Dress for success: Das unartig dekorierte Schanghai-Girl

Dress for success
Das unartig dekorierte Schanghai-Girl

High Fashion aus China ist weder eine Kopie westlichen Stils noch Folklore, sondern eine elegante und erfolgreiche Verbindung von „East meets West“. Beste Beispiele dafür: Designer Lu Kun oder die Fotografin Chen Man.
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SchanghaiEs waren die wilden 20er und 30er Jahre, als Schanghai als „Paris des Ostens“ galt. Damen und Dandys pflegten in der Stadt am Delta des Yangtse-Flusses einen ausschweifenden Lebensstil bis hin zur Dekadenz. Davon künden heute noch die kolonialen Prachtbauten an der berühmten Uferpromenade Bund ebenso wie die in lauschigen Gärten versteckten Villen und Pavillons in der ehemaligen Französischen Konzession.

Auch China hat seine Generation Y, die diesen lasziven Lebensstil in Mode und Möbeln, Hotels, Restaurants, Klubs wieder aufleben lässt. Das legendäre Schanghai erfindet sich neu. Seinen elegant-frivolen Mode-Stil findet man mit etwas Glück noch auf verblassenden Bildern inmitten von altem Hausrat auf Trödelmärkten am Rande der City – oder neu interpretiert im Mode-Atelier von Lu Kun. Für den bereits vielfach ausgezeichneten Designer ist Fashion irgendwie auch Art Deco – eine Art Dekoration eines idealen Frauenkörpers. Mit seinen auch mal unartig dekorierten Schanghai-Girls gilt der 34-jährige Modemacher als „chinesischer Galliano“.

Lu Kun ist in Schanghai geboren. Sein Vater war ein einfacher Arbeiter, seine Mutter fegte Straßen. Und dachte dabei praktisch, wenn es um die Berufswahl des Sohnes ging, der sich früh für die schönen Dinge des Lebens interessierte und gerne malte: „Make up brauchen die Leute nicht unbedingt, auch nicht Deine Ideen für Innenarchitektur. Aber Kleider. Werde Schneider, da brauchst Du nur eine Nähmaschine.“ Nicht ganz. Auch ein Händchen für den Stoff, aus dem Modeträume sind. Schöne Kleider aus zarten, fließenden Stoffen, oft reich verziert mit Pailletten und Glitzersteinchen, raffiniert in ihren körperbetonten Schnitten, bühnenreif – aber auch mal ironisch im Bling-Bling-Tarn-Look.

Mode, die Begehrlichkeiten weckt, doch nicht so leicht zu finden ist in der Millionen-Stadt. Deshalb gehört ein Besuch in Lu Kuns verstecktem Atelier in einer alten Uhrenfabrik auch zum Programm der Peninsula Academy, mit dem das Luxus-Hotel seinen Gästen Touren und Besichtigungen abseits der Touristen-Ströme offeriert, auch unter dem Titel „Art in Focus“ Orientierungshilfe im Labyrinth der überall sprießenden Kunst-Galerien.

Die Idee zu „Modern Shanghai Chic“ entstand bei einer Foto-Session in den Art Deco-Kulissen des Hotels. In seinem kunterbunten Atelier erklärt Lu Kun seinen Gästen gern seine Kollektionen, in denen er „the Best from East and West“ zu großen Roben verbindet. Er entwirft und fertigt in Schanghai, denn wie seine westlichen Kollegen weiß er: „Wenn die Fabrikation zu weit weg ist, wird es schwer, die Qualität zu kontrollieren.“ Der Kenner sieht’s deutlich, wenn er die Mode mal auf links dreht. Oder die einzelnen Knöpfe bestaunt.

Auch Paris Hilton hat schon Lu Kun für sich entdeckt. Die deutsche Designerin Susanne Wiebe, lud ihn nach München ein. Ein früheres Angebot von Dolce & Gabbana hat der Shooting Star aus Schanghai ausgeschlagen, sein eigenes Label war ihm wichtiger: „Ich habe meine Lektion gelernt: Geh deinen eigenen Weg.“

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Chen Man: Eine Fotografin mit Träumen

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