Jahren der Werbung. Wackerbarth war ein gefragter Werbefotograf. Auslöser war der Transport des Sofas eines Freundes aus einem Loft in einen leeren Swimmingpool. Der bewegte was in Wackerbarth. Bald kamen auch Idee und Sofa in Bewegung.

Anfangs experimentierte er noch mit farbigen Bezügen. Auf eine blaue Couch setzte er Madonnen der Moderne, auf ein grünes Sofa Sportlerinnen wie Gabriela Sabatini und Anke Huber. Aber Wackerbarth wollte nicht nur Fotos machen, sondern Signale senden. Das macht man besser in rot. Und so zieht er, zieht sich das rote Sofa wie ein roter Faden durch seine Biographie. Man kann sagen, der Mann ist besessen von seiner roten Couch.

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